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Sparta Prag - Thun 3:1
20.08.2015Europa League 2015/2016


Die Mission «Gebt ordentlich Gas und Senf und bringt Mattäng nach St. Gallen» hat in Prag ihre Fortsetzung gefunden. Folgende Ereignisse spielten sich in dieser Form oder zumindest so ähnlich während drei Tagen in der tschechischen Hauptstadt ab. Allerdings erlaubt sich das thunfans.ch-Team, Details zu boshaften tschechischen Männern sowie zu zuvorkommenden tschechischen Damen auszusparen. Nur wo entsprechende Indiskretionen dem Leseverständnis dienen, werden sie ausnahmsweise erwähnt. Zudem ist zu bemerken, dass es sich bei folgendem Text um einen Spielbericht handelt und nicht um die Kurzbiografie eines bestimmten Thunfans, der sich in Prag besonders viele Eskapaden erlaubt hat. Da uns im Übrigen jener Thunfan an einen guten Kollegen erinnert, verpassen wir ihm in unserer Prag-Berichterstattung den Aliasnamen «Klein-Raschle». Und schliesslich noch eine Anmerkung: Um den Seelenfrieden der Thunfans nicht zu arg zu strapazieren, beschränken wir uns bei der Beschreibung des besagten Thunspiels auf das notwendige Minimum.

Unsere Pragreise beginnt mit einer Rekordleistung. Um 10 Uhr landen wir am Flughafen, um 10.45 Uhr checken wir bereits im Hotel Diplomat ein. Prag-Dauergast Mattäng kann die Leistung am besten einschätzen, ist er doch schon zum dritten Mal in der schönen Stadt an der Moldau. So hat er vor fünf Jahren zusammen mit Kevä viereinhalb Stunden und mehrere Gläser Becherovka vom Flughafen zum Hotel gebraucht. Und vor zehn Jahren war er gar noch so jung, dass er seinem Rücken – und seinen Autobahnraststätten-Geschmacksnerven – eine Carfahrt zumuten konnte. Aber mittlerweile ist er halt auch schon 50 – auf so alt wird er jedenfalls von Uttiger geschätzt. Zu Mattängs (oder Uttigers?) Verteidigung sei gesagt, dass diese Altersschätzung nach drei äusserst süffigen Prag-Tagen ausgesprochen wurde.
Ein Risikofaktor scheint Mattäng aber immer noch zu sein. Das zeigt sich ein erstes Mal beim Einchecken. Während Thunfan A überhaupt kein Depot hinterlegen muss und das Thuner Vorzeigepaar gerade mal 1000 Kronen abgeben muss, verlangt der Concierge von Mattäng stolze 2000 Kronen. Die Alternative wäre, mit seiner Kreditkarte (samt Pincode!) zu haften. Doch Mattäng hat mal wieder Verfolgungswahn und will seine Daten nicht einfach so in tschechische Hände legen. Und so hinterlegt er tatsächlich den Gegenwert von 57 tschechischen Bieren an der Reception.
Und schon wartet die nächste Herausforderung: Jene Reisenden zu finden, die bereits einen Tag Prag Vorsprung haben. Die dazu gehörige Info lautet: «Altstättering. Metro Musek när öppe 5 Minute loufe.» Dumm zwar, kennen Mattäng und Co. höchstens Altstätten, aber mit der telefonisch erteilten Zusatzangabe «beim Turm mit dem schwarzen Dach» sollte doch nichts mehr dem Zusammentreffen im Wege stehen. Knifflig halt nur, dass die Donnerstaggruppe einem einzelnen schwarzen Turm entgegensteuert, während die Mittwochgruppe vor zwei schwarzen Türmen ihre Bierchen trinkt. Zumal Mattäng in den Altstadtgassen bereits vor dem ersten Fan von hinten angegriffen wird. Gut, ist unser Fanarbeiter in der Nähe. Um genau zu sein, ist es der Fanarbeiter selber, der Mattäng zur Begrüssung angreift. Eine Art Sicherheitscheck für die Senioren unter den Thunfans.
