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Schaffhausen - Thun 1-2
11.02.2007Super League 2006/2007


„Heute sind wir das letzte Mal in Schaffhausen.“ Diesen Satz pflege ich seit Jahren in jeder Rückrunde zu sagen, weil der ungeliebte FC Schaffhausen irgendwie jedes Jahr auf Abstiegskurs steht. Auch bei der heutigen Zugsankunft in SH-City – ja selbst wenn drei Cars voller Thuner Richtung Norden sausen, bleibe ich meiner Zugsvariante treu – spreche ich wieder meine arroganten Worte aus. Auch wenn Schaffhausen ausnahmsweise vor Thun liegt. Aber hey, wir hatten gerade mehrere guter Transfers, da dürfen wir schon arrogant und selbstbewusst sein. Thun ist sicher kein Abstiegskandidat. Und Mitzus Suomi-Fahne soll gefälligst zum Symbol für eine tolle Rückrunde werden.
Nur: Das Spiel muss zuerst gewonnen werden. Argwöhnisch beobachte ich den Spielbeginn an der Seitenlinie, ausserhalb des Fanblocks. Nur in Schaffhausen ist die Sicht hinter dem Tor so schlecht, dass ich mich für meinen SMS-Dienst umplatziere. So werde ich immerhin zum Beobachter einer lautstarken Thuner Starteuphorie. Läck machen unsere Fans Stimmung, während die FCS-Fans aus irgendeinem Grund in den ersten sieben Minuten schweigen. Und läck ist unser Team stark, ihr Druck nach Vorne zeugt von grosser Energie – leider auch nur knapp sieben Minuten lang.
Dann kehrt die Partie. Schaffhausen macht Druck und wie. Gleich zweimal ist Tarone aus dem Nichts heraus in bester Abschussposition, einmal ist dabei nicht einmal mehr Bettoni im Tor. Doch einmal rutscht er aus und einmal spielt er den Ball sonst wo hin. Hämisch rufe ihm zu, er soll doch heute einmal etwas richtig machen. Nein, eigentlich will ich das gar nicht.
Als ein weiterer Schaffhauser kurz vor der Pause das leere Tor verfehlt und nur den Pfosten trifft, bin ich endgültig geschockt. Wissen die Thuner denn eigentlich nicht, wie wichtige diese Partie ist?
Nur gut, bin ich in der letzten Viertelstunde meist abgelenkt, bei den starken Regensturm, der über die Breite hinwegfegt, muss man ja schon fast um die eigene Gesundheit fürchten. Durchnässt und frierend stelle ich der Pause fest, das immer noch 0-0 steht – und das natürlich ausgerechnet jetzt fertig ist mit dem Schlecht-Wetter-Spuk.
Nicht vorbei ist aber das schlechte Thunspiel. In der 52. Minute tritt der befürchtete Moment ein: Schaffhausen schiesst das 1-0, Torschütze Fernandez.
Ja was ist denn heute mit Bettoni los, hat der denn eigentlich überhaupt nie einen Ball unter Kontrolle? Bezeichnend, dass seine einzige Glanztat heute die Verhinderung eines Kopfballeigentors von Carreno ist. Wenn wir doch so einen tollen Rückhalt wie Herzog hättem? Herzog? Ja, das ist dieser clevere Goalie, der in der 56. Minuten den nassen Ball fallen lässt und durchnässt und peinlich berührt mitansehen muss, wie Carreno (!) den Ball zum 1-1 über die Torlinie schiebt. Unverdient.
Kann Fussball noch brutaler sein? Ja. Zum guten Glück für den FC Thun. Die Leistung der Thuner ist heute irgendwo zwischen schlecht und unterdurchschnittlich. Und doch gibt es ja jene Szene in der 62. Minute, als Carreno nach einem tollen Einsatz an der Aussenlinie den Ball vors Tor kickt und Sereinig den Ball mit einem falschen Schritt ins Tor kickt. 2-1 für Thun. Und wenn wir offen und ehrlich sind: 2-1 dank sei Schaffhauser Eigentoren.
Ihr müsst nun wissen, dass während dem ganzen Spiel vor mir ein Vater mit seinem Bub standen – beide Schaffhausenfans. Dass der Kleine mich plötzlich mit Fluchwörtern beleidigt und der Vater daran nichts Besonderes findet, ist das Eine. Interessanter ist unsere Diskussion über die Fitness der Schaffhauser Spieler. Meine Meinung: „Anhand der FCS-Fehler sieht man deutlich, dass die Schaffhauser zu müde geworden sind, um dieses Spiel zu gewinnen.“ Der FCS-Dad: „Ein Eigentor hat doch Nichts mit Müdigkeit zu tun.“
Wenig später kommt Rama ins Spiel. Was wünsche ich ihm doch ein Tor. Seine Leistung ist nicht schlecht. Klar, er trifft erneut nicht, doch zeigt er grossen Kampfgeist. Aber was halt schon berückt: Als Ferreira aus der Verteidigung heraus zum grossen Dauerlauf-Angriff ansetzt, denkt er nicht nur einen Moment daran, dem vermeintlichen Chancentod Rama den Ball zu passen. Stattdessen dribbelt er solange, bis der Ball neben dem Tor ins Aus rollt.
Es ist kein schönes Thuner Spiel an diesem Tag. Und doch jubelt nach 90 Minuten plus der vierminütigen Nachspielzeit die Thuner.
Ist es bezeichnend, dass ich an diesem Abend mit dem Auto zurück ins Bernbiet fahren, mit einem Zwischenhalt in Rudolfingen bei Miriam, die wir einst bei der Cupniederlage beim B-Ligisten Schaffhausen kennengelernt haben? Vielleicht schliesst sich hier ja irgendein Kreis. Doch wollen wir all die arroganten Sprüche gegenüber Schaffhausen vergessen, das heute sowieso noch besser als Thun war. Hoffen wir einfach darauf, dass Thun in der der Rückrunde den Ligaerhalt schafft. Das erste Spiel jedenfalls ist gewonnen.