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Augsburg - Hoffenheim 3-1
04.12.2004Fussballbesuche


"5.16". Oh Gott , so früh am Morgen hat selbst so ein Fussballfanatiker wie ich nicht wirklich Lust auf Fussball. Doch der Handywecker bimmelt wie verrückt und die Notiz auf dem Display erinnert mich an den Grund für das unmenschlich frühe Aufstehen an diesem Samstag: "Augsburg-Fanfahrt". Skeptisch blicke ich auf die einige Monate alte Sonderbeilage der Augsburger Allgemeinen, die mir Bertl damals geschickt hat: "Unternehmen Aufstieg" hiess das Blatt, mit "unserem" Chris Okpala auf der Titelseite und einigen netten Worten über Milaim Rama mittendrin. Die Chancen auf diesen Aufstieg sind wohl leider verpasst. Und Rama ist leider schon lange verletzt. Aber unsere im Sommer entstandene Idee einer Augsburg-Fanfahrt wird heute trotz allem umgesetzt. Und so stehen kurz nac sechs Uhr gut ein Dutzend Thunfans bei Stadion Lachen, wo der Car soeben losfahren möchte. Doch wie so oft sind wir nicht komplett: Es fehlen nicht nur die paar Leute, die noch beim Bahnhof zusteigen wollen. Auch von Mister Unpünktlichkeit in Person, Mercutio, fehlt wieder einmal wieder jede Spur. Kurzerhand wird ein Sturmkommando Richtung seine Wohnung losgeschickt. Heute bleibt uns keiner zu Hause, da jeder Fahrgast weniger gleichbedeutend mit einem Fahraufpreis von 5 Franken ist. Zum Glück taucht er dann im Auto der ausgesendeten Leute auf, mit überaus verschlafenen Augen und einer gewohnt dummen Ausrede: "Ich bin halt erst um halb Vier heimgekommen."
Unsere Fahrt kann nun beginnen - mit einem Lüdi-Chauffeur und vorerst 18 Fans. Fahrpreis um die 80 Franken. Man gönnt sich ja sonst nichts und in Augsburg warten dank einem absolut fanfreundlichen FCA-Vorstand Gratis-Eintrittsbillette, Gratis-Weisswürste und vor allem ein Gratis Fass Bier auf uns. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, weshalb ich schon 6.20 meine erste Bierflasche öffne. Ich bin offensichtlich nicht der einzige Samstagmorgenkampftrinker. Wir müssen uns schliesslich auch Fittrinken für die Begegnung mit unserem Lieblings-FCB-Freak. In Wangen an der Aare stösst Hitchhiker zu uns, Fanfahrtteilnehmer Nummer 19, nun sind wir komplett.
Die Fahrt führt über Lustenau (Mohrenbräu) nach Augsburg (Hasenbräu). Dort haben wir noch kurz Fahrprobleme, als der Chauffeur eine Strasse ansteuern will, deren Unterführung zu tief für unseren Car ist. Da nehmen wir halt die andere Strasse, kommen am Burger King und Bahnhof vorbei, noch einmal rechts und schon ist das Stadion erkennbar. Nach 6 Stunden reiner Fahrtzeit und einigen Rauchpausen stehen wir um 12.45 vor den Stadiontoren.
Es ist ein imposanter Bau, hat Platz für 30'000 Fussballfans und bietet dank ordentlich steilen Zuschauerrängen trotz Laufbahn ums Spielfeld beste Voraussetzungen für Fussballevents. Und doch soll ein 45'000er Stadion in Planung sein.
Doch noch gehen wir nicht in den Fanblock, das Spiel beginnt ja auch erst um 14.30. In der Stadionkneipe ist ja ein Tisch mit Augsburger Köstlichkeiten für uns reserviert. Besonders das Bierfass hat es uns angetan, super schmackhaft das heimische Gebräu. Dazu noch die Teller mit verschiedenen Würsten füllen, was will man mehr.
Doch bald ist der kulinarische Genuss vergessen, Rama betritt die Kneipe. Wir glauben, in seinen Augen kleine Tränchen zu erkennen. Gerüht über unseren Besuch ist er auf alle Fälle. Mit dabei ist sein Söhnchen, der verschmitzt lächelt. Rama setzt sich zu uns zu Bier und Wurst (okay, er selber trinkt Cola) und erzählt aus seinem bislang tristen Augsburger Leben. "sisch schade", wiederholt er sich immer wieder. "Hoffe, sklappt bald". Die Erfolge des FC Thuns verfolgt er jedenfalls, mittlerweile würden ja die Spiele sogar im Fernsehen übertragen, wie er lacht. Und am Cupspiel gegen YB will er sicher im Stadion stehen. Damit er vielleicht gar noch häufiger zurück in die Heimat kommt, ködern wir sein Söhnchen mit FC Thun-Getränke-Jetons.