Das grosse Wiedersehen der beiden Thunfans-Gruppen wird mit Bier begossen. Wobei das grosse Bier am Prager Mühliplatz doch tatsächlich 75 Kronen kostet. Das sind ungefähr 3 Franken. Das lässt sich nicht mal durch die sympathischen Mattino-Sonnenschirme rechtfertigen. Für Prager Verhältnisse ist ein Bierpreis von 75 Kronen regelrechter Wucher, wie zumindest Mattäng behauptet. Fürs Protokoll ist aber festzuhalten, dass zumindest das Essen äussert fein und die Bedienung gastfreundlich ist. Beides wird tags darauf im U Tyna nicht der Fall sein. Und so sind die Thunfans doch so gut gelaunt, dass sie sich in Tschechisch für Anfänger üben: In dem sie eine grosse Runde Becherova bestellen.
Anhand von Handybildern wird entschieden, welche kulturelle Attraktion als Nächstes besucht werden soll: Der Entscheid fällt mit klarem Mehr für das Pub Praha 6. Dort dürfen die Besucher nämlich an den Tischen selber Bier zapfen. Und da jedes getrunkene Bier (evtl. auch jedes ausgeschüttete Bier) im Computersystem erfasst wird, steht Tisch 1 im Bier-Wettstreit mit Tisch 2 und Tisch 3 und das Pub Praha 6 einerseits im Duell mit Pubs in anderen Prager Stadtkreisen und andererseits mit Pubs in anderen Städten wie Berlin oder Bratislava. Während die jüngeren Fans sofort Feuer und Flamme für dieses Gadget sind, stimmen die älteren Fans doch lieber ein paar Thunlieder an. Es ist als Akt der Solidarität zu verstehen, dass die älteren Fans dennoch tatkräftig mittrinken. Und gleich selber den Vorschlag bringen, dass man sich ja nach dem Spiel wieder im Pub treffen könne.
Erst aber steht der Fanmarsch auf dem Programm, für den Thun für Europacupverhältnisse mal wieder mehr Leute zusammenbringt als auch schon. Insgesamt 60 Thuner schaffen es schliesslich zum Stadion, wobei längst nicht nur Berndeutsch gesprochen wird – sondern auch Englisch, Tschechisch und Thüringer Dialekt. Ein wackerer Prager Zivilpolizist hält dieses Sprachenwirrwarr mit seiner Videokamera in Grossaufnahme fest. Und sicher auch, wie den Thunfans selbst Aufkleber beschlagnahmt werden.
Der Eingangskontrollenfrust ist aber bald verfolgen, geht doch Thun sehr früh in Führung. Für einmal sind die Spieler nicht nur von Anfang an parat, sondern treffen gleich selber in der fünften Minute. Die Direktabnahme von Sutter in der 5. Minute ist eine Augenweide und macht vor allem einfach Spass. Da wird jedem Thunfan so richtig warm ums Herz, so dass manch einer sein Shirt auszieht. Bald kommen die Fans aber ins Schwitzen, weil Prag das Tempo sichtlich erhöht. Chance um Chance können die Thuner abwehren, doch halten sie dem Druck leider nur rund 40 Minuten stand. Was Sparta genügt, um noch vor der Pause in Führung zu gehen. Das 1:1 fällt in der 43. Minute mal wieder bei einer Standardsituation: Costa trifft bei einem Eckball. Und das 2:1 wird durch einen Abwehrpatzer – einen schwachen Kopfball Reimanns – ermöglicht. Dockals 2:1 fällt praktisch mit dem Pausenpfiff.
Wenn in der zweiten Halbzeit bei Thuner Ballbesitz die Sparta-Fans pfeifen, weiss man nicht recht, ob die Pfiffe ganz gegen die Thuner oder nicht auch zu einem gewissen Teil gegen die Spartaner gerichtet sind. Dass Thun jetzt mehr denn je mithalten kann, gefällt dem Heimpublikum jedenfalls nicht. Zumal Rapp gleich zweimal das 2:2 schiessen könnte, sei es in der 73. oder in der 75. Minute. Schade um die guten Chancen.
Eher unzufrieden sind die Thuner auch mit dem holländischen Schiedsrichter Makkelie. Der gesteht Sparta einen gewissen Heimbonus zu und entscheidet bei kniffligen Situationen einige Male zu ungunsten der Thuner. Als er dann aber bei einer strittigen Penaltyszene im Thuner Strafraum stumm bleibt, verstummt auch die gröbste Thuner Kritik. Und als Makkelie weit in der Nachspielzeit auf Freistoss entscheidet, als Sulmoni einen haarsträubenden Ballverlust mit einem Foul gutmachen will, gibt es ohnehin nichts am Schiedsrichter zu kritisieren. Nicht mal an der verdienten Gelben Karte. Dockal setzt sich den Ball 22 Meter vor dem Tor. Und wie schon beim Match in Vaduz ahnt (ja weiss!) im Thunsektor jeder, dass dieser Ball reingehen wird. Thunkenner staunen höchstens, wie wunderschön Dockal den Ball im Lattenkreuz versenkt. Ansonsten ist der Überraschungseffekt bei diesem 3:1 äusserst klein. Es ist ein Tor, das umso mehr schmerzt, weil es sich um die allerletzte Aktion des Spiels handelt. Es ist wohl der schlimmste Schlusspunkt in einem Thuner Europacupspiel seit der Last-Minute-Niederlage im Highburry. Und das ist doch auch schon wieder zehn Jahre her.
