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Thun - Stoke 0:1
18.08.2011Europa League 2011/2012


An diesem Donnerstagnachmittag ist Thun fest in englischer Hand. Auf dem Mühleplatz ist fast kein Durchkommen mehr, hunderte Stalker aus Stoke trinken Bier, grölen Tom Jones- und Weihnachtslieder, trinken Bier, fotografieren «this beautiful place», trinken Bier, beflaggen Brücken mit ihren Fahnen, trinken Bier, machen mehr oder weniger nette Bekanntschaften mit der Polizei, trinken Bier, laufen um den Muubeerikreisel herum – natürlich gegen den Uhrzeigersinn, trinken Bier und machen sich langsam auf den Weg ins Stadion.
Die Stalker haben sich vor ihrer Anreise gut informiert und gehen zielstrebig auf den Bus zu, der mit der Nummer «3» und «Allmendingen» angeschrieben ist. Schliesslich ist erst 17 Uhr, gemäss STI-Auskunft fahren erst in einer Stunde die ersten Shuttle-Busse. Die Stalker sind im Bus um diese Uhrzeit in Überzahl, insgesamt tragen etwa drei Dutzend Passagiere ein Fussballtrikot. Wo wir wohl alle hinwollen? Dem Buschauffeur ist dies egal. Er fährt gemäss Dienstplan die ihm vorgegebene Route. Und so fährt er ohne Vorankündigung einfach am Stadion vorbei – notabene auch ohne an der provisorischen STI-Haltestelle an der Weststrasse zu halten. Entsprechend kommt Aufregung im Bus auf. Fahren wir jetzt direkt ins Wankdorf? Wurde der Bus von Arsène Wenger gekidnappt? Oder sind wir Komparsen in einer noch schlechteren Fortsetzung von Speed 2? Beim nächsten Halt beim Restaurant Kreuz in Allmendingen stellt sich heraus, dass doch nicht Sandra Bullock am Steuer sitzt. Der Chauffeur, der sich im Übrigen nicht vorstellen will, meint nur, es sei nicht seine Aufgabe, über irgendwelche Verkehrsbehinderungen zu informieren. Er mache nur seinen Job. Ich gebe ihm dann doch kein Trinkgeld
Für mich mag der Fussmarsch bei 30 Grad ja ein gutes Konditionstraining sein. Aber auch zahlreiche ausländische Stalker ohne Ortskenntnisse sowie Menschen mit Gehschwierigkeiten sind betroffen. Hätte man wirklich nicht in der Tagespresse, am Bahnhof, auf sbb.ch oder ganz einfach im Bus auf die Aufhebung der Haltestelle Arena Thun hinweisen können? Aber wahrscheinlich hätte ich alle News ganz einfach in einer «STI-Kundenschikane der Woche»-App abrufen können.
Vor dem Stadion ist bald fast kein Durchkommen mehr, dutzende Thuner trinken Bier, grölen Addams-Familiy-Lieder, trinken Bier, fotografieren «this beautiful place» (ach nein, das sind ja wieder die Stalker), trinken Bier, kaufen den Thun-Stoke-Schal, trinken Bier, machen durchswegs nette Bekanntschaften mit den Stalkern, trinken Bier, spielen Fussball mit einem Spenden-Pot, trinken Bier und machen sich langsam auf den Weg ins Stadion.
Sörensen, Huth, Shawcross, Upson, Wilson, Tonge, Whitehead, Pugh, Etherington, Jones, Walters – diese 11 Stalker sind heute auch im Stadion. Als sie den Rasen betreten und sich zum Ankick bereit machen, werden sie lautstark begrüsst. Doch Moment mal, nicht die angeblich lautesten Fans der Premiership lassen DIE ARENA erbeben, sondern die Thuner Kurve. Ganz nach dem Motto «You only sing when you're winning» sind die Engländer verblüffend leise. Nur kommen sie tatsächlich früh in den Genuss eines Tors. In der 19. Minute passt Jones per Kopf zu Danny Pugh, der von der Strafraumgrenze aus flach auf die Ecke zielt. Der Ball geht an Da Costa vorbei ins Tor. Freundenschreie der Stalker sind zu vernehmen, dann dominieren wieder die Thuner akustisch im Stadion.
Bis auch die Thuner auf dem Platz dominieren, braucht es viel Geduld. Die Engländer stehen hinten kompakt, stoppen die Thuner immer wieder mit mehr oder weniger dreckige Fouls und spielen selber öfters den sterbenden Schwan. Englische Gentlemen sind Huth und Co. sicher nicht. In den letzten 20 Minuten drückt Thun trotz allen Widrigkeiten vehement auf den Ausgleich. Doch die Schüsse wollen nicht rein. Wir wären jetzt auf die Hilfe des Schiedsrichters, einem alten Schweden, angewiesen. Doch der hat nicht nur beim 0:1 ein Rempler an Schindelholz übersehen, sondern will auch in Halbzeit 2 überharte Zweikämpfe im Stoke-Strafraum nicht abpfeifen.
Zum Pfiff kommts dann in der 90. Minute. Aber nicht etwa, als Wilson Andrist mit dem Ellenbogen zur Seite stösst. Sondern als im Gegenzug Da Costa beim 1:1 gegen Walters nur optisch der Sieger bleibt. Er hat seinen Gegenspieler kurz festgehalten, was der Schiedsrichter als Notbremse taktiert. Rot für Da Costa!
Da Thun schon dreimal gewechselt hat, muss Andrist ins Tor. Der Freistoss selber ist keine Gefahr für ihn. Aber wenig später muss auch er sich einer 1:1-Situation gegen Walters stellen. Andrist schlgt sich tapfer und pariert den Schuss mit dem Fuss. Es ist die letzte grosse Szene des Spiels. Auf zurück in die Stadt. Mit Bier. Aber ohne die STI.