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Thun - Le Mont 4:0
27.06.2015Testspiele 2000 bis 2017


Dieser Spielbericht wird Ihnen präsentiert von Aemme Getränke in Ramsei: Das Leben macht durstig.

Oberdiessbach. Eine Gemeinde, in dem die Kulturinteressierten «einen kulturellen Leckerbissen mit dem Programm » vorgesetzt bekommen. Eine Gemeinde, in der die Emmentaler Einkaufstouristen gleich beim Ortsschild darauf aufmerksam gemacht werden, dass man hier in den Fachgeschäften Pro Bon erhält. Und eine Gemeinde, in der das Dorfturnier des heimischen FC nicht nur aus fussballerischen Höhepunkten wie Bierfront vs. Diessbachladys besteht, sondern durch ein Testspiel zwischen Thun und Le Mont abgerundet wird.
Wer als Auswärtiger auf dem Sportplatz Leimen ankommt, kann angesichts des idyllischen Umfelds mit grasenden Kühen und Weizenfeldern auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten mit dem gestrigen Thuner Tourneehalt Stadt Bern ausmachen. Doch schnell erfahren wir: Nicht nur im Breitsch nerven Anwohner mit ihren ewigen Lärmklagen, sondern auch hier in Oberdiessbach. Da ist doch kürzlich tatsächlich die Polizei auf dem Sportplatz aufmarschiert, weil es die Spieler der ersten Mannschaft gewagt haben, den Aufstieg in die 3. Liga zu feiern. So etwas muss und will man doch auch im Emmental nicht als Anwohner akzeptieren.
Um dem FCO nicht noch mehr Schwierigkeiten zu bereiten, supporten die Thunfans heute nur verhalten ihr Team. Anders aber die Le Mont-Ultras, die als einzige Zaunfahnen aufgehängt haben. Und zwar gleich Vier. Darauf stehen eindeutige Ultra-Botschaften wie «Tous Ensemble» und «Le Mont Forever». Musikalisch untermalt wird der Support durch lautes Gesinge und Getrommel. So sehr sich einige Oberdiessbacher Kids auch bemühen, hat heute Le Mont eindeutig Oberhand in Sachen Stimmung. Aus Thuner Sicht ist dies nicht zuletzt aus einem bestimmten Grund ziemlich bitter: Es ist ein einziger Dreikäsehoch-Alleinunterhalter, der die Thunfans unter den 800 Zuschauern in Grund und Boden singt. «Un public fantastique», muss man als Thuner neidlos anerkennen.
Alles andere als courant normal herrscht auch auf dem Rasen selber. Dabei spielt der Platzwart bzw. seine Kunst- und Duschinstallation eine gewichtige Rolle. Als das Spiel um 16 Uhr beginnen sollte, spritzt die Sprinkleranlage erst in der Thuner Platzhälfte munter weiter. Und als das Problem endlich gelöst scheint, nimmt das muntere Treiben der Sprinkleranlage in der Le Mont-Platzhälfte von neuem seinen Anfang. Wenn das mal nicht für eine ordentliche Abkühlung sorgt, um das die durchgeschwitzten Zuschauer die Spieler beneiden. Schliesslich ist das Wasserproblem aber doch noch gelöst und das Spiel kann mit ein paar Minuten Verspätung beginnen. Und wie es beginnt. Thun ist von Anfang an die erwartet bessere Mannschaft. Ehe wir uns auf den Rängen einig werden, ob der Entlebucher Munsy der ideale Joker für Thun ist, schiesst der in der 8. Minute bereits das 1:0. Bei diesem Treffer wird der Torschütze vom Speaker noch als «Mönsy» bezeichnet, während er in der 30. Minute korrekt als «Torschütze Munsy» über die Lautsprecher angepriesen wird. Dabei handelt es sich bereits um das 3:0, hat doch kurz zuvor auch Markovic für Thun getroffen.
Danach flacht das Spiel ab. Wobei es hier in Oberdiessbach Fans zu geben scheint, für die ehemalige Münsingen- und YB-Spieler wichtiger sind als aktuelle Thuner Torschützen. Da legt ein Thunfan tatsächlich einen regelrechten Strip hin, damit er Roman Bürki (dem drittwichtigsten Münsinger nach Ueli Maurer und Mattäng) das FCT-Trikot zum Unterschreiben hinhalten kann. Der Fan ist danach so verzaubert, dass er in der zweiten Halbzeit nicht mehr am Spielfeldrand gesehen wird. Die meisten Besucher haben derweil ganz andere Sorgen: Dem FCO ist in der Pause zwar nicht das Bier, aber die «Das Leben macht durstig»-Becher ausgegangen. Da bekommt das Hobby Bechersammeln plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Nach wenigen Minuten ist das Problem aber gelöst und die Zuschauer können munter weitertrinken.
Genug zu trinken ist in der zweiten Halbzeit auch wirklich wichtig. Nicht nur, weil die brennende Sonne gnadenlos ist. Sondern auch, weil das Spiel an sich nun kaum noch Unterhaltung bietet. So hat z.B. Hediger hat in seiner tragenden Rolle in der ersten Hälfte – er hat hinter dem Tor für seine Mitspieler einen Sonnenschirm hochgehalten – definitiv mehr überzeugt, als jetzt auf dem Spielfeld. Und die Pässe von Ferreira waren auch schon präziser als heute. So haben wir uns längst mit einer torlosen zweiten Halbzeit abgefunden, als mit dem allerletzten Schuss Wenger doch noch das 4:0 erzielt – mit gütiger Mithilfe des Le Mont-Goalies allerdings, der den Ball gleich selber über die Linie schiebt.
Nach dem Spiel gibt Sforza dem Speaker noch kurz ein Interview, das allerdings wegen akustischen Problemen (Blame it on the Technician) niemand versteht. Dann aber gilt die ganze Aufmerksamkeit Dorfturnierteams wie den Diessbachladys oder unserem, leider wenig erfolgreichen persönlichen Favoriten von der Bierfront – und das bis zum Turnierende um Mitternacht. Man gönnt der Nachbarschaft ja sonst nicht. Ich verlasse Oberdiessbach aber schon vor dem mitternächtlichen Schlusspfiff – rätselnd, ob Lärmklagen wegen Fussballspielen eigentlich auch in jener Gemeinde üblich sind, in der ich mein nächstes Thunspiel sehen werde: in Jerusalem.


Dieser Spielbericht wurde Ihnen präsentiert von Aemme Getränke in Ramsei: Das Leben macht durstig.