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Raron - Thun 1:5
16.07.2008Testspiele 2000 bis 2017


Das nenne ich eine Begrüssung: «Hey, u de zahlu?» Wie kann ich auch ahnen, dass bei einem Testspiel im Wallis keine Horde Securitassli beim Eingang steht, sondern ein schmächtiger, aber um so energischerer Rentner. Fünf Franken kostet der Eintritt beim Freundschaftsspiel FC Raron – FC Thun. Selbst die Mitglieder des Hunderter-Klubs kommen heute nicht gratis rein. «Alle müssen zahlu.»
Der Sportplatz Rhoneglut gefällt. Der Rasen ist im perfekten Zustand und das Angebot in der Klubbeiz lässt alle Fanherzen höher schlagen: Neben zwei Biersorten können gleich vier verschiedene Weine degustiert werden. Als Ballons oder gar als ganze Flasche. Da greifen wir – fünf Thunfans haben den Weg ins Wallis gefunden – natürlich gerne zu.
Einen Sieg einer Thuner Mannschaft habe ich im Wallis doch nie gesehen, geschweige denn in Raron. 0:5 endete der letzte Thuner Auftritt im Walliser Dorf – einst in einem Benefizspiel gegen den FC Sion anno 2000. Doch heute werden keine Gastgeschenke an Walliser Fussballer verteilt, heute startet der FC Thun stark ins Spiel. In der 3. Minute steht Calapes goldrichtig. Er schiesst mit dem Kopf zum 0:1 ein. In der 6. Minute erobert Faye im Mittelfeld den Ball. Er trickst die ganze Abwehr aus und schiesst nach einem herrlichen Solo rechts unten zum 0:2 ein. Wenig später ein weiterer guter Angriff der Thuner – doch der Ball landet über dem Zaun in der benachbarten Baugrube. Ein Zeichen, dass wir hier inmitten einer typischen Walliser Landschaft stehen: Wir sehen ebenso eine Kirche wie einen Baukran.
In der 12. Minute wirbeln Andrist und Rama im Strafraum. Beide könnten das Tor erzielen, doch Rama reagiert schneller. 0:3. In der 17. Minuten kommt dann Andrist zu seinem Treffer. 0:4. Thun scheint kein Erbarmen mit dem Gegner zu kennen, ein Stängeli scheint möglich.
Doch plötzlich schläft das Spiel ein. Thun will nicht, Raron kann nicht mehr. Nicht nur bis zur Pause steht es 0:4, bis zur 70. Minute steht es 0:4.
So beschäftigt sich der Walliser Speaker nicht mit den Namen von Torschützen, sondern mit den jeweils ein- und ausgewechselten Spielern. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Einmal lästert er: Bei Raron spielt das ganze Kader – und noch der Bruder eines Spielers. Auch bei Thun ist das Aufgebot gross. So ist Kukuruzovic auf dem Matchblatt mit der 30 aufgeführt, eingewechselt wird er aber mit der 10. Damit wir dem Speaker keinen Unsinn erzählen, fragen wir sogar noch kurz auf der Thuner Ersatzbank nach, ob tatsächlich Stjepan ins Spiel gekommen ist. Natürlich! Und wie er ins Spiel kommt: In der 72. Minute erobert er im Mittelfeld den Ball und versucht sein Glück mit einem Direktschuss. Er trifft – 0:5.
Thun könnte das Skore gar noch erhöhen, doch erweist sich besonders Ädu Moser als Chancentod. Anders die Walliser. Sie nutzen in der 83. Minute einen ihrer wenigen Chancen zum 1:5. Der 14er der Walliser – nicht zu verwechseln mit Spieler Nummer 14 a, der ebenfalls auf dem Matchblatt aufgeführt ist – vermag Alain Portmann zu bezwingen. Daniel Brügger, Jahrgang 1983, jubelt dementsprechend mit seinen Mitspielern.
Beim 1:5 bleibt es denn auch. Während Kinder topmotiviert Bierflaschen und Weingläser in einer Harasse wegräumen, sagen wir Thunfans übereinstimmend, dass fernab vom Tourbillon das Wallis tatsächlich eine Reise wert sein kann. Zumal hier die angekündigten «Bekannten Namen» der Thuner (so gelesen auf www.fcraron.ch) tatsächlich noch Starpotenzial haben. So kann ein Rama nach dem Spiel endlich mal wieder seine Unterschrift auf T-Shirts begeisterter Kinder setzen.
Im Übrigen hätte Bettoni einen Platz in der Thuner Stammelf verdient.