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Lausanne - Thun 1:3
28.10.2017Super League 2017/2018


Ich packe in meinen Rucksack: Bier, Weisswein, Zigis, Gras, Schnupf, Snus, Pyros, Böller und natürlich Pfefferspray... denn ja, Fussballfans leben gerne ungesund. Wobei der Selbstzerstörungstrieb eines durchschnittlichen Thunfan wohl nie so gross ist wie auf einer Fanfahrt nach Lausanne. Ob es an der neuen Theorie liegt, dass man nie so gut Fremdsprachen spricht wie wenn man auf einem Alk-, Tabak- und Sonstwie-Trip ist (c’est un voyage dangereux) oder daran, dass es gegen Lausanne immer auch ungesund viele Tore gibt, weiss ich nicht. Aber etwas weniger Jackass-Mentalität wäre manchmal eine Überlegung wert.
Aber genug gelästert über Leute, für die ich an den anderen 363 Tagen im Jahr meine Hand ins Feuer legen würde. Dass ich heute in der ersten Halbzeit nicht mitten im Block stehe, sollte nicht als Protest gegen irgende gspässige Fankultur missverstanden werden, sondern ist allein auf mein Gefühl zu Spielbeginn zurück zu führen, dass hier heute etwas Besonderes in der Luft liegt in Lausanne. Und zumindest um 19.00 Uhr riecht es hier nicht nach Pfefferspray, sondern nach einem guten Match. Also gebe ich mir ausnahmsweise Mühe, die Thuner Tore zu sehen. Und nicht von Fahnen - und vor allem durch Geschnurr mit den Kumpels - abgelenkt zu werden. Und so sehe ich in der 6. Minute tatsächlich das 1:0 der Thuner. Wobei: Mein SofaScore-Liveticker vermeldet ernsthaft, dass Da Silva den entscheidenden Pass gegeben hat und (jetzt wird es wirklich kreativ) Ruberto den Ball ins Netz gekickt hat. Schreibt da einer, der noch stärkere Drogen in seinen Rucksack gepackt hat? In Wahrheit ist das Tor nämlich durch eine schöne Kombination von Sorgic und Rapp entstanden.
Der selbe Rapp steht in der 30. Minute schon wieder im Mittelpunkt eines Thuner Torjubels: Bei einem weiteren Thuner Angriff steht er bei einem Abpraller goldrichtig: 2:0. Aber eben: Spiele gegen Lausanne sind immer reich an Toren - und an Abwehrfehlern. Einen davon nutzt Geissmann in der 32. Minute. Und schon ist Lausanne wieder zurück im Spiel.
Trotz diesem kurzen Dämpfer bleibt das Spiel der Thuner spektakulär. Wieder ist es in der 36. Minute Sorgic, der Rapp lanciert. Und der zaubert nun regelrecht. SR13 nimmt den Ball nicht nur weltklassemässig an, sondern versenkt ihn volley aus 20 Metern ins Tor. Grande Simone! Und gleich noch ein starker Auftritt von Rapp in der 38. Minute, wobei dieses Mal der Ball bei Spielmann landet. Auch der trifft eiskalt. 1:4! Doch der Treffer zählt nicht. Rapps Aktion sei ein Foul gewesen.
So fasst Lausanne wieder Hoffnung und setzt die Thuner in der Schlussphase der ersten Hälfte unter Druck. Sie erzwingen mehrere Fehler, aber kein Tor. Thun rettet den 2-Tore-Vorsprung in die Pause.
Ich bleibe zwar zuversichtlich, ohne aber noch dieses besondere Gefühl zu haben. Und so reihe ich mich doch noch in der Fankurve ein. Ist auch angenehmer bei dieser eiskalten Bise. Hätte ich doch besser Winterjacke, Handschuhe und Vaduz-Wullechappe eingepackt. Besonders nervig: Plötzlich schwimmt Zigi-Asche in meinem Bier. Dabei wird nicht etwa direkt neben mir, sondern fünf Reihen vor mir geraucht. Gegen solche üble Wetterverhältnisse hilft nur Dauersupport. Und eine Tetris-Auf-und-Ab-Choreo. War dieses Game immer schon so anstrengend? Vom Spiel sehe ich nicht mehr viel. Was nicht weiter schlimm ist, da sich nun Lausanne verzweifelt abmüht, zum Anschlusstreffer zu kommen. Das Chancenplus der Waadtlãnder ist aber auch für genaue Beobachter überschaubar und für alle nicht furchteinflössend. Thun bringt den Sieg über die Zeit.
Und so feiern wir bei Abpfiff Rapp. Forza Simone! Worauf unser Held von Lausanne prompt sein Trikot in die Fankurve wirft. Ein toller letzter Schuss.
Ich packe in meinen Rucksack: Drei Punkte, ein Rapp-Trikot, eine Portion Gringweh und jenen Kumpel, der uns schon bald eine Runde Kafi Schnaps zahlen wird...