Thunfans » Spielberichte » Super League 2014/2015 » Thun - FCB
Thun - FCB 2:2
25.05.2015Super League 2014/2015


Bereits zehn Minuten vor Spielbeginn strömen heute die beiden Teams in die Arena. Am Wetter kann es nicht liegen, strömt doch der Regen ebenfalls. Doch einerseits gilt es eine handvoll Thun-Spieler zu verabschieden. Mit Marco Mangold, Lukas Schenkel, Christian Leite, Alexander Gonzalez und Berat Sadik werden per Ende Saison gleich fünf Spieler den FC Thun verlassen. Andererseits wird an diesem letzten Heimspieltag eine gewaltige Choreo präsentiert: «Mitenand, Hand in Hand, für Thun und z’ganze Oberland.» Da die Bildlegende fehlt, könnte sich eigentlich jeder der mannschaftsdienlichen Thuner Spieler für einen der abgebildeten Thuner Grössen halten. Wobei das Gerücht nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Thuner Kurve als Goaliefigur wohl nicht Leite, sondern Faivre verewigt hat. Was dagegen Fakt ist: Für die Choreo wurden 150 Quadratmeter Stoff und 20 Liter Farbe verwendet. «Nid schlächt», urteilt da selbst Mattäng anerkennend.
Wenn sich Thun heute ein Direktduell mit dem FCZ liefert, zittern wir zwar schon ein Stück weit um unseren dritten Platz, sind aber vor allem froh, dass das Abstiegsgespenst auch dieses Jahr weit weg von Thun sein Unwesen treibt. Und so herrscht von der ersten Minute an eine absolut tolle Stimmung im Thuner Sektor. Und das hast ausnahmsweise wirklich nichts damit zu tun, dass unsere Stadtberner Freunde zugleich im Wallis beherzt im Viertelstundentakt Gegentreffer um Gegentreffer entgegennehmen (es muss sich um die neue YB-Viertelstunde handeln). Nein, uns bereitet schlichtweg der FC Thun so grosse Freude. Nicht nur die ganze Saison an sich ist ein Knaller, sondern auch der beherzte Auftritt gegen Basel. Nicht der Meister bestimmt das Spiel, sondern Thun. Bereits in der 2. Minute könnte erst Ferreira und – im Nachschuss – dann auch Sadik das 1:0 erzielen. Und als es die beiden Aggressivleader in der 16. Minute gemeinsam versuchen, landet der Ball prompt im Netz. Assist Ferreira, Treffer Sadik. Es ist sein 11. Saisontor.
Thun powert weiter, selbst Sutter könnte (ja müsste!) einen Treffer verbuchen. Und als Reinmann sein Glück versucht, kann Suchy nur knapp auf der Linie klären. Doch zugebenermassen muss sich auch Faivre in der ersten Halbzeit von einem Hilfssheriff aushelfen lassen. Bei einem Schuss von Kakitani klärt Sulmoni noch gerade rechtzeitig auf der Linie. Davon ist auch der Schiri überzeugt. Es gibt keinen Torpfiff wie beim FCZ-Match.
Weniger Freude haben wir daran, wie Schiedsrichter San bei einer weiteren Abwehraktion von Sulmoni reagiert. Wir schreiben bereits die 72. Minute, als Sulmoni Hamoudi im Strafraum stoppt. Prompt erfolgt der Foulpfiff. Was würde bloss YB-Fanlegende Grambambuli zu dieser Szene sagen. Wir fluchen natürlich auch kurz, drücken dann aber Faivre beim Penaltyduell gegen Gashi die Daumen. Doch dieser versenkt eiskalt. Und es kommt gleich zum Basler Doppelpack: Nur drei Minuten später ist Kakitani nämlich Profiteur von einem Reinmannschen Lapus und schiesst den Ball zum 1:2 ein.
Droht hier etwa die dritte Heimniederlage der Saison? Als in der 85. Minute jedenfalls Suchy mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen bleibt und es weder die Basler, noch das Schiedsrichtertrio so richtig eilig hat, weiter zu spielen, ahnen wir schon Böses. Wertvolle Spielzeit vergeht, ehe Thun nach einem Schiriball endlich zur nächsten Chance ansetzen kann. Und wie Thun diese Chance nutzt. Während Suchy aufs Spielfeld zurückkommt (wir verfluchen ihn dementsprechend, wenig später wird er aber tatsächlich ausgewechselt), setzt Thun zum Angriff an. Ein Reinmannscher Riesenpass landet bei Sadik, der den Ball mit der Brust annimmt und ihn unter die Lattenunterkante hämmert. 2:2. Sein 12. Saisontor. Und eines seiner schönsten. Auch der Torjubel bei uns im Sektor gehört zu den schönsten (und sicher wildesten) der Saison. Zeugnis davon sind die nur noch knapp erkennbaren Überresten von all den Bierbechern unter unseren Füssen. Wer investiert schon nicht gerne in ein 2:2. No e Chruze meh!
Es bleibt beim 2:2, womit das Direktduell mit dem FCZ am Freitag in die nächste Runde geht. Was solls: «Europapokal, Europapokal!» bleibt unser Motto. Und zwar nur beim Feiern (in unserem Stadion heisst es nämlich nicht bereit 30 Minuten nach Abpfiff Lichterlöschen und Torezusperren), sondern auch auf der Busfahrt an den Bahnhof. Interessant ist, dass auf den STI-Bildschirmen im Bus die Deutsche Bahn für Deutschlandausflüge wirbt. Hm, warum eigentlich nicht. Dieser Ruhrpott soll noch so schön sein…