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Thun - Luzern 1:1
19.03.2016Super League 2015/2016


«Wenn der Umsatz wichtiger wird, als die Leidenschaft..» Der Satz in der Jubiläums-Blockschrift lässt mich grübeln. Also ich würde das Komma gegen einen weiteren Punkt eintauschen. Oder die Satzzeichen gleich ganz weglassen. Wobei bei diesem Satz der Inhalt ohnehin wichtiger ist als die Grammatik. Denn wer die Blockschrift auf den Punkt bzw. jedes Satzzeichen genau liest, erkennt die Doppeldeutigkeit dieser Aussage und stellt fest, dass der Block Süd unserer Vereinsführung in Sachen Kassensturz statt Herzblut dicht auf den Fersen zu liegen scheint. Kann es wirklich Zufall sein, dass in der Blockschrift der Namen eines einzigen (ehrlich gesagt wenig attraktiven und betreffend Preis-Leistung-Verhältnis geradezu skandalös schlechten) Markenprodukts in fetten Bold-Buchstaben hervorgehoben wird? Wurde da etwa ein lukrativer Werbevertrag abgeschlossen, weil auch der Ultra von heute gerne mal seine (Fussball-)Seele verkauft? Das fette Product Placement besteht übrigens aus den Worten: «HEIMSPIEL BSC YB».
Überhaupt ist der Block Süd geschäftstüchtig. Wer jedenfalls am Fanstand ein Umzugsset sucht, wird fündig. Das Set besteht aus einem Blickfang Ultra, um mit der Lektüre das Warten auf Godot und seine verschlafenen Zügelmännern zu überbrücken, und aus Klebern. Ganz vielen Klebern. Man muss schliesslich am neuen Wohnort ein Zeichen für den FCT setzen (wollen). Dass es indes die doppelte Menge Kleber gibt für Thunfans, die in die Fanmarsch-Distanz eines anderen Stadions ziehen, kann ich nach dem heutigen Verkaufsgespräch nicht bestätigen.
Müsste man nicht Fans, für die ein Heimspiel eine stundenlange Anfahrt bedeutet, nicht besonders stark motivieren und belohnen? Ich selber wüsste ja nicht, ob ich an einem so schönen Frühlingstag wie heute extra aus Basel, Genf, Zürich oder Hasle-Rüegsau anreisen würde, um mir eine Partie zwischen Thun und Luzern anzusehen. Denn die Ausgangslage ist wenig ermutigend: Thun hat diese Saison gegen Luzern keinen einzigen Punkt geholt und – was bei einem gegnerischen Torhüter namens Zibung noch viel peinlicher ist – kein einziges Tor geschossen. Dass die Luzerner neuerdings auch noch einen hungrigen Entenfütterer in ihrem Kader haben, macht die Aufgabe für die Thuner auch nicht einfacher.
Doch Thun hat auch einen Trumpf in seinen Reihen: einen Rüüdige Lozärner namens Ridge Munsy. Der lässt sich nach 13 Minuten bei einem Eckball von Ferreira weder von der schlechten Thuner Torbilanz, noch von der noch viel schlechteren Thuner Eckballbilanz abschrecken und kämpft selbst nach einem Befreiungsversuch vom Entenfütterer weiter um den Ball. Zwar kommt der entscheidende Schuss aufs Tor schliesslich von Schirinzi, doch Munsy lenkt ihn noch unhaltbar ab – der Ball landet via Latte im Netz. Es ist das erste Thuner Tor nach mehr als 3 Stunden Spielzeit. Umso lauter jubeln wir. Und umso lauter protestieren wir, als Stephan Klossner und seine beiden Assistenten den Treffer nicht geben. Hat da etwa der Fändlima Munsy mit Buess verwechselt? Aber der Buess spricht doch baaseldytsch!
