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Thun - Wil 2:3
12.07.2014Testspiele 2000 bis 2017


Was sich Fred, Dante und Hulk angesichts dieser katastrophalen WM-Woche von ganzem Herzen wünschen, hat unser Seleção-würdiger Brasilianer Cassio schon umgesetzt: Nach einer Namensänderung irrt er anonym übers Spielfeld und tritt gegen Wil heute erneut als Horta an. Immerhin ist dieser Name fast so cool wie jener von Hulk. Denn wer kennt sie nicht, die Raumschiff Enterprise-Folge «Horta rettet ihre Kinder». Doch vorderhand gibt es für Horta alias Cassio nichts zu retten, wird er doch zum Bedauern des erneut lautstarken Cassio-Fanclubs (ja, sie sagen Nein zum modernen Fussball und schreien weiterhin «Cassio! Cassio! Cassio!») erst in der 70. Minute eingewechselt.
Was unser Brasilianer von aussen mitansehen muss, erinnert ihn sicher stark an die Auftritte der Seleção. Thun spielt (über-)motiviert, bereitet den 1300 Zuschauern aber ungefähr so viel Freude wie das Sommerwetter. Und ja, ich glaube das beurteilen zu können, habe ich doch seit 10 Tagen «Wann wird’s mal wieder richtig Sommer »-Ferien, die noch bis Dienstagabend dauern. Manche Albträume dauern erheblich länger als 90 Minuten. Unser fussballerischer Albtraum beginnt nach 16 Minuten so richtig. Wils Audino läuft aufs Tor zu und kann von unserem neuen Torhüter Leite nur noch mit einem Foul gestoppt werden. Eine Karte zeigt Schiri Amhof zwar nicht, wohl aber auf den Elfmeterpunkt. Lombardi läuft an, wählt die richtige linke Ecke, Leite ist längst geschlagen, doch der Ball fliegt links am Tor vorbei.
Besser macht es Wil in der 26. Minute. Bei einem Kopfball von Platero ist Leite chancenlos. Und würde kurz darauf nicht Wittwer mirakulös auf der Linie retten, ginge Wil gar mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause. Für uns ist beim Copacabana-Fussballtalk beim Bierstand dennoch klar: Thun hat eine schwere Saison vor sich, unsere Prognosen reichen von «Europacupplatz» (was für ein Optimist – und das als Langnau-Fan!) bis hin zu «Platz 8» (Kevä ist vorsichtig erwartungsvoll) und «Platz 9» (wohl das erste Mal, dass ich nicht mindestens 5 Plätze optimistischer tippe als der «Blick»).
In der zweiten Halbzeit hellt sich der Himmel vorübergehend auf. Erstens regnet es nicht, zweites entdeckt mal wieder eine YB-Ausleihe seinen Torriecher. In der 51. Minute gleicht Gonzalez aus. Es ist ein schöner Treffer ins Lattenkreuz. Doch in der 69. Minute gelingt Taipi die erneute Wiler Führung. Doch wir haben ja noch Lukas Schenkel. Kaum eingewechselt, erzielt er in der 70. Minute das 2:2. Es handelt sich hierbei übrigens auch um die erste Aktion von Cassio alias Horta, der die entscheidende Flanke gegeben hat. Das Problem ist nur: Schenkel sorgt auch in der eigenen Verteidigung für Unruhe. Als er in der 80. Minute seinen Gegenspieler nicht im Griff hat, erzielt Muslin völlig alleinstehend das entscheidende 2:3. Gewisse Ähnlichkeiten mit der Seleção sind heute bei Thun wirklich nicht von der Hand zu weisen. Womit sich die Frage stellt, ob nicht auch andere Thunspieler ihren Namen auf dem Trikot ändern sollten, bevor der Abstiegskampf so richtig ins Rollen kommt. Wie wärs mit Müller, Beethoven oder Reich-Ranicki?