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GC - Thun 0:0
22.05.2016Super League 2015/2016


Es gibt tatsächlich Thunfans, die beim letzten Umzug weiter als bis ins Gwatt gezügelt sind. Und sie sehen heute um Viertel vor Drei, wie ein Kastenwagen der Polizei an ihrer Wohnung vorbeifährt. Ein Indiz dafür, dass die Thunfans zu diesem Zeitpunkt bereits in der Nähe von Altstetten sein müssen. Und doch überrascht die Polizeipräsenz: Verdient so ein Zürich-Thuner wirklich genug, um gleich 50 Wirtschaftsflüchtlinge aus Thun verköstigen zu können? An der Ecke Badenerstrasse/Flurstrasse treffen die Eingewanderten dann aber wirklich auf die ortsansässigen Thuner. Und selbstverständlich bettelt gleich ein jeder der Angereisten um ein Bier. Die sind ja fast so hartnäckige Bettler wie die FCZ-Fans, die bei jeder Gelegenheit um ein paar Punkte betteln.
Dabei trinkt man doch in Zürich härtere Sachen. Höhepunkt des Fussballtages sind einmal mehr die Verhandlungen am Verpflegungsstand, bei denen es darum geht, möglichst viel Schnaps in den Pappbecher zu kriegen. Kevä ist dabei wieder einmal Chefdiplomat. Und natürlich erfolgreich. Maria und ihr Cateringteam empfehlen einen Kaffee Lutz. Und zwar ohne Crème. «Ja nicht etwa ein Crème reinschütten!» ruft sie noch Mattäng zu, als der doch tatsächlich nach dem Kaffeerahm greift. So ganz ohne Weiss weiss die Becherfüllung zu gefallen. Kevä wird jedenfalls mehrmals gesehen, wie er für Mattäng und sich Nachschub holt.
Im Stadioninnern sticht der hohe Frauenanteil ins Auge. Zürich scheint eine sexy Stadt für Thunerinnen zu sein. Nur ist es nicht unbedingt ein Vorteil für den Support. Wenn sich die Damen doch nur alle aufs Spiel konzentrieren würden. Was da immerzu gequatscht wird, unglaublich. Wie kann man bei über 25 Grad bloss so viel Energie haben!? Dennoch ist der Vorschlag, den Kaffeekatsch auf Montagnachmittag, 16 Uhr, zu verschieben, irgendwie nicht erfolgreich.
Wir Thunfans freunden uns verhältnismässig (zu) schnell mit dem Gedanken an, dass wir im Durchschnitt heute besser denn je aussehen, wir aber keinen Dauersupport hinkriegen. Das passt ja irgendwie zum Spiel, bei dem Thun besser aussieht als GC, aber weder durch Munsy, noch durch Ferreira oder Rapp zum Torerfolg kommt. Der gefährlichste Mann auf dem Platz ist ohnehin Dabbur. Doch die Nummer 9 von GC erweist sich gleich in mehreren Situationen als Chancentod. Und so eine wechselt nach Salzburg? Nun ja, wenn er Red Bull halt so gerne hat, wie wir den Kaffee Lutz.
Thun bringt sich in der zweiten Halbzeit in der Eckballstatistik mit 6:3 in Führung, doch der Ball will immer noch nicht rein. Das Spiel flacht nun zunehmend ab, was sich auch dadurch zeigt, dass die Einblendungen des Totomats die spannendsten Momente der zweiten Halbzeit sind. Dicht gefolgt von der Verkündigung der Zuschauerzahl. 5000 gut gezählte Zuschauer sind heute im Letzigrund. Man muss kein grosser Prophet sein, um zu erkennen, dass der FCZ in der nächsten Saison auf mehr Unterstützung wird zählen können – egal in welcher Liga sie nun spielen werden.
Während der FCZ heute den sofortigen Abstieg abwenden kann, schaffen es die beiden Teams im Letzigrund nicht, dass 0:0 abzuwenden. So feiern wir halt bei Abpfiff mit unseren Spielern nicht irgendeinen Sonntagsschuss, sondern bereits den «Derbysieg! Derbysieg!» vom nächsten Spieltag. Auch für uns Thuner ist nämlich der allerletzte Spieltag vom nächsten Mittwoch noch von grösster Bedeutung – ob wir nun in Thun, im Gwatt oder tatsächlich in Zürich wohnen.