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Thun - Nyon 1:1
22.04.2009Challenge League 2008/2009


Die Saison geht weiter. Sitzstreik im Lachenstadion. Stimmungsboykott. Keine Banner, keine Trommel, keine Fahnen. Dafür ein Spruchband, das die Mannschaft disst. Alarmstufe Rot in Thun. Das Schlimmste ist aber nicht unser Schweigen in der ersten Halbzeit. Viel schlimmer ist, dass wir gut gelaunt sind, obwohl das Spiel mal wieder grässlich ist. Standfussball von zwei Mannschaften, die keine Lust auf Fussball haben. Wir diskutieren dennoch angeregt: Über Säschus 45. Geburtstag (oder wird er doch erst 35?), über Andys turbulente Ägyptenreise und über all die Tickets, die für die Hockey-WM haben. Juhu, bald sehen wir wieder Spieler, die alles für ihr Team geben.
Dass in der 45. Minute die Thuner aus heiterem Himmel ein Tor schiessen, ist nett. Ikanovic trifft per Kopf. Aber wie oft hat Thun schon eine 1:0-Führung verspielt?
Nach der Pause wird in der Fankurve gesungen. Ja, das war schon vor dem Spiel so abgemacht. Mit der Leistung auf dem Platz sind wir immer noch nicht zufrieden.
Ich gebe zu: Uns Fans hätte es mehr Spass gemacht, „unsere“ Jungs am Sonntag beim 80-minütigen Straftraining leiden zu sehen als beim heutigen Spiel. Diese 90 Minuten sind eine Strafe für uns. Erst recht, wenn sogar Moser eingewechselt wird, der in Gossau noch eine abschätzige Geste gegen uns Fans gemacht hat.
Mein Spielhöhepunkt ist in der 70. Minute. Ich geh zum Verpflegungsstand, um mir ein Bier zu holen. Ein Schäumchen in einem Weissweinbecher wird mir offeriert. Jetzt habe ich endlich das Gefühl, das mich alle in diesem Stadion verarschen wollen. Aber das ist natürlich nur ein Witz, ich bekomme doch den gewohnt grossen Becher. Was dagegen kein Witz ist: Als ich zurück an meinem Platz komme, stehts 1:1 an der Anzeigetafel. Wie Atkinson den Ausgleich für Nyon erzielt hat, will kein Fan gesehen haben. Die Spieler wohl auch nicht.
Zugegeben: In der Schlussviertelstunde erarbeiten sich die Thuner noch ein paar Chancen. Doch die werden überaus dusselig vergeben. Es bleibt beim Unentschieden – vor gerade noch 1850 Zuschauern. Unsere Herzen können sie mit diesem 1:1 gegen eine NLB-/1.Liga-Liftmannschaft jedenfalls nicht zurückgewinnen. Nach dem Spiel wird gepfiffen. Und gesungen: „1. Liga, die Thuner sind dabei.“ Seltsam schwarzer Humor: Als ob ein Abstieg mit 31 Punkten überhaupt noch möglich wäre.
Nach dem Spiel reden wir noch mit Alain. Auch mehrere Nyonspieler plaudern gemütlich in der Runde. Wären unsere Französischkenntnisse etwas besser und unser Portemonnaie etwas dicker, für wir ein paar aufopfernd kämpfende Nyonspieler gleich engagieren. Aktuelle Thun-Stammspieler haben dagegen an so einem Mittwochabend Wichtigeres vor, als sich mit Fans zu unterhalten. Die Saison geht weiter.