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Thun - Karlsruher SC 0:5
06.09.2014Testspiele 2000 bis 2017


Endlich ein Spiel gegen den grossen KSC. Für mich ein Grund, auf der Baustelle einen ganzen Ferientag einzugeben. Okay, die Tatsache, dass am gleichen Nachmittag meine Stammbeiz 2 Stunden lang Gratisgetränke offeriert, mag auch noch eine kleine Rolle gespielt haben. Wann sonst hat man denn die Gelegenheit, mitten am Nachmittag einen Cassis Blanc (wenn auch in der Aaretaler Version Sirupweiss) bestellen zu können, ohne dafür seitens der Serviertochter ein Stirnrunzeln und/oder eine hohe Rechnung zu ernten. Höhepunkt des Tages ist aber zweifelsohne die Partie gegen den KSC, kommen doch da bei mir Erinnerungen an einen ganz schönen Sommer auf, in dem zwar das Wetter auch total mies war, dafür aber Thun umso schöner und erfolgreicher Fussball spielte. Und in jenem Sommer anno 2005 hat das Thuner Fussballmärchen für zwei Schreiberlinge von thunfans.ch nirgendwo anders als in Karlsruhe begonnen. Mätthu und ich haben uns damals nicht etwa um 1500 Kilometer in der Stadt geirrt –als Tourist kann man ja schon mal Kiew mit Karlsruhe verwechseln – sondern haben dort nach einer bequemen Hotelübernachtung einen etwas weniger bequemen Gastarbeiterbus nach Kiew bestiegen.
Neun Jahre später fahren die Spieler des KSC im Bus vor der Arena vor. Zu unserer Überraschung setzen sie aber für ihre Auswärtsfahrten auf ein anderes Transportunternehmen als Kraft Reisen. Schade eigentlich. Vielleicht liegts aber doch am leicht höheren Buskomfort, dass dem KSC im Spiel von Beginn an keine Reisestrapazen anzumerken sind. Die Badener – nicht bekannt oder verwandt mit Gerry Müller – spielen sich schon in der Startminute die erste Chance heraus. Die Thuner, die sich mit mehreren U21-Spielern sowie den Stammelfvertretern Sulmoni, Schindelholz, Cassio, Bigler und Siegfried zur Wehr setzen, können die Null auf der Anzeigetafel nicht lange halten. Die Karlsruher können bereits in der 4. Spielminute die 1:0-Führung durch Jungbin Park erzielen, der einen Abpraller nach Vorarbeit von Rouwen Hennings und Enrico Valentini aus kurzer Distanz verwandelt. Nun scheint klar zu sein, warum das KSC-Trainerduo auf zwei Gartenstühlen in der Coachingzone sitzt. Man scheint mit einem ganz gemütlichen Nachmittag in Thun zu rechnen und deshalb in erster Linie zu versuchen, möglichst viel von den paar wenigen Sonnenstrahlen abzubekommen. Von einer Thuner Chance in der 24. Minute abgesehen, spielt praktisch nur der KSC nach vorne. Wobei sich Thun gegen die zahlreichen Angriffe mit überraschenden Abwehrstrategien zur Wehr setzt. Jedenfalls, falls man dem KSC-Spielberichterstatter Glauben schenken darf: «Ein Freistoss von Selcuk Alibaz konnte von Keeper Guillaume Faivre gerade noch so aus dem linken unteren Eck gefischt werden (25.).» Uns freut natürlich, dass man Faivre ein gewisses Flair zum Fischen zutraut. Nur steht da heute dummerweise Leite im Tor. Und der lässt sich in der 34. Minute schon zum zweiten Mal bezwingen. Torschütze ist dieses Mal Enrico Valentini. Hole dä Gieu, schon nur wegen diesem Namen.
Die Stimmung im Stadion ist vorerst noch gut, die jungen Besucher des «Special Day for Kids» erfreuen sich an der erstklassigen Spielweise des Vereins aus der 2. Bundesliga ebenso wie die etwas Älteren unter den 662 Zuschauern, die mal nicht magere NLA-Kost vorgesetzt bekommen. Ob man wohl deswegen in der 54. Spielminute die Spielzeit auf dem Anzeigetafel vorübergehend auf 45:00 zurückstellt. Glaubt man bei Thun, mit ein paar Zusatzminuten einen Schlussspurt à la Breitenrain wahr werden zu lassen? Oder will da wirklich irgendwer, dass diese gute Partie nie zu Ende gehen soll?
Als dann allerdings in der 59. Minute Koen van der Biezen per Kopf das 3:0 erzielt, muss der Speaker doch seine Zuschauer über den Lautsprecher aufmuntern. Man habe es da immerhin mit dem Vierten der Zweiten Bundesliga zu tun. Und der hat Hunger auf mehr. In der 59. Minute köpfelt Martin Stoll bei einem Eckball zum 4:0 ein. Und in der 78. Minute trifft Hiroki Yamada ebenfalls per Kopfball zum 5:0. Anzumerken sei da noch für alle Leite-Kritiker, dass zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr er oder Fischer Faivre im Thuner Tor steht, sondern Francesco Ruberto, der innerhalb von 20 Minuten gleich gegen drei Kopfballtreffer machtlos gewesen ist. Die Thuner Equipe, die sich in der zweiten Halbzeit praktisch nur noch aus U21-Spielern zusammensetzt, versucht zwar noch alles, um zum Ehrentreffer zu kommen. Doch es gelingt ihnen nicht, weshalb das Spiel mit jener 0:5-Packung endet, die viele Mätthu und mir damals anno 2005 prophezeit haben, als wir in Karlsruhe Richtung Kiew aufbrachen. Der Rest ist längst Fussballgeschichte, während dieses Testspiel heute rasch vergessen sein wird.