Diese sinnlos geschwungene gelbe Fahne ist der erste Farbtupfer des Spiels. Und auch der zweite Farbtupfer gefällt uns überhaupt nicht. In der 22. Minute bleibt Wieser nach einem Zweikampf blutüberströmt liegen. Da sind wohl zwei Dickschädel aufeinandergeprallt. Wieser muss das Spielfeld für eine minutenlange Pflege verlassen. Als er wieder zurück ist, zeigt er gleich mit einem Foul am starken Hyka Präsenz. Klar kann man dafür Gelb geben. Aber dann müsste man mehr als einmal während dieser 90 Minuten hier auch gegen einen Luzerner die Karte zücken. Doch Schiri Klossner schaut jedes Mal weg. Umso genauer schaut er bei Wieser hin und schickt ihn wenig später vom Platz – zwar nicht mit der Roten Karten, aber mit der Anweisung, sich noch einmal die Bluttropfen wegwischen zu lassen. Erst als der Thuner mit einem neuen Trikot an der Seitenlinie steht, darf er wieder mit tun.
Das ganze Rein-Raus-Spiel rund um Wieser ist natürlich das Letzte, was unser verunsichertes Mittelfeld jetzt noch gebraucht hat. Die Luzerner können das Durcheinander nutzen und kommen zu mehr Schwung. Und da nicht jeder Luzerner seine Offensivaktionen so schwach abschliesst wie der Entenfütterer, kommt der FCL bald einmal zum Torerfolg: In der 35. Minute spielt Chrigu Schneuwly in die Mitte zu Marco Schneuwly, der viel zu frei steht und so spielend einfach zum 0:1 einschiessen kann. Dieses Mal entscheidet der Schiri nicht auf Offside.
Noch mehr Gefahr droht in der 49. Minute, als es im Thuner Strafraum zum Laufduell zwischen Joss und Hyka kommt. Joss touchiert seinen Gegenspieler, worauf der hinfällt. Spätestens als der Schiri wild mit den Armen fuchtelt, ist selbst für uns Thuner hinter dem anderen Tor klar: Das ist ein Penalty. Wir erwarten also das Duell Hyka gegen Faivre. Doch stattdessen nimmt sich Faivre den Ball – und lanciert den nächste Thuner Angriff. Der Schiri hat auf Abstoss statt Penalty entschieden. Es ist ein Entscheid, der Thun beflügelt. Luzern wird nun unter Druck gesetzt – sogar wieder bei einem Eckball. Ferreira tritt ihn, worauf der Entenfütterer mal wieder einen Befreiungsversuch startet. Der Ball landet aber bei Wittwer, der ihn doch tatsächlich von der Strafraumgrenze aus ins Netz hämmert. 1:1. Und der Treffer zählt. Gross der Jubel in der Fankurve. Doch so laut die Thunfans im Stadion auch sind, könnte ich schwören zu hören, wie in diesem Moment am nahen Thunerseeufer die Stockenten aufschrecken und hysterisch schnattern. Besuch ist angesagt auf dem Grunderinseli.
Thun ist nun die bessere Mannschaft und kämpft verbissen. Als in der 74. Minute Rapp für Buess ins Spiel kommt, steigt die Torgefahr noch einmal. Rapp ist viel am Ball, ist aber öfters ungelenk und agiert schlicht zu langsam, wenn er den Ball. Doch auch Munsy fehlt heute der letzte Kick – erst recht beim flachen Schuss direkt auf Zibung. Und doch könnte alles gut kommen: In der Nachspielzeit will Thun nämlich mal wieder Bonuspunkte sammeln. Während Babbel wegen Reklamieren auf die Bühne verbannt wird und dort sichtlich verärgert Platz nimmt – dabei hat der Schiri doch einfach mal ein Stürmerfoul von Marco Schneuwly geahndet – setzt Thun zum letzten Angriff an. Rapp köpfelt den Ball Richtung Tor, wo Zibung bereits geschlagen ist, doch setzt im letzten Moment ein Luzerner zum Befreiungsschlag aus. Es ist… leider nicht der Entenfütterer, sondern Affolter. Und der schafft es tatsächlich, die Situation (punkte)gewinnbringend zu klären.
Thun gewinnt also zum vierten Mal in Serie einen Punkt. Es war kein grosses Spiel und keine grosse Leistung. Aber ein Thuner Auftritt mit Leidenschaft. Merci liebe Spieler. Und jetzt bitte an die Vereinsführung weiter sagen, wie man so etwas schafft.