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Thun - YB 2:2
18.04.2018Super League 2017/2018


« Der BSC Young Boys steht vor dem grössten Erfolg der Vereinsgeschichte... » Was man nicht alles lernt im FCT-Matchprogramm. Der « Nie Schweizer Meister »-Verein ist demnach kurz vor dem ersten Kübel seit Menschengedenken. Oder doch zumindest seit Wölfligedenken. Und was feiert Thun so? « Im vergangenen Winter feierte ich gemeinsam mit Goalie Felix Hornung und zwei weiteren Kollegen Silvester in New York. Das war ein lustiger Abend.“ Das meint Sandro Lauper zum Thema „Die letzte legendäre Party“ im gleichen Qualitätsmagazin. Nun gut, gewitzer als das Sven Joss-Interview vor dem Match ist das alleweil. Seit Mattängs legendärem Zahnbürstli-Interview wurde wohl nie mehr so ein verschlafener (betrunkener?) Thuner mitten in der Arena in ein Stadionbildschirm-Gespräch verwickelt. Und das erst noch einer mit negativer Derbybilanz in der aktuellen Saison.
Das Spiel beginnt für uns Thunfans im Halbdunkel. Nein, nicht etwa wegen Pyros - wie könnten wir das Siegenthaler antun - sondern mit einer grossen Choreo, welche die Kurve mit einem grossen Plastik zudeckt. Gern könnte die Choreo noch etwas länger unsere Sicht versperren, startet doch YB klar stärker ins Spiel. In der 17. Minute braucht es eine Heldentat von Faivre gegen Assalé, damit es beim 0:0 bleibt. In der 27. Minute passiert es dann. Ein Pass von Fassnacht auf Nsame und der Ball ist drin. Es ist angeblich der 1000. YB-Treffer in der Super League.
Fast scheint es so, dass YB heute in dieser Feierlaune bleibt. Doch in der zweiten Halbzeit wandelt sich zum Glück das Spiel. Kaum haben wir ein wenig gegen Wölfli gemaxt, rückt er ins Zentrum des Spiels. Erst sind seine Vorderleute schuld. In der 57. Minute bringt Sulejmani Glarner zu Fall. Es ist ein klarer Fall: Penalty. Spielmann stellt sich dem Duell mit Wölfli. Er setzt sich den Ball und schiesst zum 1:1 ein. Und es kommt noch besser aus Thuner Sicht. Erst bezwingt Sorgic fast in einer 1:1-Situation Wölfli, dann setzt sich Spielmann in der 61. Minute wieder den Ball - dieses Mal für einen Eckball. Der Ball kommt zu Gelmi. Und der köpfelt zum 2:1 ein. Ein viel umjubelter Treffer. Und schon wieder kommt es zum Massen-Striptease in der Thuner Kurve. So eine Viele-Punkte-Serie hat auch seine Nachteile. Zum Glück ist heute warmes Frühlingswetter in der Arena.
Die meisten Zuschauer in der Arena sind dennoch angepisst. Denn wenn heute erstmals seit 2011 das Stadion wieder ausverkauft ist, liegt das an den vielen YB-Fans, die an Meisterfieber leiden. Nur wie ein Meister spielt YB spätestens jetzt nicht mehr, Thun ist nun dem 3:1 näher als YB dem Ausgleich. Doch dann schwinden die Kräfte. Und so schiesst Fassnacht in der 83. Minute nach Pass von Sulejmani zum 2:2 ein. Nun scheint gar der einfache Thuner Punktgewinn in Gefahr zu sein. Doch unsere Oberländer Elf wehrt verbissen und erfolgreich. Und so haben wir in Thun beim Schlusspfiff nur noch ein Problem: Dürfen wir angesichts des verspielten Derbysiegs eine Welle mit dem Team (das vor der Kurve auf exakt jene Welle wartet) machen oder nicht? Schliesslich setzen sich die Schnellrechner unter uns durch. In einer Saison, in der wir eine positive Bilanz gegen die Grossstädter haben, darf Gegen-YB-Punkt Nummer Sieben sehr wohl gefeiert werden. Und das mit einer Welle und dann noch ganz lange im Fanzelt. Ob YB derweil doch noch den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte schafft, entzieht sich unserer Erkenntnis. Ja, es ist uns schlichtweg egal. Hopp Thun!