Frust breitet sich auch aus, weil auf das Gegentor ein Sektorenrückhalt folgt, bei dem so gar nicht über Dauer oder Hintergründe informiert wird. 20, vielleicht 30 Minuten Wartezeit werden es. Und abgerundet wird das Ganze mit einem unfreiwilligen Fanmarsch im Blaulicht. Warum auch Transportmöglichkeiten für die Fans organisieren, wenn man doch mit Polizeiwagen marschierende Fans begleiten kann. Wie immer zeigt sich, welche Art Spezies überhaupt keine Furcht vor als Risikofaktor eingestuften Fussballmobs hat: Velorowdys. Heute nimmt es ein Biker mit den Thunern auf, der mitten durch die Gruppe fährt: auf dem Trottoir (natürlich!), ohne Licht (selbstverständlich!) und der quasi als Bonus einen Hund an der Leine mit sich zieht. Da sieht sich dann auch die Prager Polizei veranlasst, über Lautsprecher die Verkehrsregeln nochmals zu erklären: «Laufen auf der Strasse gehört sich nicht!» werden eine Handvoll Thunfans gemassregelt. Die Fahrt für die Polizei endet schliesslich vor dem Pub Praha 6, wobei die Männer im Kastenwagen noch mindestens eine Viertelstunde abwarten und herauszufinden versuchen, was wohl die Thuner hier wollen. Da Bieranzapfen aber in Prag auch von der Polizei akzeptiert wird, wird der Einsatz schliesslich für beendet erklärt.
Oder flüchten die Polizisten etwa vor der resoluten Bardame unten im Pub? Die schafft es jedenfalls locker, selber ein paar Dutzend Thunfans in die Schranken zu verweisen. Mögen die Tischduelle der Biertrinker noch so viel Umsatz generieren, ist die Bardame doch sehr bemüht darum, die Gäste spüren zu lassen, dass sie hier die Limiten setzt. Und das bis weit in die Nacht.
Was wirklich keiner erwartet: Am nächsten Mittag wünschen wir uns alle die resolute Bardame sehnlichst herbei. Denn in den Herren, die uns im U Tyna bedienen, steckt kaum noch ein Rest Gastfreundschaft. Ein glänzendes Füfi auf dem Tisch mag aggressive Wespen abhalten, als Gadget gegen mürrische und entschleunigte Kellner taugt es leider nicht. Beispielhaft ist, was passiert, als zwei Thunfans eine halbe Stunde verspätet (bitte keine Tische mehr zusammenschieben!) zur Zwölfergruppe stossen. Einer von ihnen bestellt Pommes Frites und erhält seinen vollen Teller kurz darauf als erster überhaupt – eine gute Viertelstunde vor sämtlichen Frühbestellern und noch viel früher als sein Begleiter, der sich für ach so komplizierte Spaghetti entschieden hat. Eifrig ist der Chefkellner dann aber, als es darum geht, Trinkgeld für seine Truppe einzutreiben. Gleich mehrmals akzeptiert er unseren Vorschlag nicht, bis er endlich einen Zusatzstapel Kronennoten sein eigen nennen kann.
Da ist es auf der Bootsfahrt um einiges gemütlicher, wobei dieses Vorhaben bereits in einem Hinterhof in der Nähe der Moldau endet. In einer gemütlichen Beiz erfreuen wir uns an Bier und auch an Gemüse. Es muss schliesslich nicht immer Ente sein. Hier erlaubt uns der Chef gleich selber, einen Aufkleber an der Theke anzubringen. Hier treffen wir junge Frauen aus Domodossola. Und hier merken wir von thunfans.ch erst so richtig, was sich in den vergangenen Jahren in Thun so alles getan hat: 2003 standen beim Brno-Spiel gerade mal 13 Thuner im Auswärtssektor und versuchten Stimmung zu machen, heute strecken bei einem Auswärtsspiel in Tschechien mehr als ein Dutzend Fans die Hände in die Höhe, wenn es nur darum geht, ein neues Bier zu bestellen. Na zdraví!
