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Thun - Wangen 1-2
19.05.2001NLB Abstiegsrunde 2000/2001


17.15 Uhr, Bahnhof Münsingen: Die Arbeit ist getan, ich warte auf den Zug und schaue abwechselnd der Sonne und den beiden hübschen Mädchen neben mir über die Schultern. Da klingelt mein Handy, Sascha am Apparat, pardon, ein lauter, jubelnder Sascha am Apparat. "Schalke ist Meister!" schreit er mir ins Ohr. Ungläubig wie ich bin, muss er mir die ganze Tabelle vorrechnen. Schalke hat 5-3 gegen Haching gewonnen, HSV 1-0 gegen die Bayern. "Wirklich?" "Nun ja, das Bayern-Spiel ist noch nicht ganz fertig..." Egal, ich juble trotzdem schon und warte dann wieder Sonnen- und Mädchenanstrahlend auf den Zug.

17.20 Uhr, Bahnhof Münsingen: Der Zug fährt ein. Und ausgerechnet in diesem Moment klingelt wieder mein Handy, Sascha am Apparat, pardon, ein leiser, brummender Sascha am Apparat. "Vergiss es! Bayern hat noch das 1-1 gemacht." Frustriert steige ich in den Zug.

17.45 Uhr, Lachen Stadion: Da läuft doch tatsächlich Fussball. Fussball für jedermann. Und nicht mit jedermann. Denn wenn die Thuner Zuschauer Gratiseintritt haben, denken die Thuner Spieler erst recht nicht daran, auf dem Rasen Leistung zu zeigen. Wobei, ich will nicht ungerecht sein. Bei meiner Ankunft stehen doch auf der Anzeigetafel schon 20 (!?!) Minuten und 1-0 Tore. Thun führt also, Torschütze Raimondi. Wie auch immer. Angreifen wollen die Thuner jetzt ohnehin nicht mehr, einzig Okpala läuft ab und zu noch ins Abseits. Damit wir seinen bekannten Tick auch dann nicht vergessen haben, wenn er längst bei Aarau spielt. Überhaupt ist es ein Spiel der Abschiede, ein letztes Mal sieht man Thuner Sportgrössen wie Berisha, Born oder Toldino Valente (den aber nur auf der Ersatzbank) auf Thuner Gras... herumstehen.

18.10 Uhr, Lachen Stadion: Lucky Punch heisst das Spiel, dieses tolle Spiel, wo man vom Elfmeterpunkt aus den Ball an die Torstangen knallen muss. Gar nicht so einfach, wie ein Blick auf den Jackpot, der 1100 Franken beinhaltet, zeigt. Und als der erste Wagemutige verschiesst, liegen noch mal 100 mehr Franken drin. Die ideale Gelegenheit für Sportreporter-Guru Peter Jost von den Tägu-BZ-Oberländer-Volksblatt-Nachrichten, den gerechten Lohn für seine stets brilliant geschriebenen und wunschlos ausführlichen Berichten zu ernten. Er tritt an und trifft. Hurra!
Jetzt wissen wir also endlich, warum in DIESER ZEITUNG kein Wort über das Cuphalbfinalspiel zwischen Rotschwarz Thun und Sursee (0-7) geschrieben stand. Oder warum er nicht über Baden- Thun berichtete. Jost hat am Mittwoch abend fleissig Elfmeter trainiert.

18.40 Uhr, Lachen Stadion: "Hopp Wange! Hopp Wange!" Da jetzt die Wangener Gäste den Ball plötzlich treffen anstatt wie in den ersten Minuten nur dumb zu verstolpern,
erwacht die Handvoll auswärtiger Fans zum Leben und feuern ihre Spieler endlich an. Und diese danken mit guten Akionen, nicht zuletzt, weil die Thuner Spieler nicht nur
einfach herumstehen, sondern gar am falschen Ort herumstehen. Dass die Wangener nicht gerade eine Torflut beginnen, liegt einzig an einem gut haltenden Kobel. Ein 1-1
und ein 1-2 gibt es aber trotzdem zu vermelden.

19.10 Uhr, Lachen Stadion: Die wahrscheinlich letzten Minuten der Saison für uns Fans, da bei solch miesen Spielleistungen der Thuner keiner ernsthaft daran denkt, ans Auswärtsspiel nach Genf zu reisen. Von einer Teilnahme am Familientag wollen wir gar nicht erst sprechen. Wobei, wir wollen nicht an der Fachkompetenz eines Vereins zweifeln, der

- die Aufstiegsrunde aufgrund eines fehlerhaften Matchblattes verpasst
- der Publikumslieblinge wie Born und Valente verjagt
- der zwar jedem x-beliebigen Thuner einen Gratiseintritt verschafft, hingegen nicht einmal mehr Fanclub-Saisonkarten führen will (oder warum bleiben unsere Anfragen stets unbeantwortet?).

Und dann ist da noch dieser Vermerk im Matchprogramm, wo einem (Zitat!) Spieler von "WANGEN AN DER AARE" gratuliert wird.

Nun ja, ein Gutes haben Leistungen von Vereinsführung und Spielern - der Fanclub wird nächste Saison so ziemlich alleine im Lachen Stadion stehen, alle die Modefans der vergangenen Jahren werden da nirgends mehr zu sehen sein bzw. wohl zu YB ins Neufeldstadion tripen.

19.13 Uhr, Lachen Stadion: Schlusspfiff. Abschied von einigen Lieblingen. Zu hören sind einige wenige Klatscher... und ein gellendes Pfeiffkonzert.

Man merke: Fussball ist, wenn Bayern Meister ist, YB über Schulden klagt (jetzt aber zur Abwechslung mal wieder in der NLA) und der FC Thun daheim verliert.

PS. Auswärts ist der FC Thun seit November ungeschlagen.
PSS. Der FC Thun ist weiterhin Tabellenführer!!!

Matthias Engel