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Luzern - Thun 0:1
24.04.2019Schweizer Cup 2018/2019


#zämegschichtschribe. Heute ist der grosse Cuptag. Mangels Finalteilnahmen in der Fussballneuzeit werden bei uns in Thun schon die Halbfinalspiele feierlich zelebriert. Passend dazu bringe ich heute pinkigen Einhornwodka mit ans Spiel. Einhörner sind schliesslich mindestens so selten wie Thuner Cuptriumphe. Und so rar wie Thuner Extrazüge. So einer ist heute endlich mal wieder über die Kantonsgrenzen hinweg unterwegs. Wobei das mit dem Verlassen des Kantons gar nicht so einfach ist. Um 16.56 Uhr soll der Zug mit mehreren hundert Thunfans losfahren, 20 Minuten später tut er das dann wirklich, kreuzt und quert aber über eine Stunde später auf seiner abenteuerlichen Reise entlang sämtlicher mit YB-Fahnen behängten Bauernhöfe dieser Welt immer noch durchs Bernbiet. Nichts für schwache Nerven. Ob deshalb im Zug allgemeines Rauchgebot gilt? Nochmals eine Stunde später erreichen wir dann endlich Luzern. Und sind zu unserer Überraschung früher beim Stadion als die im Stau stehenden Car- und Autofahrer.
Unser Glück, wird in Luzern ausnahmsweise ein Mittwochspiel mal nicht zur Sandkastenstunde angepfiffen. So können die Fans für einmal auf Störaktionen wie Eiertütschete verzichten und auf positive Art kreativ sein. Die beiden Fankurven trumpfen mit zwei tollen Choreos auf. „Ds Ziel nid us dä Ouge verliere“ lautet das Motto auf zu Thuner Seite mit einer gigantischen Landkarte, welche mit einer Lupe den Cupfinalspielort heranzoomt. Einfach nur wow! „Luzern die edle Stadt von Licht und Schein den Namen hat“ heisst es derweil bei den Luzernern, wobei hier drei Ritter im Mittelpunkt stehen. Man möge mir verzeihen, dass ich mit der lokalen Katzenstreckergeschichte zu wenig vertraut bin, um abschätzen zu können, ob es sich hier um Stadtheillige oder frühere Capos handelt. Pyros gibt es auch noch. Bei den Thunern zu Anpfiff - und später bei zwei ganz besonderen Glücksmomenten - bei den Luzerner zu Beginn der zweiten Halbzeit. Ansonsten wird ganz viel ganz laut gesungen. Die Atmosphäre ist hitzig und das Spiel überraschend gut. Wobei es schon in der neunten Minute einen ersten Schreckmoment gibt, als Sutter den Ball im Strafraum mit der Hand berührt. Der Pfiff von Schiedsrichter Jaccottet bleibt aus. Und dadurch auch das ganze Spiel durch die schon traditionell gewordenen „Jaccottet! Jaccottett!“-Rufe, die mittlerweile ja selbst ertönen, wenn er nicht mal im Stadion ist. Thun hat einige schöne Angriffe, in der Startviertelstunde hat Karlen gleich zwei gute Chancen. Allgemein ist aber Luzern das stärkere Team, insbesondere Vargas sorgt für viel Power. Gar nicht gut läuft das Spiel für Joss, der in der 38. Minute verletzt raus muss. Für ihn kommt Salanovic ins Spiel.
Weit erfreulicher ist der Thuner Wechsel in der 70. Minute: Für Spielmann kommt Tosetti aufs Feld. Endlich wieder einmal, hat er doch in den vergangenen Wochen sichtlich gefehlt. Und auch heute im bisherigen Spiel, in dem Thun mit zunehmender Dauer stark unter Druck kommt. Deshalb sei hier auch der Zeitsprung von der 38. in die 70. und weiter in die 80. Minute erlaubt. Denn da schlägt Tosetti eine seiner flinken Flanken. Der Ball gerät zwar in Zibungs Nähe, doch Sorgic reagiert schneller; Pass zu Gelmi und der schiesst doch tatsächlich zum 1:0 ein. Halleluja, Thun führt kurz vor Schluss im Cuphalbfinal. Luzern sucht nun vehement den Ausgleich und kriegt dafür nicht nur zehn, sondern inklusive Nachspielzeit fünfzehn Minuten Zeit. Der Ball ist zwar mehrmals gefährlich vor dem Thuner Tor, doch zur wirklichen Topchance kommt der FCL nicht mehr. Auch dank einer starken Thuner Abwehr mit einem souveränen Faivre mittendrin.
Und dann ist fertig, Schluss, Freudentaumel. Thun steht im Cupfinal! Nach 64 Jahren! Der Beginn einer feuchtfröhlichen Nacht. Denn wie Thuner so sind, wird bereits der Finaleinzug mit einer Wir-sind-so-frei-Nacht gefeiert. Bis um 1 Uhr im Extrazug (auch wenn das Bier sowie sämtliche Einhorngesöffe schon viel früher ausgehen) dann mit Feuerwerk (diese Vorräte wurden sichtlich besser eingeteilt) auf dem Muulbeerikreisel und dem Mühliplatz und schliesslich bis um halb 6 Uhr morgens bei Bier- und Shotexperten unseres Vertrauens - zumindest ist das der Zeitpunkt, an dem sich der letzte Beizer aus den Feierlichkeiten ausklinkt. Ein wirklich grosser Cuptag! #zämegschichtschribe