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Lugano - Thun 1:3
06.02.2019Super League 2018/2019


Sleeping in my car, I will undress you
Sleeping in my car, I will caress you
Staying in the backseat of my car, making out

Wer immer DJ im Cornaredo ist, hat einen versauten Humor. Weil wir diesen Abend tatsächlich mehrheitlich auf dem Car-Rücksitz verbringen – allerdings inmitten einer Männerrunde, für die es schon das Höchste aller sexuellen Gefühle ist, sich über Facetime mit der Kollegin über sportliche und sexuelle Vorlieben auszutauschen. Ja, ich habe kurz hingehört/hingeschaut – heute bin ich schliesslich endlich mal wieder Carfahrer. Nein, ich glaube nicht, dass die junge Dame per Sexappeal hat als Party-Kernen. Der fehlt heute übrigens wine more more more und verpasst zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder ein Spiel. Denn heute, ja heute ist gar nicht Samstag. So hören wir uns hier vor dem Cornaredo den ausgelutschten Roxette-Song am Mittwochabend an, obwohl wir doch schon am Samstagmittag nach Lugano aufbrechen wollten. Doch Schneefall, Reinfall, Spiel abgesagt. Und so sind wir beim zweiten Anlauf gerade mal 30 Leute im Gästesektor. Was doch noch mehr ist, als letztmals an einem Mittwoch-Nachholspiel: Vier von uns hatten es vor sechs Jahren mal mittwochs um halb Sieben nach St. Gallen geschafft. Man kann also anerkennen, dass die Kurve ordentlich zugelegt hat. Und auch im Stadion ordentlich mitanpackt und den Schnee von den Stehrampen räumt – so gut das mit Fahnenstangen nun mal geht. Aber die Ambrifans unter uns kennen sowieso keine kalten Füsse.
Fast scheint es so, als würden kalte Temperaturen die Sportfans im Tessin geradezu magisch anziehen. Denn der Heimsektor ist so gut gefüllt wie wohl noch nie gegen Thun, sogar eine Pyroeinlage gibt es zu Spielbeginn. Ansonsten ist das Stadion aber doch eher leer, offiziell sind 2377 Fussballinteressierte im Cornaredo. Die sollten für ihr Kommen wenigstens mit einem guten Spiel belohnt werden – und genau das hat Thun vor. In der 4. Minute schon gibt es einen ersten Angriff von Tosetti, wenig später kommen wieder Tosetti und auch Spielmann zu guten Chancen. Doch auch Gerndt ist wie immer gegen Thun ein Gefahrenherd. Gut, passt Faivre in der 16. Minute und bei anderen Angriffen gut auf. Grundsätzlich ist Thun aber das dominierende Team, weshalb wir auf den Fanrängen lauter fröhliche Lieder anstimmen, immer mal wieder unterbrochen von Ü40-gerechten Verschnaufpausen. Fluchen tut dafür 250 Kilometer vom Stadion entfernt wine more more more Partykernen. Er schafft es nicht, den Thunmatch über Teleclub zu abonnieren. Ein Leid, das er natürlich mittels einer Nicht-Match-Prognose über WhatsApp gleich mit der ganzen Kurve teilt. Keine Ahnung, wie viele Thunfans die Botschaft aus dem fernen Oberland überhaupt mitkriegen, denn in der 40. Minuten sehen wir in Farbe und bunt ein Traumtor von Spielmann. Von der Strafraumgrenze aus trifft er via Lattenunterkante ins Netz. Wow!
In der Pause zahlen wir fünf Franken fürs Bier. Beziehungsweise 5 Franken für einen Fresszettel, auf dem Birra steht. Ein halbwegs begabter Fälscher mit einem schwarzen Filzstift könnte heute das Geschäft seines Lebens machen. Wir aber sind fair und zahlen für das Voll sein den Vollpreis. Zwei oder drei von uns zahlen gar zusätzlich für eine Bratwurst. Dieses Detail wird nach dem Spiel noch wichtig werden.
Egal ob Bier oder Wurst, bei Wiederanpfiff verschlucken wir uns alle fast. Denn Lugano hat prompt eine Topchance. Carlinhos‘ Schuss kann aber zum Glück von Faivre entschärft werden. Auch Brlek und Lavanchy haben kurz darauf weitere Chancen für Lugano. Wir zittern, jetzt nicht mehr nur vor Kälte. Bis in der 55. Minute just dieser Lavanchy ein paar goldene Thuner Minuten einleitet. Mit einem Fehlpass, der nur als grosszügiges Geschenk an weit gereiste Gäste verstanden werden kann, lanciert er Spielmann. Und der knallt den Ball schon wieder ins Netz. 0:2. Und damit nicht genug: In der 58. Minute leitet Glarner einen Angriff ein und passt zu Sorgic, der herrlich aus 20 Metern zum 0:3 einschiesst. Wir sind überglücklich. Besonders diejenigen, die nicht mitbekommen, dass Lugano unmittelbar nach dem 0:3 auf 1:3 verkürzt. Ihnen sei gesagt, dass Lavanchy der Torschütze gewesen wäre. Wir etwas Aufmerksameren rätseln nur noch, wer jetzt noch das 4:1 schiessen könnte. Topchancen dazu haben Salanovic (71. Minute) und Sorgic (82. und 83. Minute). Die Luganesi wälzen sich derweil lieber am Boden herum. Mein “Zytspiel”-Geschrei ist nur halb ironisch gemeint, dieses ewige Brechen der Beine und des Spielflusses nervt auch, wenn das eigene Team vorne ist.
Dann ist kurz vor Zehn einer unser längsten Auswärtsfahrten westlich von Tel Aviv und Astana am Schlusspunkt angelangt. Wir bejubeln den ersten Sieg in Lugano seit ein gewisser Sforza Thun-Trainer gewesen sein soll und feiern entsprechend ausgelassen mit dem Team. Und wir bejubeln ein grosszügiges Geschenk an weit gereiste Gäste am Verpflegungsstand. Die Verkäufer schenken uns ihre übrig gebliebenen Bratwürste. Und uns heisst hier konkret: jeder einzelne angereiste Thunfan erhält gratis eine Bratwurst mit Brot. Nur ein gewisser Ambrifan ist unzufrieden, da er als Chünglezüchter das doch gar nicht essen will – also er den Chüngle dieser Welt nicht das Brot wegessen will. Er beisst lieber in eine entblösste Wurst. Gut, ist Dame Xy vom Litteringsteam in Thun geblieben.
Wohlgesättigt durch Würste und Punkte reisen wir auf dem Car-Rücksitz Richtung Thun. Mit Partysound, der auch schon mal in einem Momentum der Kreativität zum Thuner Fangesang umgedichtet wird. Und so singen wir im Gotthardtunnel:

Sorgic on fire, mind and senses purified
Sorgic on fire, mind and senses purified
Sorgic on fire, mind and senses purified

P.S. Gut, die Zeilen unseres Schlagers bleiben für den Rest der Fahrt – und wohl darüber hinaus – noch in Bearbeitung. Mehr davon bald am Thun-Match deiner Wahl.