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Biel - Thun 3:2
09.11.2008Challenge League 2008/2009


Zu Beginn des Spielberichtes etwas FC Thun-Zahlentheorie: Thun hat die beste Fanszene der Liga (Eigenlob stinkt… jedoch nicht während einer Niederlagenserie!). Thun hat das zweihöchste Budget der Liga. Und Thun hat die drittschlechteste Abwehr der Liga. Thun hat noch genau zwei Kantonalderbys pro Saison (gegen die Bieler Boys statt gegen die Young Boys). Und Thun hat mit Rama einen Spieler, der bislang 98 Meisterschaftstore für seinen Verein erzielt hat.
All die Zahlen lassen einen Schluss zu: Wenn die Thuner Abwehr heute nur einigermassen durchschnittlich spielt, liegt im Match gegen Biel ein Sieg drin. Ja im Spiel zwischen dem Absteiger gegen den Aufsteiger muss einfach ein Sieg her. Viele Thunfans glauben daran. Über 200 Thuner sind angereist, so viele waren wir seit dem Match in Lausanne auswärts nie mehr. Laut wird gesungen im Block, von den Bielern ist dagegen kein Mucks zu hören. So rätseln wir während der ganzen ersten Halbzeit, wo denn eigentlich der heimische Fanblock ist: hinter dem Tor oder doch an der Seitenlinie? Der Ruf „Heimspiel in Biel, wir singen Heimspiel in Biel“ hat jedenfalls seine Berechtigung.
Nur sollte Thun nicht nur tontechnisch, sondern auch spielerisch dominieren. Diese Aufgabe erweist sich als schwieriger. In der ersten Halbzeit haben die Thuner zwar einige Chancen. Doch rein geht der Ball nur einmal. Und da wird Rama erst noch vom Schiedsrichter zurückgepfiffen. Ja darf man jetzt nicht einmal mehr die Freistösse schnell treten?
Eigentlich todsichere Wetten wie „Der FC Thun erzielt in der ersten Halbzeit garantiert einen Treffer“ geraten so in Gefahr. Doch bei einem Durcheinander in der Nachspielzeit geht der Ball doch noch rein. Rama hatte den Ball zuletzt am Fuss. Sein Treffer Nummer 99.
In der Pause ärgern wir uns über das eingeschränkte Gastronomieangebot (essen Fussballfans wirklich nie etwas anderes als Bratwürste?) und das beschränkte WC-Konzept (zwei Dixieklos für über 200 Fans – doch, doch, das ist clever). Über das Resultat dagegen ärgern wir uns nicht. Dabei sollten wir doch langsam wissen, dass die zweie Halbzeit immer die schlechtere Halbzeit der Thuner ist.
Doch vorerst zeigen die Thuner viel Kampfgeist, sind nach der Pause klar besser als Biel. Und dann schiesst Rama in der 67. Minute gar das 2:0. Juhu. Sein 100. Treffer. Wenn wir denn richtig gezählt haben. Dass mittlerweile in der Fankurve das Gerücht rumgeht, dass Calapes das 1:0 erzielt habe, wollen wir nicht hören. Zu Ehren des (vermeintlichen) 100. Ramatreffers halten wir ein Spruchband auf.
Spiele gegen Biel machen Spass, da können die Einheimischen jenseits des Zauns noch so fluchen und maxen. Dieser Sieg gehört Thun. Wie sollen die Bieler jetzt das Spiel noch drehen können?
Doch es ist nun eben so: Die Thuner haben die drittschlechteste Abwehr der Liga. Und so kann das Debakel vom Montag sogar noch getoppt beziehungsweise gefloppt werden. Musste Thun gegen Yverdon drei Gegentore in zehn Minuten hinnehmen, sind es heute drei Gegentreffer in sieben Minuten! In der 74. Minute verkürzt Madou auf 1:2, in der 80. Minute schiesst Mailiqi das 2:2 (unter gütiger Mithilfe von Bettoni) und in der 81. Minute trifft Madou schliesslich zum 3:2. Unglaublich! Thun scheint in der NLB wahrhaft kein Abwehrkonzept zu haben.
Die Schlussminuten werden zur grossen Schmach. Auf und neben dem Platz. Plötzlich singen die Bieler. Nette Lieder wie „Hurensöhne FC Thun“. Bierbecher fliegen. Bieler überspringen Abschrankungen, damit sie näher Richtung Thun-Zaun kommen. Und im Sektor der frustrierten Thuner herrscht sowieso ein einziges Durcheinander. Wer da nur einen vollen Bierbecher und nicht gleich eine Faust abbekommt, hat noch Glück gehabt. Man muss direkt froh sein, dass das Liveerlebnis in der ach so fairen Sportstadt Biel Minuten später vorbei ist.
Thun hat 2:3 verloren. Die einzige Zahlenkombination, die an diesem Sonntag wirklich zählt.