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YB - Thun 5:1
07.04.2019Super League 2018/2019


6 Spiele, 3 Punkte - es sind nicht gerade Topvoraussetzungen für die Partie. Zwar gab es vergangene Saison in einer vergleichbar schwachen Phase der Thuner ein 4:0 der Thuner im Wankdorf. Doch sorgten damals Hediger und Tosetti für Sturm und Drang bei Thun - der eine mit fiesen Zweikämpfen, der andere mit fiesen Flanken. Im Frühling 2019 fehlen neben dem warmen Wetter auch gleich beide heissblütigen Thuner. Ein schwacher Ersatz ist Kevä, der rund ums Stadion mit allen in den verbalen Zweikampf geht, die er mit YB in Verbindung bringt. Doch ein solcher Kampfgeist bringt weder Tore, noch (Sympathie-)Punkte. Und Beweis dafür, dass es so seine Nachteile hat, wenn der Thuner Extrazug nach Bern durchs Gürbetal fährt. Viel zu viel Zeit für Bier und Wein. Dass angegraute Thunfans just auch wegen dem Extrazug bei ihrer Ankunft im Wankdorf von der Polizei zu einem halben Stadt- bzw. Autobahnrundgang aufgefordert werden, weil der eigentliche Bahnhof wegen „einem Umzug gesperrt“ ist, ist auch eher nervig. Zumal das Aprilwetter bei sechs oder sieben Grad auch heute wieder mehr schlecht als recht ist.
Für hitzige Momente sorgen dann wenigstens die Thunfans im Stadion. Gleich bei Anpfiff machen sie sich wie bereits in Neuenburg mit viel Pyro bemerkbar. Nur leider gelingt es auch heute nicht, den Funken ans Team weiterzugeben. Von Anfang an ist Thun unterlegen. Und das so klar, dass ein jedes Thuner Herz schmerzt. In der 5. Minute lanciert Hoarau Sow, der sogleich zum 1:0 einschiesst. In der 11. Minute erhöht Hoarau gleich selber auf 2:0. In der 23. Minute schiesst Lauper das 3:0, es ist seit allererstes Meisterschaftstor im gelben Dress. Und als wäre das Berner Torfestival für uns nicht schon bitter genug, haut in der 40. Minute Moumi den Ball zum 4:0 ein. Womit Thun mit den vier Gegentreffern sogar noch gut bedient ist, wehrt Faivre ein paar weitere gefährliche Bälle auch noch ab.
Spätestens mit dem 4:0 verstummt die Thuner Kurve, in der Pause werden mit Ausnahme des Aebikurvenbanners sogar die Zaunfahnen abgehängt. Die grosse Überzahl der Thuner boykottiert die zweite Halbzeit und hängt lieber am Bier- und Glacestand herum. Ich dagegen bleibe auf meinem Stehplatz. Wer nicht nur bereits ein 8:2 gegen YB überlebt hat, sondern sogar eine Katastrophensaison in der 1. Liga, in welcher der FCT hinter Dürrenast und Lerchenfeld nur das drittbeste Team auf Thuner Boden war, lässt sich durch einen Vier-Tore-Vorsprung von YB nicht so schnell einkriegen. Zumal ja die nervig häufig eingeblendete YB-Blitztabelle belegt: YB mag ja unangefochten auf Platz 1 stehen, doch Drittplatzierter ist immer noch Thun. Nicht thunweit, sondern schweizweit.
Wir paar Wenigen, die in der Stehkurve verharren, werden kurz nach der Pause für die Klubtreue belohnt: In der 51. Minute erzielt Salanovic das 5:1. Und prompt bekomme ich eine Bierdusche ab. Die seltenen schönen Momente wollen schliesslich gefeiert sein. Doch damit hat es sich auch bereits wieder. Auch wenn sich die Thuner nun steigern auf durchschnittliches NLA-Niveau und schliesslich gar über 50 Prozent Ballbesitz aufweisen, bleibt YB der klar dominierende Hausherr. Und schliesslich trifft auch Hoarau ein weiteres Ball, in der 61. Minute reagiert er bei einem Kopfball von Benito am Schnellsten.
Mit diesem fünften Berner Jubel endet aber das Torfestival. Und zähe 30 Minuten mit lauer Stimmung auf beiden Seiten auch das Spiel.
Nach Anpfiff tauchen auch die Ultras wieder im Stadioninnern auf und bitten die Spieler vorne am Zaun zum Krisengespräch. Der Wortlaut ist nicht überliefert, aber der Applaus am Ende des Gesprächs lässt darauf deuten, dass Spieler wie Fans in diesem Frühling gemeinsam noch ganz viele Spiele erfolgreich bestreiten wollen. Was positiv stimmt: Weder in der Meisterschaft, noch im Cup wird es ein Wiedersehen mit YB geben.