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Schweiz - Österreich 3-2
21.08.2002Nationalmannschaft


Die Europameisterschaft in Städten wie Bern, Lausanne, Zürich und Genf - und im nahen Ausland, in Österreich. 2008 soll das wahr werden, ein fernes Ziel. Aber eins, für das sich der Einsatz lohnt.
Klar bin auch ich für eine EM in der Schweiz und Österreich. So sehr gar, dass ich mich tatsächlich an diesem lauen Sommerabend in den St. Jakob-Park setze und mir das müde Spielchen der beiden Nachbarländer antue. Ist ja eine ganz freundschaftliche Angelegenheit.
Da sitz ich sogar mal ohne grossen Zoff neben einem YB-Fan. Dass der ein ehemaliger Cervelat-Promienter ist, stört nicht weiter. Wobei... immerhin hat er ja damals beim unheimlichen 2-8 im Wankdorf den Anstoss verursacht. Doch zumindest ist Nadim (ja, der aus dem Big Brother-Haus) auch Schweiz-Fan. Tipps werden abgegeben, er will auch meinen wissen: "Ein knapper Schweizer Sieg. Auf beiden Seiten gibts drei Eigentore." "Aber das ist ja Unentschieden." "Ja, Yakin schiesst noch einen Penalty zum 4-3."
Die Hymnen ertönen. Als beim Morgenrot-Lied Chappis Gesicht über die Grossleinwand huscht, ruft einer laut "Hopp YB". Herzig.
Auch Nadim ist wegen Chappi da. Er hält die Nummer 11 fest im Auge. Und nach wenigen Sekunden schon steht der Neo-Berner im Mittelpunkt. Alleine vor dem Tor, schiesst er tatsächlich daneben. Ach nee. Mein erstes, klares Verdikt: Dieser Mann wird nie mehr in der Nationalmannschaft stehen.
Die Schweizer spielen überlegen, erst nach zehn Minuten kommen die Österreicher zur ersten Chance. Wallner verwertet eiskalt.
Nun sind die Schweizer endgültig wach. Es kommt zu einem Torchancen- und schliesslich auch Torfestival. Hakan Yakin schiesst das 1-1.
Den Trubel nützt Nadim, der eh schon lange am Handy schwatze, zum Platzwechsel auf. Eine 25-jährige Blondine verlangt seine Aufmerksamkeit.
Der Match verwässert. Wellengang ist angesagt. Viermal dreht die La Ola ihre Runde im St. Jakob. Das spornt die Spieler zu mehr Action an.
Alex Frei, der seine Fussballkunst ja bekanntlich in Thun gelernt hat, schiesst wunderschön und hammerhaft aus weiter Distanz zum 2-1 ein.
Und dann ist irgendwie schon Pause. Österreich scheint irgendwie schon geschlagen.
Dafür macht ein Össi ganz viel Stimmung. DJ Ötzi ruft zum gemeinsamen Hey Baby auf. Und seinen neuen, eher faden Song spielt er auch an.
Dann geht der Match weiter, bei eher schwacher Stimmung. Beim Anpiff bin ich irgendwie der einzige im Sektor C, der ein paar Mal Hopp Schwyz ruft. Erst später geben die Patriots mit ihren Trommeln wieder Gas.
Auf dem Spielfeld wird flessig ein- und ausgewechselt. Die 11 von Österreich soll auch raus, und wird doch gleich wieder aufs Spielfeld geschickt. Seltsame Regeln. Wer da alles kommt: Wicky, Celestini, Magnin (also nicht der von YB), Meyer und Keller. Chappi dagegen spielt durch, aber bleibt sehr blass.
Eine Riesentorchance hat er aber, doch Össi-Goalie Manninger rettet souverän.
Doch plötzlich fällt ein Eidgenosse um. Im Strafraum! Der italienische Schiri pfeift sofort. Murat Yakin nimmt Anlauf und trifft natürlich. 3-1.
Womit das Spiel eigentlich entschieden wäre. Nur der Wallner, der mit der 10, der will noch einmal treffen. 3-2 heissts da und dann wird er endlich ausgewechselt.
Die letzten Minuten verstreichen. Zeit für die ultimative Chappi-Bilanz: Dribbeln kann er immer noch, seine Halbkreis-Wendungen bleiben Kult. Aber zu Schüssen kommt er kaum. Drei sinds in 90 Minuten. Einer ist eine
absolute Blamage, einer ist gut und einer sehr gut. Doch wie sagt Nadim am Spielfeldrand: "Würde Chappi hier mit seinen YB-Kumpels spielen, wäre das Toreschiessen für ihn kein Problem." Da kann man geteilter Meinung sein. Chappi soll sich doch besser auf seinen EM-Botschafter-Job konzentrieren. Hier wünsche ich ihm gar Erfolg. EM 2008 in der Schweiz und Österreich, das wär ja so toll.