Thunfans » Spielberichte » Hallenturniere » Zuchwiler Hallenturnier - Zuchwiler Hallenturnier
Zuchwiler Hallenturnier 3.Platz
17.01.2003Hallenturniere

Unsere Fanreise nach Solothurn wird schon beim gemeinsamen Startpunkt in Bern zu einem Ausflug mit Problemen. Kollege Sanel vertrödelt nämlich viel Zeit beim Abstehen vor dem SBB-Billetautomat, um schliesslich festzustellen, dass es RBS-Tickets ja gar nicht hier gibt. So wechseln wir schnell den Bahnhof, um unseren Münzmangel festzustellen. Unser aller Kleingeld ist nötig, bis Sanels sieben Franken-Ticket schliesslich aus dem Automat kommt. Dumm nur, dass da unser Zug bereits abgefahren ist. So heisst es halt Ausharren in Bern, mit der Gewissheit, den ersten Thun-Match gegen Grenchen zu verpassen.
Zu viert sind wir übrigens, als wir verspätet beim Sportzentrum Zuchwil eintreffen. Sanel, Mättu, Älu und ich werden wie Ehren- oder vielmehr Pfuigäste in der Halle empfangen, die zahlreichen YB-Fans singen mal ihr wegweisendes Lied "Thuner Thuner ab in die Berge".
Was solls, wir stellen jedenfalls erfreut fest, dass der Match Thun-Grenchen noch ganze sechseinhalb Minuten dauert und die Thuner Spieler dabei einmal mehr ihr Können beweisen. Mit dabei, doch vorerst nur auf der Bank: Milaim Rama! Thun gewinnt das Spiel 4-2.
Eigentlich kennen sich alle Teams, wenn auch mit veränderten Aufstellungen und Spielweisen noch von Biel her. So treten auch die Fussballhelden aus dem Aaretal an, die jedoch gegen die Thuner nicht gewinnen können. 4-1 gewinnt der FCT gegen Münsingen.
Dann versucht als nächstes Team Biel die Thuner zu bezwingen. Doch die Oberländer starten auch hier gas Enz stark, führen schnell mal 3-1. Kein Wunder, dass wir Fans da ausgiebig feiern. Doch unser Jubel ist verfrüht. Die Seeländer, heute treten sie endlich mal Luca Zanni an, gleichen nicht nur zum 3-3 aus, nein, sie siegen gar noch 3-5. Schon fast aus der Traum eines Thuner Turniersieges, denn YB siegt derweil Spiel für Spiel.
Beim Turnier gefällt uns nicht in erster Linie das Hallenbodenspektakel, sondern die ungewohnte Nähe zu den Spielern. So lassen wir beispielsweise YB-Torhüterlegende Collavitti bei einem Torjubel zu einem Teil unserer Spontan-Choero werden. Oder als mir Röbi anruft, reiche ich das Handy kurzerhand an Rama weiter. Minuten lang geht das Gespräch, das scheinbar auch Rama amüsiert. Ich schliesslich interessiere mich mehr für Renfer. "Der spielte ja mal für Winti. Also, also..." witzle ich in seine Richtung. Renfer zeigt sich schlagfertig: "Aber nur ganz kurz!"
Auch Kontakt mit den YB-Fans haben wir natürlich. Eigentlich erstaunlich friedvollen, wenn wir die Rivalität der Fangruppen betrachten. Einziger "Vorfall" ist mein Fanschalverlust, den ich vorübergehend aus den Augen verliere und schliesslich in die Jacke eines YB-Fans wandern sehe. Ich fordere den Schal zwar zurück, aber leide unter gewisser Erklärungsnot. Wie kann ich einen Anspruch auf (m)einen Thun-Schal klar machen, der gleichzeitig Geschenk unter YB-Fans ist? Wäre er wirklich nicht ein nicht mehr erhältliches, seltenes Stück (nur 50 Schals in diesem Design wurden nach dem Aufstieg gedruckt), würde ich mich wohl kaum so sehr um die Rückgabe bemühen. So aber verzichte ich sogar auf das Spiel Thun-Solothurn und bekomme nur über die Anzeigetafel mit, dass Soledurn 1-2 in Führung geht. Wenigstens leuchtet dann bald ein 2-2 auf.
Nach langen Minuten ist dann der YB-Thun-Fanschal-Scherz geklärt und ich begebe mich doppelt beschalt wieder zurück ans Spielfeld. Da kann ich einen 3-2-Sieg der Thuner bejubeln.
Ärgern muss ich mich dort aber umso mehr. Neben uns sorgt nämlich ein rassistischer Familienvater immerzu für negative Stimmung. "Ich kann Moslems nicht leiden! Geht doch zurück, wo ihr hingehört!" mault der uns immerzu an. Ein echt braunes Vorbild für seine Kinder. Schliesslich fordert er gar einen Kollegen von uns zur Schlägerei vor der Halle auf. Das ist nun echt tragisch. Dazu kommts dann zwar nicht, aber solche Begebenheiten schmerzen schon gewaltig.
Schliesslich kommts zum grossen, lang erwarteten Duell. YB versus Thun, Gelb versus Rot, grosse Fanschar versus vier Fussballverrückte. "Die Nummer 1 in Bern" tönt es über den ganzen Platz, gesungen von den YB-Fans. Doch das 1-0 schiessen die Thuner. Das wäre wegen dem gewonnen Direktduell wohl der Turniersieg. Wir hoffen und bangen, fiebern mit - während wir bereits an den in wenigen Minuten abfahrenden Bus denken müssen. Während wir also schon einmal langsam Richtung Ausgang gehen, jubelt die halbe Halle: 1-1. Dabei bleibts, YB ist Turniersieger, doch nicht NLA-Derbysieger.
Mit diesem Wissen machen wir uns auf den (dieses Mal wieder prügelfreien) Heimweg.