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Thun - Schaffhausen 2:2
17.12.2021Challenge League 2021/2022


Ein Stadionbesuch, der Überwindung braucht. Nein, mal nicht wegen Corona. Es sind vielmehr all die negativen Emotionen, die sich in den vergangenen Monaten aufgestaut haben, die mich heute beinahe zum Stubenhocker werden lassen. Doch ich gebe mir einen Ruck, ist doch heute mein Ferienbeginn. Was kann da schon schief gehen.
Vor dem Stadion verpasse ich prompt den Schwarzmarkt. Thun-Tickets werden hier eigentlich gratis gehandelt. Aber da habe ich schon die einzige überhaupt geöffnete Kasse aufgespürt. Wenn ich für das Ticket zwei Zehnernoten hinlege, rechne ich aber nicht mit einem Black Friday-Angebot. Ich habe mich schlicht verrechnet. Das anstrengende Jahr hat bei mir körperlich und geistig Spuren hinterlassen.
Das grosse Wiedersehen mit der Kurve ist tatsächlich gross, sprich anders als der Rest des Stadions ist die Kurve gut gefüllt. Einen Kurvenboykott gibt es nicht, da es ein Grüppchen Schaffhauser erfolgreich ins Stadion geschafft hat. Begrüsst werde ich mit einem Stapel Kleber, die ich natürlich pflichtbewusst verkleben werde - nicht nur, aber auch in meinem Quartier des nächsten Schweizer Meisters.
Mit Spitzenfussballs hat diese Partie hier aber nicht zu tun. Es ist trister Fussball, bei dem das Team in Grau dominiert. Del Toro und gleich zweimal Prtajin tauchen so freistehend vor Thuns Torhüter Nino Ziswiler auf, dass sich die Grauen ebenso wie wir Fans wundern, dass es nach einer halben Stunde immer noch 0:0 steht. Gekonnter macht es da Nicolas Hasler, der in der 40. Minute einen Abpraller abstaubt und im Tor versenkt. Die Pausenführung ist schmeichelhaft.
An Fussball mit Maske werde ich mich nur schwer gewöhnen. Und an Heimspiele, in denen Thun selbst gegen No-Names unter Dauerdruck steht, auch nicht. Wobei Fussballkenner ja sicher wissen, wer dieser Uran Bislimi ist, der in 69. Minute mal eben so aus gut 20 Meter auf den Ball eindrischt und ihn in der linken unteren Torecke zum Ausgleich versenkt.
Nur zwei Minuten ist der Ball dann schon wieder im Netz, auf der Gegenseite. Chihadeh hat den Ball über die Linie bugsiert. Doch Schiedsrichter Gianfranco will den Treffer nicht geben. Offside? Nie und nimmer. Ich protestiere wie überhaupt die ganze Fankurve lautstark, da doch der Ball bei einem Fast-Eigentor von einem Schaffhauser zu ihm kam. Es gibt minutenlange Diskussionen, ehe auch das Schiedsrichtertrio anerkennt, was eigentlich in Regelbuch steht. Der Treffer zählt, es steht 2:1.
Nimmt dieses schwierige Jahr zumindest fussballtechnisch ein gutes Ende? Natürlich nicht! In der Nachspielzeit wird Valon Hamdiu - wer kennt ihn nicht - im Thuner Strafraum von Justin Roth gelegt. Zwar war da praktisch zeitgleich auch ein Foul eines Schaffhausers, aber es gibt natürlich Penalty. Das Duell lautet Joaquin Aradaiz gegen Nino Zinswiler. Aradaiz bleibt Sieger, so dass es hier keine Sieger gibt. Das Spiel endet mit einem 2:2 und lauten Schmährufen gegen Schaffhausen-Goalie Ruberto. Und Nein, ich verstehe auch nicht, warum.
Da ich schon mal in Thun bin und eine muntere Truppe aus Freiburg im Breisgau auch, lasse ich mich nicht unterkriegen und feiere den Punktgewinn bis weit in die Nacht hinein auf dem Mühlplatz. Und ja Leila, für ein Whisky Cola bei euch würde ich mich auch stäbeln lassen. Wobei mir dann halt schon vor allem die Diskussion um 3 Uhr mit dem Sicherheitsmann vor der Bäckerei ans Herz geht. Der heilige Gerber mache sportlich und finanziell so ziemlich alles falsch, erzählt er minutenlang aufgebracht. Recht hat er. Beizufügen ist nur, dass man am 17.12. sicher nicht mit einem Spruchband„Frohe Festtage und es guets Nöis“ wünscht wie die Spiel heute. Das heisst immer noch „e guete Rutsch“ vor dem Silvesterknall. Ja, sie wissen nicht was sie t(h)un.