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Lugano - Thun 2:1
28.10.2018Super League 2018/2019


“Ticino - Kleine Momente. Grande Emozione”. Mit markigen Worten preist die SBB auf ihrer Website „37 Freizeitangebote“, mit denen man einen emotionalen Tag im Tessin verbringen kann. Wir von thunfans.ch entscheiden uns heute für Freizeitangebot Nummer 38, das noch viel mehr Enotionen mit sich bringt: eine Sonntagsfahrt mit den SBB. Erst wollen wir ganz mutig auf jene Zugverbindung setzen, bei der sich laut SBB die Züge um 11 Uhr in Thun und um 12 Uhr in Zürich in Gang setzen. Treffpunkt wäre um 14 Uhr in Arth-Goldau. Doch am Vormittag entscheidet ein ganzer Fanclub, unisono wegen Zeitumstellung-Jetlag auf die Reise ins Tessin zu verzichten. Womit unter anderem Mitpassagier Kevä frühzeitig schachmatt gesetzt ist. Wir thunfans.ch-Frühaufsteher planen deshalb um und entscheiden uns für die 10/11-Verbindung eine Stunde früher. Auch weil Mattäng schon am Samstagabend bei einem kurzen Abstecher nach Freiburg (Stichwort 3:0-Derbysieg) 55 seiner 60 durch die Winterzeit gewonnenen Minuten gleich wieder an die entschleunigten SBB abtreten musste. Der gut gemeinte Plan geht ordentlich in die (Regen-)Hosen. Der eine Zugfahrer strandet 70 Minuten lang in Olten, der andere 60 Minuten in Arth-Goldau. Beide Bahnhofbuffets - eines davon trägt den stimmigen Namen Coop to Go Goldau- machen ordentlich Umsatz. Man trifft sich dann erst im strömenden Regen von Lugano, wo wir dann gemeinsam auf den ebenfalls über 10 Minuten verspäteten Bus zum Stadion warten können. Und als der Bus schliesslich doch noch kommt - mittlerweile ist es 15.50 Uhr - nutzt der Regensensiblere von uns die Chance, während der Fahrt in einer Gymnsdtikübung seine Regenhosen anzuziehen.
Ironie der Geschichte: Als wir um Punkt 16 Uhr das Stadion betreten, hat der Regen aufgehört. Und irgendwie auch gleich die Thuner Hoffnung auf einen Sieg. Den gleich mit dem ersten Angriff geht Lugano in Führung. Nach knapp 60 Sekunden passt Gerndt zu Carlinhos Junior, der den Ball zum 1:0 versenkt. Und beinahe kommt es noch schlimmer. In der 18. Minute schlägt Mihajlovic eine Flanke auf Carlinhos, der wieder einen satten Schuss abgibt. Doch dieses zumal kann Faivre mit einer Glanzparade den Ball abwehren. Diese Szene weckt die Thuner. Sekunden wirbeln Spielmann, Sorgic und Tosetti zu dritt im Tessiner Strafraum, wobei der entscheidende Schuss von Tosetti kommt. Etwas überraschend steht es 1:1.
Und doch ist es weiter Lugano, das mit dem tiefen Rasen-Wasser-Terrain besser zu recht kommt. Die Tessiner schaffen es auch, sich im 5-Minuten-Takt kopfüber hinzulegen und dabei nicht zu ertrinken. Noch besser als ihr Schauspieltalent ist aber die spielerische Raffinesse von Carlinhos, dem besten Spieler auf dem Platz. In der 38. Minute versenkt er den Ball schon wieder. Für Thun ist es eine sehr unglückliche Szene, haben Faivre und seine Abwehrhelfer doch zuerst zwei Schüsse von Bottani mit aller Kraft abgewehrt. Aber gegen den Schuss von Carlinhos sind sie machtlos. Lugano geht mit der 2:1-Führung in die Pause - auch weil Schiedsrichter Jaccottet kurz vor dem Pausenpfiff im Gegensatz zum heimischen Publikum nicht auf eine Bottani-Schwalbe im Thuner Strafraum hineingefallen ist.
Nach der Pause heben dann die Thunfans ab. Zu siebt steigen die Höhenwanderer auf den Zaun, wobei ein uns nicht weiter bekannter Fotograf (er soll aber schon öfters in Ambri gesichtet worden sein) mit seiner Kamera festhält, wie die sechs anderen Pyrofackeln zünden. Ganz anonym. Von jener Frau oder jenem Mann mit den sexy roten Unterhosen einmal abgesehen. Liebe junge Thunfans, vielleicht wäre es mal an der Zeit, wie einst die Fly Agaric Supporters am Fanstand Piuzli-Tangas zu verkaufen. Dann pasdy der Einheitslook auch von oben bis unten.
Thun kämpft in der zweiten Halbzeit beherzt, wenn auch unglücklich. In der 53. Minute Köpfe lt. Kablan den Ball an den Aussenpfosten. In der 57. Minute wehrt Da Costa einen Kopfball von Spielmann gekonnt ab. In der 80. Minute trifft dann wiederum Tosetti den Innenpfosten statt das Netz. Und dann wären in den Schlussminuten noch ein Riesenaussetzer von Da Costa, wobei kein Thuner den Ball ins leere Tor bringt. Und der Kopfball von ideal positionierten Gelmi, der es irgendwie schafft, über das Tor zu köpfeln. Von Lugano ist derweil nicht mehr viel zu sehen ausser einer minutenlangen Schauspieleinlage von Crnigoj. Der ringt auf dem nassen Rasen so verzweifelt um sein Leben, dass die Tessiner Betreuung sogar ein oranges Kanu zu seiner Rettung auf den Platz tragen. Doch plötzlich rappelt sich der Scheintote doch wieder auf - und feiert Minuten später den Luganosieg mit aller wieder gefundenen Lebenskraft.
Ohne Punkte eingesammelt zu haben, widmen wir von thunfans.ch den langen Rest des Tages wieder den Freizeitangebot Nummer 38: der emotionalen Fahrt mit den SBB. Wobei uns schon der Tessiner öV in Schwung bringt. Denn bei der Umsteigehaltestelle Via Ginevra fahren gleich zwei Busse an uns vorbei, ohne zu halten. Nehmen wir halt einen Bus, der zwar ins Bahnhofquartier, aber nicht an den Bahnhof fährt. Was aber nicht weiter schlimm ist, fährt doch der SBB-Zug in Lugano auch wieder mit über 20 Minuten Verspätung ab. Beim Beenden dieses Spielberichts ist die Verspätung auf 32 Minuten angewachsen, während weder Zürich, geschweige denn Thun auch nur annähernd in Sicht ist. Es ist inzwischen 21 Uhr...