Nachdem wir uns am Fanshop mit Souvenirs eingedeckt haben, ich kaufe unter anderem das Weihnachtspackage mit gemütlicher FCA-(Hunde?-)Decke, suchen wir uns unseren Platz in der Fankurve. Ohne zu verunfallen, steige ich dabei noch kurz auf den Zaun, um mit Schweizer Fahnen auf unseren Besuch aufmerksam zu machen, als auch schon die Fanrufe einsetzen und die Mannschaften einlaufen.
Favorit ist auf dem Platz irgendwie Hoffenheim, da diese als Drittplatzierte bislang eine überraschend gute Saisonbilanz vorzuweisen haben. Doch es sind die Augsburger, die stark beginnen, sie wollen in ihrem letzten Heimspiel vor der Winterpause noch einmal punkten. Es ist schliesslich Benda (und nicht Bender, wie wir Thuner meinen), welche in der 11. Minute das tolle 1-0 erzielt. Doch die Führung währt nicht lange, schon in der 17. Minute gleicht Cescutti für die Hoffenheimer aus.
Aber da steht ein Augsburger auf dem Platz, der heute schlichtweg keine Niederlage zulassen will. Es ist dies nicht etwa Okpala, der wie zu seinen Thuner Zeiten vor allem durch Fehlschüsse und Offsides auffällt, sondern der Marvin Braun. Er schiesst so sehr häufig Richtung Tor, damit sogar wir Thunfans uns seine Nummer schnell merken können. Besonders in der 25. Minute, als Braun zum 2-1 trifft.
Die Führung ist trotz gutem Spiel der Ausgburger knapp zur Pause, doch kann mit einem Sieg nicht gerechnet werden. Und die zweite Halbzeit wird dann tatsächlich zur Zitterpartie, mit Chancen auf beiden Seiten. Doch niemand trifft, auch Okpala nicht, der in der 74. Minute schliesslich ausgewechselt wird. In der 82. Minute trifft schliesslich Römer zum erlösenden 3-1. Zu diesem Zeitpunkt herrscht in der Fankurve längst beeindruckender Dauersupport. Da machen wir Thuner selbstverständlich mit, auch wenn wir statt "Augsburg 07" eigentlich bis Spielschluss "Augsburg - wir siegen" singen. Aber wen interessieren schon solche Kleinigkeiten, wenn der FCA 3-1 gewinnt, dies leider nur vor 1400 Zuschauern.
Nach dem Spiel geht das Feiern in der Stadionkneipe weiter, wobei sich jetzt endlich auch mehrere FCA-Fans unter uns mischen . Gemeinsam wird unser Fass leergetrunken und dieses Kirsch-Gesöff macht auch gute Laune. Einfach mein Schnitzel muss ich zweimal bestellen, dafür ist es aber tellergross, wow.
Mit Rama, der am Match zumindest teilweise auch in der Fankurve stand, und Okpala wird auch noch ein wenig geplaudert. Ein gemeinsames Gruppenfoto ist da natürlich Pflicht. Schliesslich der Abschied, der besonders bei Rama schmerzt, der längst die Namen von uns Fans kennt. "Tschüss, Mättäng", meint er beispielsweise bei mir.
19.20 fahren wir wieder los in Augsburg, die Rückfahrt schaffen wir in etwas mehr als 5 Stunden. Das Bier fliesst reichlich, ausser bei Red Fanatic, der lieber in der hintersten Reihe pennt. Etwas kompliziert ist für mich der Film. Erst schiesst Clint Eastwood alle Gegner im Wilden Westen um, bis plötzlich nach einem Rauchstopp Richard Gere in Militäruniform durch den Bildschirm hüpft. Tja, Filmschluss verpasst. Der zweite Film, "Ein Offizier und Gentleman" ist aber sehr lehrreich: Das Militär prägt dich für immer und macht dich glücklich, die Liebe zu Frauen bringt dich um. Kommt man beim Vergleich Fussball - Frauen nicht zum selben Ergebnis, Aebikurve 77?
Auf der Rückfahrt wird von uns eine neue Trendsportart ausgeübt: Hochdruck-Schnupfen. Ob so ein "Schuss" Schnupf an der Raststätte wirklich gesund ist, sei dahingestellt, bei paar Litern Bier ist das Schmerzpotential wohl eh geringer.
Um 0.30 sind wir schliesslich wieder beim Stadion Lachen, diejenigen jedenfalls, die nicht schon beim Bahnhof Richtung Samstagabendspass ausgestiegen sind. Aber da halt am nächsten Tag auch der FC Thun auswärts spielt (und gewinnt, das sei hier schon verraten!), müssen andere wie ich die Kräfte schonen und heimwärts marschieren. Am nächsten Morgen wird sich das mühsame Aufstehen wiederholen.

Besten Dank hier dem FC Augsburg und besonders Bertl für die tolle Gastfreundschaft. Auch die FCA-Fans bleiben uns in guter Erinnerung und so ein Rude Boys-Pin an der Brust macht ganz schön stark. Bis bald in Augsburg oder vielleicht ja in Thun!