Direkt an der Moldau landen wir dann doch noch, wobei wir zum nachmittäglichen Essen glücklicherweise nichts auf Schiff gehen. Denn da wird schon mal ein Burger nicht nur auf den Grill geschmissen, sondern anschliessend von uns auch gleich auf den Boden. Das «Burger über Bord» bleibt uns zwar erspart. Aber wir wundern uns schon, ob die Feder, die jetzt zwischen den Burgerbrötchen liegt, schon Teil des Grundrezepts war.
Festzuhalten ist, dass nicht Klein-Raschle das Burger-Maleur passiert ist. Der ist ohnehin dadurch absorbiert, dass er seine Rückreise um einen Tag verschieben will. Also Busreise stornieren und Busreise neu buchen. Das will mit Telefonanrufen und Internetsurfen gut koordiniert sein. Dafür leiht sich Klein-Raschle immer mal wieder ein Telefon von anderen Fans aus, u.a. auch von Mattäng. Sein eigenes Telefon ist ihm kurz vor der Abreise beim Aufladen im Zug abhanden gekommen. War vielleicht doch keine so gute Idee, das Handy zwischen Freiburg und Lausanne in der 1. Klasse zu laden – und selber die Strecke in der 2. Klasse zurückzulegen.
Der Abend steht dann unter dem Motto «Lasse beliebte Filmklassiker aufleben». Als Nachtclub ist deshalb das Coyote ein Muss – jedenfalls für die, die nicht schon am Türsteher scheitern. Und trotz fehlender Filmvorlage ist natürlich der Abstecher ins fünfstöckige Karlovy Lazne für alle eine sich lohnende Sache – jedenfalls für die, die nicht schon nach einer Viertelstunde auf den Sesseln neben der Tanzfläche einschlafen und nicht mal mehr durch eine Bierdusche aufzuwecken sind. Das Konzept «auf jedem neuen Stockwerk ein neuer Sound» hört sich spannend an. Allerdings kommt man beim Aufstieg vom übelst coolen Eiskalt-Floor im Parterre (angezeigt werden Minus Sechs Grad) bis ganz nach oben in die Hip Hop-Hölle (hier ist selbst den vom Klub engagierten Tänzerinnen heiss) auch musikalisch ziemlich in Schwitzen. So zeigt ein einstündiger Check im Hip Hop/R’n’B-Floor, dass hier ja gar kein Hip Hop läuft, sondern ein Mainstream-Soundmix, den man auch als Eurodance bezeichnen könnte. Denkwürdig ist aber auch jenes Stockwerk, in dem Partysound von Abba bis Village People läuft. Selbst Mattäng versucht hier sein Tanzglück – und landet beim Betreten der Tanzfläche sogleich am Boden. Er hat halt nicht beachtet, dass Happy Dancer mit deutlichem Abstand das meiste Bier verschütten und die Schwelle zur Tanzfläche entsprechend nass und klebrig ist. Und da Mattäng dann zwar sofort aufgeholfen wird, er aber bei den Pragerinnen nicht mal von einem Mitleidbonus profitiert, schmerzt ihm beim baldigen Verlassen des Klubs nicht nur der Ellbogen. Das nächste Mal will auch er es mit einem roten Hut probieren.
Für die Rückreise benötigen einige Fans sechs Stunden (man kann in Metro und Tram halt auch mehrmals einschlafen), während andere Fans schon kurz nach drei Uhr wieder in ihrem Hotel sind. Nicht alle Thunfans – und auch nicht alle Taxifahrer – können halt dem zweiten grossen Filmklassiker «Findet Nemo» Ehre erweisen und den entsprechenden Klub finden. Erstaunlich ist dann aber, das von vier Taxifahrten an diesem Tag in Prag ausgerechnet die letzte ins Hotel Domino am billigsten ist. Guter Service oder falsches Mitleid für gestrandete Thunfans? Mattäng und Co. spielen auf der Fahrt aus Langeweile analog zu die Reise nach Jerusalem das Gesellschaftsspiel Reise ins Domino. Einfache Regel: Wer im Taxi zuerst einschläft, muss jene Kumpels mit aufs Zimmer nehmen, die eigentlich in ein anderes Hotel gehören würden.
