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Thun - YB 1:1
10.08.2014Super League 2014/2015


Die Schweiz hat den zweiten Social Media-Reinfall der Woche. Im Vorfeld des Spiel YB-Thun stelle ich mich im Umgang mit Computern so dämlich an, wie es sonst nur freizügige Bundesangestellte schaffen: Ich hole mir nämlich die mindestens zweitdümmste Fussballverletzung meiner Fankarriere. Klar kann man sich mal bei einem 7:1-Auswärtssieg zwei Finger aufreissen. Aber kann man sich wirklich auch aus Angst davor, man könne ansonsten keinen Spielbericht über einen Auswärtssieg bei YB schreiben, beim Abmessen des alten, kaputten Laptops den rechten Fuss halb zertrümmern? Wegen der Erkenntnis, dass das Gehäuse meines Laptops 37,5 Zentimeter breit und mehrere Kilogramm schwer ist, komme ich jedenfalls heute mit einem blau-roten, leicht geschwollenen Fuss ans Spiel. Und nein, ich wollte damit keine vermeintliche Verbundenheit mit dem FC Basel aufzeigen.
Wenigstens bin ich nicht der einzige angeschlagene Derbybesucher im Stadion, manch ein YB- oder Thunspieler steht heute ziemlich mitgenommen und lädiert neben dem Kunstrasen und hat kein ärztliches Okay erhalten, heute aufzulaufen. Wölfi durfte sich wenigstens am Vortag unter die Fussballspieler mischen, hat dabei aber im U21-Match gegen Kriens gleich vier Gegentore kassiert. Ähnliches droht dagegen Thun heute nicht, ist Faivre doch so weit genesen, dass Leite seine Fussballkunst heute nicht unter Beweis stellen muss. Einige Fussballkenner sagen ja, Leite würde sich mit einem Ball auf dem Fuss ähnlich tolpatschig verhalten wie Mattäng mit einem Laptop auf dem Fuss.
YB beginnt das Spiel mit einer halben Thuner Elf: Schafsecku, Frey, Nikci und Steffen stehen alle in der Startaufstelllung und werden von der Thuner Kurve mit mehr oder weniger lauten Pfiffen gegrüsst. Doch auf dem Platz überzeugen zu Beginn jene Spieler, die noch nicht dem Lockruf des YB-Geldes erlegen sind: In der 17. Minute brilliert Schindelholz vor dem Strafraum und bringt den Ball zu Sadik, der per Kopf zum 0:1 einschiesst. Mvogo sieht dabei nicht allzu gut aus. Wir merken: Auch YB-Goalies haben schlechtere Tage.
Faivre startet allerdings ebenfalls nicht allzu gut in die Partie. In der 34. Minute reagiert unser Goalie bei einem Schuss von Gajic – ausnahmsweise nimmt der tatsächlich das gegnerische Tore ins Visier – zwar mit einem guten Reflex, doch kann er den Abpraller nicht verhindern. Der Ball landet bei Frey, der den Ball via Posten zum 1:1 einschiesst. Was werden sich da die Enten am Thunersee freuen.
Anschliessend steigert sich Faivre aber von Minute zu Minute und zeigt mehrere Glanzparaden. Besonders in der Viertelstunde nach der Pause ist er schier unbezwingbar, obwohl YB Angriff um Angriff fährt. Faivre kann samt seiner Hintermannschaft auf das Glück des Tüchtigen zählen. Und es kommt noch besser: In der 64. Minute bejuble ich lauthals das 2:1 der Thuner. Was für ein schöner Spielzug der Oberländer. Ferreira kommt links völlig frei zum Schuss, Pfosten, Siegfried schiebt ein. 2:1. Ich schreie und juble und schreie. Erst als Schneuwly die Gelbe Karte wegen Reklamieren erhält, bemerke ich eine Kleinigkeit: Siegfried stand bei seinem Schuss im Abseits.
Beide Teams kämpfen weiter um den Siegestreffer. Schade, hat Ferreira nicht etwas schnellere bzw. genauere Reflexe. Seine Topchance landet nur an der Latte. Doch vor allem YB stellt sich ziemlich ungeschickt an. Als ob das Heimteam den 20 000 Zuschauern bestätigen möchte, dass es völlig zu recht auf dem 7. Platz steht, spielt es den Ball in der Schlussphase mehrmals zu Goalie Mvongo zurück. Entsprechend laut wird im Wankdorf gepfiffen. Ja, so wird das heute auch wieder nichts mit dem ersten Saisonsieg der Berner. Nach einem letzten souveränen Eingreifen von Faivre bejubeln wir Thuner dagegen unseren siebten Saisonpunkt. Für ein herzhaftes und fröhliches «Die Nummer 1 von Bern sind wir!» reicht manchmal schon ein 1:1.