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Thun - FCB 1:2 n.V.
27.02.2013Schweizer Cup 2012/2013


Je länger das Spiel, desto kürzer das Matchprogramm, witzle ich schon vor dem Spiel. Man stelle sich vor, es ist das wichtigste Heimspiel der Saison und das Infoheft im Mini-Format ist noch gerade 12 Seiten dünn – inklusive 8 Seiten voller Inserate. Wesentlich sind aber ohnehin nur zwei Infos: Welche Nummer trägt eigentlich Frei, der Spuckende (es ist die Nummer 13 – spielt er aber überhaupt?) und in welcher Saison wars, als Thun Basel aus dem Cup geballert hat (es war die Saison 2004/2005). Wir werden daran erinnert, dass es damals nach 120 Minuten 1:1 stand und Thun dann im Penaltyschiessen triumphierte. Was würden wir dafür geben, dass DIE ARENA heute ebenfalls einen solchen Cup-Coup zu Tage bringt. Vorerst ist aber noch DAS FANZELT im Mittelpunkt unseres Interessens – hier ist es kuschelig warm und das Spiel beginnt ja auch erst in einer Viertelstunde. Die Barkarte gefällt, 2013 kommt eine Auswahl an mehreren Longdrinks schon einem politischen Statement gleich. Doch ich brauche Beratung, muss wissen, welcher Zaubertrank heute Thun zum Sieg verhelfen könnte. «Da isch es Schümmli-Pflümmli grad z’richtige», meint die junge Bardame und schenkt ordentlich ein. Das heizt ein.
Richtig heiss aufs Spiel ist derweil Alex Frei. Für einmal hat er seine Position auf dem Ersatzbänkli gegen einen Platz in der Startaufstellung eingetauscht. Ob all die Stunden auf den Plastikbänken dieser Schweiz die richtige Vorbereitung auf 1 bis 2 Stunden auf unserem Plastikrasen gewesen sind? Jedenfalls ärgert er uns bereits mit seiner ersten Aktion: Als Mohamed Elneny die linke Thuner Abwehrseite ausspielt und David Degen lanciert, kommt die anschliessende Flanke naturgemäss auf Frei. Der muss sich bloss noch dem Ball entgegenstrecken und kann geradezu gemütlich zum 0:1 einköpfeln. Da ist es noch nicht einmal 20 Uhr, gespielt sind gerade mal 12 Minuten.
Die Basler Fans entfachen Pyro-Feuer, die Basler Spieler stellen dagegen auf Meditationsmodus um. Es wird weit nach 21 Uhr sein, bis der FCB wieder eine nennenswerte Torchance hat. In der Zwischenzeit müht sich Thun ab, um zum Ausgleich zu kommen. Die Angriffe sind beherzt, aber irgendwie fehlt das letzte bisschen Etwas. Sei es der Schneuxty, der im Strafraum auf jeden Grashalm und jede FCB-Socke zu achten scheint, nur bloss nie auf den Ball. Oder sei es Ferreira, der in all den Spielszenen, in denen er wirklich ein Tor erzielen will, meist nicht einmal an den Ball kommt. Am meisten Druck machen noch die Jungen, doch sie zahlen für ihre Energieschübe teuer: Steinhöfer stoppt an der rechten Cornerfahne Steffen mit einem Foul – Steffen muss verletzt vom Platz. Und auch Lüthi zieht sich wenig später Blessuren zu, als er ausgewechselt wird, hält er sich am Knie. Wer glaubt in dieser 79. Minute noch an den Cup-Coup?
Alle glauben in der 79. Minute noch an den Cup-Coup! Denn Sekunden, nachdem Salamand für Lüthi ins Spiel gekommen ist, fällt tatsächlich das 1:1. Salamand schlägt eine schöne Flanke, die Schneuxty per Kopf verwertet. 1:1. Zeit zu entspannen und sich der Bandenwerbung zu widmen. Ist die aus Absicht heute besonders hell? Ich rätsle gemeinsam mit Gölä, bei welchem Angebot wir mit unserem Fussballfanbudget zugreifen wollen: Wollen wir einen Jaguar kaufen, einen Beatus oder vielleicht doch die T. Stopic GmbH? Vielleicht könnten wir uns ja ein wenig Isolationswissen aneignen und dann das Stadion fertigbauen. Freuen sich eigentlich die Anwohner auch so sehr auf die Verlängerung wie wir oder würden sie sich lieber in aller Ruhe auf dem Balkon auf ihrem iPad das Spiel Aarau-GC ansehen? Na ja, von der Distanz zum Stadion her könnte dort drüben bei den «Anwohnern» ja tatsächlich schon das Rüebliland sein.
Zumindest auf dem Platz kommt jetzt aber alles gut… von wegen. In der 88. Minute mäht Ferreira Philipp Degen um, ohne aber den Basler Angriff stoppen zu können. Schiri Bieri lässt Vorteil laufen, so dass Alex Frei zu einer Topchance kommt. Doch der heute grandios spielende Faivre kann den Schuss abwehren. Das Problem ist nur: Kaum ist das Spiel unterbrochen, wendet sich Bieri wieder Ferreira zu. Und stellt ihn mit Gelb-Rot vom Platz. DIE ARENA tobt. Na ja, nicht ganz. Auf den Thuner Fanrängen machen Capo und Co. keinen Wank, auf ein belangloses Lied folgt betretenes Schweigen. (BTW: Freiheit für alle Schlagzeuger). Erkennen sie allgemein die Brisanz eines Platzverweises nicht? Oder rechnen sie in der 89. Minute sowieso mit einem Schlusspfiff in wenigen Augenblicken? Irgendwie erinnern mich die Jungs an mich in meinen besten Fussballjahren, als ich nach Auswärtsfahrten jeweils am Montagmittag im Tägu las, dass Thun ja gar nicht in Vollbestand fertig gespielt hat.
21.45 Uhr – Verlängerung in Thun. Thun bemüht sich ab, aber irgendwie fehlt vorne immer ein Mann (!). Ob mir da wohl der Capo zustimmt? Basel dagegen ist praktisch nicht zu stoppen. Doch landen die Schüsse beim Goalie, knapp neben dem Tor oder an der Latte. Kann sich Thun wie anno dazu mal in Kiew mit viel Glück ein Unentschieden erzittern – ausser das heute ja noch zusätzliches Penaltyglück winkt? Die 120. Minute rückt jedenfalls immer näher, so dass auch die Erinnerungen an jenes Cup-1:1 von 2004 immer stärker ins Bewusstsein rücken. Jetzt bloss nicht nachlassen, jetzt bloss nicht dem Alex Frei den Ball überlassen… und schon ist es passiert! In der 115. Minute spielt Diaz spielt Fabian Frei an, der den Ball in den Fünfmeterraum rüberschiebt - zu Alex Frei. 1:2. Das Cup-Out für Thun. Ach hätte sich doch Frei, der Spuckende heute mit einem Schümmli-Pflümmli begnügt.
Ein letzter Freudetupfer ist wenigstens die Halbfinal-Auslosung. Der FCB wird ins Tourbillon reisen müssen – zu Trainerlegende Gennaro Rino Ivan Gattuso. Wetten, der wird Frei stoppen können. Selbst wenn halt auch er etwas den Rasen wird mähen müssen. Toi toi toi.