Während sich da morgens also einer wundert, wer da jetzt eigentlich neben ihm schnarcht, hat Mattäng morgens eine andere böse Überraschung: Die Swisscom weckt ihn mit der Botschaft, dass seine Mailadresse gesperrt worden ist. Mattängs Mailkonto wurde gehackt und fürs Spamen missbraucht. Der rege WLAN-Gebrauch in Prag ist ihm zum Verhängnis geworden. So viel zum Thema Verfolgungswahn. Und was macht eigentlich Klein-Raschle an einem Tag wie diesem?
Nach diesem Schock muss Mattäng erst mal in die Apotheke. Er will nämlich unbedingt noch einen tschechischen Glücksbringer fürs Rückspiel. Er entscheidet sich für ein Zahnbürstli Made in the Czech Republic. Und ansonsten hilft als Aufmunterung ein eher ruhiges Programm. Wer am Samstag noch in Prag ist, stiegt bei einer «Hop On/Hop off»-Tour mit ein. Seltsamerweise entscheiden aber die Reiseleiter, wann man von einem Fahrzeug aufs nächste Umsteigen soll. Und auch längst nicht jeder Kopfhörer funktioniert, es sei denn Stille sei neuerdings die 25. Tour-Sprache. Richtig machen es diejenigen Thunfans, welche die orangen Kopfhörer von Anfang an links liegen lassen und einfach mal wieder ausschlafen. Dann verpassen sie aber auch die Reisewarnung: Wer nicht aufpasst, erhält beim Geldwechseln polnisches oder bulgarisches Kleingeld. Oder macht schlechte Bekanntschaft mit einem Taschendieb. Klein-Raschle, der auch mitfährt, ist in der Nacht zuvor aber nur Letzteres passiert. Weshalb er nun zwar nach dem Telefon- und Internetmarathon am Vortag einen Reisetag mehr hat, aber kein Geld mehr, um überhaupt noch eine neue Rückreise zu buchen. Wir begleiten ihn zur Sicherheit zum Buchungstermin am Busbahnhof.
Teuer werden die letzten Stunden im Tag aber auch noch für Mattäng und Co., die es in der Altstadt in ein Restaurant verschlägt, in dem das grosse Bier doch tatsächlich 95 Kronen kostet. 95 Kronen! Das sind 4 Franken! Also das ist jetzt wirklich eine Touristenfalle. Und was für ein Klientel kann sich solche Irrsinnspreise überhaupt leisten? Auf dem WC hängt ein «Legalize Pyro»-Aufkleber von osteuropäischen Ultras.
Schliesslich heisst es Abschied nehmen von Prag. Es ist ein schneller Abschied, selbst Mattäng kommt im ersten Anlauf durch den Zoll. Oder jedenfalls fast. Ein zusätzliches Abtasten und eine Fussmassage müssen dann schon noch sein. Meint jedenfalls der Sicherheitsmensch. Ja Mattäng und sein erhöhter Risikofaktor.
Im Flugzeug nehmen es dafür drei andere Thuner gemütlich. Mit ordentlich viel Schnaps und Zigaretten im Handgepäck, fällt ihnen das Einräumen der sieben Sachen in die Gepäckablage ordentlich schwer. Verdutzte Japanerinnen schauen mit an, wie ihre Handtaschen und sonstigen Reiseutensilien in immer neue Gepäckfächer wandern. Und Ostschweizerinnen analysieren treffend: «Guet händ nöd all so lang mit em Gepäck wie die.» Sonst würde man ja noch das kreative Swiss-Menu verpassen: Gabs auf dem Hinflug ein Schoggigipfeli, gibt’s jetzt auf dem Rückflug ein Schoggiweggli.

Ostschweizerinnen kritisieren Thuner? Da sind wir wieder bei der Mission «Gebt ordentlich Gas und Senf und bringt Mattäng nach St. Gallen» angelangt. Schliesslich will Mattäng das Spiel in der Ostschweiz nicht verpassen. Dafür müssen auch alle im Team endlich merken, dass sie im Duell gegen Sparta in jeder Minute bis ganz zum Schluss alles geben müssen. Selbst ein Sulmoni muss zum erfolgreichen Missionsmitglied werden. Unmöglich ist ein Weiterkommen nicht. Bislang hat Thun in den europäischen Wettbewerben zwei Playoffspiele bestritten. Die Resultate? 3:0 gegen Malmö FF. 3:0 gegen Partizan Belgrad. Folgt ein 3:0 gegen Sparta Prag?