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Thun - Xamax 0:0
07.08.2011Super League 2011/2012


525 MINUTES: Calculé par «L’Express/L’Impartial», c’est le nombre de minutes jouées par Xamax sans que l’équipe marque aucun but. Le dernier en date? Celui de Raphaël Nuzzolo, le 22 mai, à la Maladière.
(L’Hebdo am Donnerstag 4. August 2011)

Englische Wochen gehen ganz schön an die Substanz. Auch aus Fansicht. Da darf man nicht nur gleich zweimal pro Woche in «DIE ARENA» stehen und den FCT nach vorne schreien, sondern muss diverse europäische Fanreisen miteinander vergleichen, die Ticketabholung in Thun organisieren (notabene bevor man überhaupt den Ticketpreis kennt) und gleich an zwei Tagen beim Bierholen im Stadion ganz viel Kondition zeigen. Wobei: Am Donnerstag gegen Palermo gibt’s bleifrei und heute gegen Ксамакс nehme ich mir vor, mal kein Bier zu konsumieren. Und da mein Vorschlag, gegen Ксамакс offiziell einen Wodka-Tag durchzuführen, keinen Anklang gefunden hat, trinke ich halt schön brav Sincalco Cola Zero. Nein, kein Alkohol ist auch keine Lösung.
So ganz nüchtern stelle ich nämlich fest, dass nicht nur ich beim 8. Ernstkampf in 22 Tagen erste konditionelle Schwierigkeiten habe. War die Stehrampe schon immer so steil? Auch die Spieler wirken irgendwie ausgepumpt. Klar sind sie in der ersten Halbzeit häufig am Ball, doch bereitet ihnen die harte Spielweise der Neuenburger grosse Schwierigkeiten. Den Weg in den Strafraum finden sie in den ersten 30 Minuten selten. Als dann aber selbst Laperrière angesichts all der Fouls der Neuenburger nicht mehr länger wegsehen kann und Besle in der 31. Minute als ersten Neuenburger verwarnt und Thun einen Freistoss zuspricht, kann Thun sich endlich in der gegnerischen Platzhälfte festkrallen. Lustrinelli schiesst, Andrist schiesst, Lezcano schiesst. Und Bikena foult einmal gelbwürdig, foult ein zweites Mal gelbwürdig – und fliegt somit kurz vor der Pause vom Platz. In welcher Minute dies aber genau ist, wissen wir nicht, da die Stadionuhr in dieser Spielphase einmal mehr nicht funktioniert. Ich preise deshalb an dieser Stelle die tschetschenischen Fussballgötter und bitte um eine kleine Spende – sagen wir mal in kleiner sechsstelliger Höhe. So könnte Thun endlich mal das Uhrenproblem lösen, etwa ein Dutzend (überaus begehrte) Bättig-Trikots an die Fans verschenken und erst noch Beate Oesch gratis zu einer Reise nach Stoke-on-Trent einladen. Zimindest sie würde auch ganz sicher das Geschenk annehmen. Russisches Ehrenwort.
In der Pause diskutiere ich mit einem Ксамакс-Fan über die Causa Чечня. «Was kann man schon dagegen tun? Und Xamax spielt ja immer noch wie früher und verliert», erklärt der Fan. Entsprechend treiben auch in Halbzeit 2 weit über 100 Ксамакс-Fans von drei verschiedenen Fanklubs ihren Klub nach vorne. Ich kann aber versichern, dass die Fanlieder vorderhand noch auf Französisch gesungen werden.
Dabei hat Ксамакс doch nur eine Chance in Halbzeit 2. Haris Seferovic wird in der 52. Minute (die Uhr funktioniert wieder!) perfekt lanciert und versucht einen hohen Steilpass per Kopf über Goalie Da Costa zu lupfen, aber in extremis kommt Thuns Goalie noch mit den Fingerspitzen ran und lenkt den Ball übers Tor. Dieser x-te Spielerkauf scheint sich für Ксамакс zur Abwechslung gelohnt zu haben.
Wir erfreuen uns dagegen an einem anderen Ксамакс-Spieler: In der 47. Minute prallt ein Rückpass von Paito am Innenpfosten und landet dann knapp nicht hinter der Linie, sondern bei Goalie Bédénik. Das Fast-Eigentor ist die beste Torchance der Thuner! Obwohl Thun in Überzahl ein regelrechtes Powerplay aufzieht, bleiben Eckbälle wie Distanzschüsse harmlos. Und direkt vor dem Tor werden immer wieder Bälle verstolpert und Pässe in Aus gespielt. Besonders Lustrinelli ist heute ein Chancentod, doch auch Rama vermag während seinem 10 Minuten-Einsatz keine Akzente zu setzen. Thun ist heute schlicht zu müde. Doch trotz der Nullnummer behält Thun die Tabellenführung bei. Das macht doch Mut für die weitere Saison.
Noch nicht Spitze ist derweil die Organisation im und rund ums Stadion. Nach dem (samt Eröffnungsspiel) fünften Gang in «Die Arena» darf man zu einer ersten Kritik ansetzen: Es ist ja schön, dass es endlich eine Kasse gibt, die nach Spielende exklusiv für die Becherrückgabe zuständig ist. Dumm nur, wenn man sein Getränk bewusst daneben trinkt, um zur Abwechslung mal einen Becher zurückgeben zu können – und mitansehen muss, wie ohne Vorwarnung der Stand Punkt 18.30 Uhr geschlossen wird.
So nehmen halt wieder alle Fans den x-ten Becher mit auf den Heimweg und stellen sich an die Bushaltestelle. Da wird ja 45 Minuten nach Abpfiff noch ein Extrabus an den Bahnhof fahren. Denkste! Im Bericht über das Eröffnungsspiel habe ich die STI-Chauffeure gelobt. Im heutigen Bericht muss ich aber das STI-Konzept bemängeln. Als um 18.45 Uhr endlich noch ein Extrabus kommt, ist das nicht nur der letzte, sondern auch noch ein mit «P+R via Bahnhof» angeschriebenes Fahrzeug. So fahren wir erst Richtung Allmendingen und drehen dann wieder zurück zum Stadion – einfach auf der Parallelstrasse. Nächster Halt ist die reguläre Bushaltestelle «Arena Thun». «Wer an den Bahnhof will, soll hier aussteigen! Gleich kommt der Linienbus» erklärt der Chauffeur. Okay. Immerhin kommt dieser Bus dann tatsächlich. Und nach nur fünf weiteren Zwischenhalten erreichen wir tatsächlich den 19 Uhr-Schnellzug – da der über fünf Minuten Verspätung hat.

212 MINUTEN: Berechnet von thunfans.ch. Es handelt sich um die Anzahl Minuten, in denen Thun zuletzt ohne Tor geblieben ist. Das letzte Meisterschaftstor der Oberländer? Dasjenige von Scheuxty am 24. Juli im Hexenkessel Arena Thun.
(thunfans.ch am Sonntag, 7. August 2011)