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Thun - Concordia 1:1
23.06.2007Testspiele 2000 bis 2017


Der erste Eindruck kann manchmal täuschen. Christine ist heute nicht etwa mit orangem Shirt und oranger Tasche am Match, weil sie den neuen Thuntrainer auf gut holländisch empfangen will. Sie will uns vielmehr hier auf dem Sportplatz Waldeck sagen: „Eigentlich wäre ich jetzt gerne an einem ganz anderen Ort!“ In Frutigen? „Schau mich doch mal genau an.“ Und tatsächlich: Auf dem Shirt steht x-fach Paris, auf der Tasche wiederholt sich das Wort Paris immer wieder und ihre neue Kette umfasst unter anderem einen Eifelturm in Miniaturform. Womit auch klar ist, dass Christine nicht neuerdings Paris Hilton-Fan ist und vor einem amerikanischen Gefängnis protestieren möchte, sondern ihre Ferien in Paris sehr genossen hat. „Ist doch klar! Das hättest du doch gleich sehen können.“ Gerade da läuft ein sportlicher Herr im Shirt an uns vorbei. Prompt antworte ich: „Nur weil auf diesem T-Shirt „Mexico 70“ steht, hat der da auch nicht 1970 an der WM in Mexiko gespielt.“ Oder mag sich jemand an einen WM-Auftritt von Ruedi Baumann erinnern? „Und der da vorne heisst auch nicht Zahnd, obwohl er ein Zahnd-Trikot trägt.“ Der mischt sich zwar gleich mit einem „Bisch sicher?“ ein, aber an diesem Punkt wird die Geschichte absurd…
Ach, es ist ein sonniger Samstagnachmittag im Juni und wir sehen uns bereits wieder ein FC Thun-Spiel an. Es handelt sich um ein Testspiel, weshalb die Partie gegen Concordia Basel zumindest nicht unter dem Motto „Mission Ligaerhalt“ steht. So wird’s halt eine „Mission Langeweile“. Zumal in diesem Testspiel ein wichtiges Detail fehlt: Thuner Testspieler! Der Spass hält sich nun wirklich im Grenzen, wenn wir den üblichen Verdächtigen und Verschiessenden aus der Stammelf und ein paar talentierten Junioren 90 Minuten bei ihren Hochs und Tiefs zu sehen müssen. Die grösste Entdeckung ist da noch die Captainbinde von Di Fabio.
Am Spannendsten sind in der ersten Halbzeit noch die Laufduelle zwischen Rama und seinen Gegenspielern aus der NLB. Das Positive: Rama ist eindeutig schneller. Das Negative: Treffsicher ist er auch bei einer fehleranfälligen NLB-Abwehr nicht. So kommt er zwar ebenso wie Bühler und Ferreira zu Chancen, doch es bleibt beim 0:0. Dies auch deshalb, weil Congeli einige beachtenswerte Torchancen nicht nützt. Selbst im Spiel gegen ein NLB-Team wird klar: Bei Eckstössen des Gegners herrscht im Thuner Strafraum immer grosse Torgefahr.
Die zweite Halbzeit ist dann beste Werbung für die EM-Saison. Innert weniger Minuten wird jedem klar, dass der EM-Countdown begonnen hat. Leider ist dies nicht auf spielerische Aktionen durchzuführen. Das EM-Gluschterli besteht vielmehr in einem raschen Handeln gegen ungeliebte Matchzuschauer. Am Spielfeldrand werden kurz nach der Pause Bengalen und ein wenig Rauch entzündet. Dies nicht etwa unter der Matchuhr, wo sich die älteren Fans dem Spiel und dem Bier widmen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge), sondern fast am anderen Ende des Spielfeldes bei den Spielerbänken. Prompt werden Fanbetreuer aktiv, stürmen zu einigen Jugendlichen und schnappen sich einen minderjährigen Bösewicht. Was als Räuber- und Sheriffspiel eher amüsant wirkt, wird mit dem Zücken eines Handys zur repressiven Farce: Man ruft die nicht anwesende Polizei, die wenige Minuten später in unmittelbarer Spielnähe zu dritt ein Pyro-Verhör durchführt. Danke, jetzt fühle ich mich im EM-Austragungsland Schweiz doch ganz ganz sicher…
Am Spielfeldrand versuchen wir derweil, aus dem schwachen Spiel Erkenntnisse für die kommende Saison zu gewinnen. Ganz schlecht sind die Vorzeichen nicht, hat doch Thun vor rund einem Jahr das Test-Heimspiel gegen Congeli 0:3 verloren. Und dies erst bei strömendem Regen und fast ohne Torchancen. Heute steht es zehn Minuten vor Schluss immer noch 0:0, die Sonne scheint und die Thuner kommen auch in der zweiten Halbzeit zu einigen (Fehl)- Schüssen.
Die Schlussminuten sind dann nochmals hektisch. In der 80. Minute gelingt Congeli eine schöne Ballkombination mit einem sehenswerten Tor als Krönung. Torschütze Todorovic jubelt zu Recht. Den Thuner droht somit wie schon im Vorjahr eine blamable Testspielniederlage. Einige Minuten später kommen sie beim Strafraum immerhin noch zu einem Freistoss. Schnell getreten, landet der Schuss von Stoller in der 88. Minute tatsächlich im Tor. 1:1. Das Schlussergebnis.
Das Fazit des ersten Testspiel gibt zu wenig Vorfreude Anlass. Thun steht auf und neben dem Platz vor einer schwierigen Saison, wobei der vom Vorstand als Ziel vorgegebene fünfte Platz wohl nichts als reines Wunschdenken ist. Aber beim FC Thun gilt, was wir schon von Paris Christine Hilton kennen: Der erste Eindruck kann manchmal täuschen.