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Thun - Lugano 0:2
16.12.2017Super League 2017/2018


Lugano gegen Gotteron und Lugano gegen Thun. Praktisch zeitgleich. Und das im Dezember. War da nicht mal was? Genau, im Dezember 2016 tauschte Mattäng einen Smartbox-Gutschein gegen ein Hotelzimmer mit Welcome Drink und nicht ganz so willkommenen Punktverlusten (1:8 und 1:1) ein. Es war der Beginn eines Luganotraumas. Und das scheint ansteckend zu sein. thunfans.ch kennt zwar die Statistik von Gotteron gegen Lugano nicht. Aber die Bilanz von Thun gegen Lugano ist erschreckend: In den letzten sieben Duellen Berner Oberland vs. Tessiner Hinterland gab es genau einen Thuner Sieg. Und da war im Sommer auch noch dieses 1:4 in Lugano. Die schlechteste Saisonleistung der Thuner. Jedenfalls bis heute.
Umso wichtiger ist heute vor dem Match das Vorglühen. Und damit meinen wir nicht das Überstreifen des wahlweise rot-weissen oder schwarz-schwarzen Fanoutfits. Nein, heute braucht es Glühwein. Erster Vorglüh-Versuch im sympathischen FCT-Restaurantraum, nur echt mit Hediger- und Ferreira-Pappfiguren vor dem Eingang. Kevä macht übrigens umgehend für thunfans.ch einen Qualitätstest: Ja, die Figuren vibrieren gut, sind toll beweglich und fühlen sich beim Kuscheln lebensecht an. (Dass wir uns beim Beobachten von Keväs Pappnasentest an den Vibratorentest vom Kassensturz erinnert fühlen, ist sicher nicht Keväs Schuld. Und nein, an dieser Textstelle wartet ihr vergeblich auf eine Erwähnung des Litteringteams. Dieser Spielbericht ist ausnahmsweise nicht frauenfeindlich). Weniger berauschend ist dann aber, dass sich der Raum als Abstinenzler-Treffpunkt erweist: Es gibt kein einziges Getränk hier drin. Und auch nichts zu essen. Nicht mal die Lampe hinter dem Vorhang kann man kaufen. Wir haben es versucht.
Zweiter Vorglüh-Versuch am Verpflegungsstand auf dem Vorplatz. Doch da steht unsere altbekannte Albtraumwirtsfrau, die normalerweise im Fanzelt (nicht) bedient. Ob sie gemäss russischem Businesskonzept in die Kälte strafversetzt worden ist? Da dieser Spielbericht nicht frauenfeindlich werden soll, verzichten wir darauf, etwas zu bestellen. Dritter Vorglüh-Versuch aus aktuellem Anlass im Fanzelt: Und tatsächlich: In Sekundenschnelle klappt die Glühweinbestellung. Zu fünft prosten wir uns am Tisch zu. Dann klingelt rasch mein Telefon (es ist wichtig, geht es doch um meine Weihnachtswunschliste). Als ich keine zwei Minuten später wieder um mich schaue, sitze ich hinter einem Abfallberg alleine am Tisch. Das sind mir noch Kolleginnen und Kollegen. Ob sie wohl alle vor ihrem Lugano-Trauma geflohen sind? Ich finde sie zwar später alle wieder in der Kurve, schwöre mir aber, künftig nur noch mit dem Litteringteam vorzuglühen.
Thun startet auf dem Platz so heiss wie wir in der Kurve. Ein erster Schuss von Kablan in der 3. Minute. Ein starkes Solo von Hediger in der 7. Minute, der erst an der Strafraumgrenze von Sulmoni und irgendwie auch von Schiri Tschudi (wegen dem ausbleibenden Foulpfiff) gestoppt werden kann. Anders in der 17. Minute, als Costanzo erfolgreich einen Freistoss erläuft und erkämpft. Er tritt ihn gleich selber und knallt den Ball an die Latte. Wir sind einigermassen zufrieden. Vielleicht wären wir dankbarer gewesen, wenn wir da gewusst hätten, dass dies schon alle heutigen Thuner Höhepunkte waren. Thun baut ab. Und wie. Allem voran Glarner, der nach einem Zweikampf am Knie lädiert ist und sich nur noch über den Platz quält. Für ihn kommt in der 41. Minute Ferreira auf den Platz. Und der quält uns. Zum Beispiel in der 51. Minute, als er im Strafraum gegen Bottani einsteigt, als gebe es keinen guten Schiedsrichter auf dem Platz. Durch den Nicht-Pfiff sieht er sich bestätigt. Dabei wäre Thun mit einem Penaltypfiff und Rot gegen Ferreira wohl besser weggekommen.
Wenig später passiert das Unvermeidliche doch: In der 58. Minute düpiert Carlinhos Junior die Thuner Verteidigung und schiesst unhaltbar zum 0:1 ein. Ruberto ist in dieser zweiten Halbzeit trotzdem der beste Thuner - oder vielleicht auch nur der einzig Gute. Erst lenkt er einen weiteren Carlinhos-Schuss an die Latte, dann foult er Thun-Schreck Gerndt penaltywürdig. Doch auch bei dieser Szene bleibt der Pfiff aus. Wahrscheinlich ist das die Rache von Schiri Tschudi dafür, dass sich die Lugano-Spieler im Fünf-Minuten-Takt auf dem Rasen totstellen.
Fünf Minute dauert passenderweise auch die Nachspielzeit. Gelegenheit für die Thuner, ihren allerschlechtesten Fussball zu sein. Ganz erschreckend ist die Kapitulation beim Lugano-Freistoss kurz vor Schluss, als sie freiwillig die Mauer abbauen und den Luganostürmer einfach durchlassen. Als hätten inzwischen auch die Spieler ein Lugano-Trauma. Und ja, Lugano wählt tatsächlich den freien direkten Weg aufs Tor. Es ist das Glück des Untüchtigen, dass Thun hier ohne weiteren Gegentreffer bleibt. Doch da ist auch noch Thun-Schreck Gerndt, der in der Schlusssekunde auf 0:2 erhöht. Krönung für die schlechteste Thuner Saisonleistung. Aber hey, sie wünschen uns nach dem Match auf ihrer Ehrenrunde (!) immerhin schöne Festtage.
Als ich mich Minuten später durch die Bahnhofunterführung quäle, rennt Dame Xy vom Litteringteam im Sauseschritt an mir vorbei und die Treppe hoch. Ich weiss nicht warum und ich weiss nicht wohin. Nur dass es da draussen jetzt recht heftig schneit. Sicher ist, dass ich an der nächsten thunfans.ch-Sitzung beantragen werde, die Anonymität von Xy aufzuheben und dem FCT mitzuteilen, wo im Stadion richtig schnelle Leute zu finden sind. Und sonst könnte er im nächsten Spiel 11 Kevä-geprüfte Papp-Doubles aufstellen. Schöni Feschttäg!

P.S. Mattäng legt Wert auf die Feststellung, dass wenigstens Gotteron gegen sein Lugano-Trauma angekämpft hat und im Vergleich zum Dezember 2016 besser geworden ist. Schlussresultat heute: Lugano-Gotteron 8:2. Wir gratulieren!