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GC - Thun 0:5
16.04.2014Super League 2013/2014


16. April 2014. Der Tag, an dem mein bester züridüüütsch sprechender Kollege 30ig wird. Der Tag, an dem meine Schwiegermutter innerhalb des Letzigrundquartiers zügelt. Der Tag, an dem ich zum letzten Mal als Junggeselle an einen Fussballmatch gehe (ursprünglich hatte ich da mal einen polterabendähnlichen Matchbesuch am Ostermontag geplant. Aber eben, wann schiesst Thun im Letzigrund schon Tore). Der Tag, an dem Thun den Rekordmaischter 5:0 besiegt. Meh blaui Auge für Züri! Womit wir zum Punkt kommen, an dem ich gerne diesen Bericht jemandem widmen möchte: «Lieber Wischiwaschi aus dem GCZ-Forum. Noch was zu den Niederhasler Spielern auf dem Rasen. Ihr seid zu dumm für Fussball.»
Dabei ist der Start in den Abend mehr als harzig. Eine Viertelstunde vor Anpfiff – ich habe zuvor noch (Achtung Gastrokritik) im Santa Lucia herrlich gegessen - schlendere ich ganz naiv in den Sektor rein (okay, dank der Aufforderung «Beine breiter machen» des Delta-Menschen bin ich in diesem Moment nicht mehr ganz so trocken hinter den… Ohren) und gehe zu den Plätzen, die für die Thuner vorgesehen sind. Im Stadionrund ist um halb acht kein Thunfan. Kein einziger. Vom Stimmungsboykott habe ich ja gehört. Aber dass das heute gleich ein Geisterspiel werden soll. Dann werden aber zum Glück doch noch ein paar Fans vom Feueralarm in den WC-Katakomben Richtung Plätze vertrieben, so dass wir beim Aufmarsch der Teams gut und gerne zehn Fans sind. Und die anderen Nicht-Stimmungsmacher sind auch schon im Anflug. Sie haben ganz einfach unterschätzt, dass Aargauer immer und zu jeder Uhrzeit Freude am Autofahren haben. Was dazu führt, dass die meisten von ihnen ein Tor verpassen. Zwei, wenn sie es bei der Delta-Kontrolle etwas kuscheliger lieben. Und gar drei, wenn sie sich von der langen Anreise und der gefühlt noch längeren Eingangskontrolle erst einmal mit einem Bier erholen müssen.
Nach 27 Minuten steht es nämlich Drei zu Null. Drei zu Null für Thun. «Auch in dieser Höhe völlig verdient», lästere ich. Es ist bloss ein kleines Detail, dass das heute eigentlich ein typisches Null zu Null-Spiel wäre, in dem bei einem einigermassen gewöhnlichen Spielverlauf GC nach einer halben Stunde 1:0 in Führung gehen würde. Aber eben: Heute haben wir das Wettkampfglück auf unserer Seite. Und den Schiri. Und Bürki. Und vor allem Grichting. Grichting erzielt in der 6. Minute das 1:0. Herrlich, wie er den Ball über Bürki hinweg ins Netz setzt. In der 12. Minute ist dann Nikci am Zug, der eine Vorlage von Siegfried zum 2:0 verwertet. Nehmen wir mal an, dass die Offsideposition des nah am Ball stehenden Marco Schneuwly nicht matchentscheidend war. In der 27. Minute hat Marco Schneuwly dann so viel Platz, dass er gleich selber zum 3:0 einschiessen kann. Offside? Ach was, Grichting hat seine Füsse doch eh nie am richtigen Ort. Dafür hat Schindelholz in der 33. Minute seine Hand am richtigen Ort. Nämlich auf der Torlinie, unmittelbar beim Ball, wo er bei einem Schluss von Dabbur für den längst geschlagenen Faivre klärt. Aber sind wir ehrlich: Obwohl diese Szene im Gegensatz zu den drei Toren auf dem Stadionbildschirm zu sehen ist, hält sich bei allen Beteiligten die Erregung in Grenzen. Diese Szene war für Schiridebütant Gut wirklich nur schwer zu erkennen. Im Zweifel für den Angeklagten. In der 45. Minute ist dann wieder Siegfried am Zug, der förmlich durch die GC-Abwehr spazieren kann. Ein Pass zu Marco Schneuwly, ein Schüsschen an Bürki vorbei und schon steht es 4:0. Spätestens jetzt haben alle Thunfans in unserem Sektor mindestens ein Tor gesehen.
Für die zweite Halbzeit verspricht uns der Speaker ein attraktives Spiel. Nun ja. GC behält die Nase in der Cornerstatistik vorne. Aber ansonsten setzen sie höchstens ein Zeichen, dass Fussballtore höher sein sollten. Und breiter. Sehr viel breiter. Und dass dieser Faivre im Gegensatz zu Bürki sogar Schüsse abwehren kann... In der 60. Minute zeigen nochmals die Thuner, wie man es richtig macht. Zuffi mit der starken Spielverlagerung auf Nikci, dieser zieht in die Mitte, spielt clever tief zu Marco Schneuwly, der sich um die eigene Achse dreht und die Kugel ins lange Eck haut. Meint jedenfalls der Typ vom Livetickerdienst. Uns in der Kurve fehlen derweil längst nicht mehr nur wegen dem Stimmungsboykott die Worte. Ich bin heute wegen all dem Torjubel heiserer als nach manchem 90 Minuten-Dauersupport-Spiel.
Dauersupport leisten heute übrigens die GC-Fans. Chapeau für diese Vereinstreue. Beeindruckt definitiv mehr als blaugefärbter Eiergestank wie in der letzten Begegnung. «Starch blibe!» fordern sie in einer Spontan-Choreo. Und alle halten ihre Schals gen Himmel und zeigen singend Emotionen. Falls überhaupt jemand die GC-Spieler auspfeift, werden diese allfälligen Pfiffe locker vom Positiv-Support übertönt.
Auch ohne Schirihilfe – der pfeift in der zweiten Halbzeit selbstverständlich und wirklich verständlich durchwegs pro GC – hat Thun das Spiel im Griff. So glücklich der Torreigen in der ersten Halbzeit auch gewesen ist, Thun ist jetzt dem sechsten Treffer näher als GC dem Ehrentreffer. Und tatsächlich schiesst Thun noch ein Tor. Was für ein Bombenschuss. Doch der Treffer zählt nicht – wegen Offside. Ausgerechnet dieser Treffer.
Thun gewinnt. Locker. Fünf zu Null. Und ich überprüfe, ob der Zaun im Letzigrund eigentlich SUVA-konform ist. 16. April 2014. Der Tag, an dem ich mal wieder auf einen Zaun klettere. Anlässlich meiner letzten Zauneskapade, am 9. April 2005, durfte ich anschliessend ja in einer Aargauer Ambulanz mitfahren. Doch heute geht alles gut, als wir mit den Spielern eine Welle machen. Ich habe längst wieder heil und gesund sicheren Boden unter den Füssen, als Faivre am Zaun noch seine Handschuhe verschenkt. Der Kollege merkt, dass man mit hellgrünen Plastikdingern bei jungen Frauen ordentlich Eindruck schinden kann. «Ich zahle dir ein Bier dafür.» «Nein, zwei Bier oder gleich fünf.» Die Blicke, die indes jener Delta-Mann auf die Handschuhe wirft, beunruhigen mich irgendwie. An diesem 16. April 2014.