Thunfans » Spielberichte » Super League 2010/2011 » FCB - Thun
FCB - Thun 5:1
15.05.2011Super League 2010/2011


Die wichtigste Diskussion wird schon vor dem Spiel im FCB-Forum geführt: «Woher stammt eigentlich dieses dämliche Nuuulll, wenn nicht mal null an der Tafel steht? Passt zwar nicht zum Thema, aber das interessiert mich schon lange.» Der Thunfan, der da do unbekümmert fragt, kennt halt den berüchtigten Basler Humor (Stichwort «arrogant und ungepflegt») nicht. Wirksamstes Gegenmittel wäre ein Thunsieg im Joggeli - aber obs nach bloss einem halben Jahr wohl schon zum nächsten Überraschungscoup an jener Stätte reicht?
Als ich im Bernbiet Richtung Bahnhof schlendere, bin ich ziemlich optimistisch. «Heute ist Rama-Wetter!» freue ich mich. Es regnet und hagelt. Doch je mehr ich mich heute mit meinen Kumpels Basel nähere, desto schöner wird das Wetter. Was ausflugstechnisch Freude bereitet, mindert die Siegeschancen. Und da auch Yakin den Wetterbericht gelesen hat, bleibt Rama vorerst auf der Bank. Im Sturm muss heute Lezcano für Tore Sorgen – unterstützt von den Mittelfeldspielern Lüthi, Glarner, Demiri und Andrist. Doch der auffälligste Thuner ist heute die Nummer 6: Bättig. Leider zieht er aber nicht mit gelungenen Aktionen die Aufmerksamkeit auf sich, sondern mit zahlreichen missglückten Pässen. Es ist schier zum Haare raufen, was ihm heute alles misslingt. Angesicht seiner ungelenken Bewegungen fragen wir uns, ob er der verloren gegangene dritte Jewards-Drilling ist. Ein übertriebenes Flair für Frisuren scheint er ja laut FC Thun-Inside-Interview bereits zu haben.
Überhaupt ist der Eurovision Song Contest während den ersten 30 Minuten in der Thuner Kurve ein grosses Thema – was will man schon über ein Spiel sagen, in dem die Basler zwar klar stärker sind, aber nicht zu Toren kommen. Also schwatzen wir über das gestrige Geträllere in Düsseldorf. So freue ich mich aus europacup-technischen Gründen über den Aserbeidschan-Sieg. Als einst die Ukraine gewann, schafften sie die Visapflicht für Schweizer und andere Europäer ab und wir Thuner konnten visafrei nach Kiew reisen. Wenn der Fussballgott will, reisen wir Thuner demnächst visafrei nach Baku. Wetten? Eurovisionsverrückter als ich ist noch jener Fan, der heute im Englandtrikot im Gästesektor steht. Begründung: Die Engländer haben gestern freigiebig 10 Punkte für singende Basler gesprochen.
In der 34. Minute zeigen sich die Thuner freigiebig gegenüber fussballspielenden Baslern. Frei verlängert einen Corner in den in den Fünfmeter-Raum, wo Xhaka den Ball Richtung Torlinie spitzelt. Dort muss Huggel den Ball nur noch über die Linie drücken. Argh, jetzt müssen wir uns tatsächlich schon das dieses dämliche «Nuuulll». Und damit nicht genug: «Maischter, Schwitzer Maischter!» wird in der Muttenzerkurve gesungen. Der FCZ liegt zu diesem Zeitpunkt 0:2 gegen GC hinten.
Wie können wir Thuner den Baslern bloss mitteilen, dass uns dieser gesangliche Auftritt tierisch nervt? Mit einem Tor! Nur drei Minuten später wirbeln Lezcano und Andrist durch die die Basler Verteidigung. Lezcano kann den Ball im Strafraum behaupten spielt links raus zu Andrist, welcher den Ball direkt und aus spitzigem Winkel an Costanzo vorbei in die Maschen hämmert. 1:1.
Doch wie wir als alte Eurovisions-und Fussball-Fans wissen, kann jedes Resultat frisiert werden. Stichwort «Nachbarschaftsvoting». Was im Musikwettbewerb die voreingenommene Ostblockjurys, ist im Fussball der voreingenommene Busacca. Der kommt in der 43. Minute zum Zug, als es nach einem groben Fehler der Thuner im Mittelfeld zu einem Konter von Streller kommt. Er kommt an Matic und fällt nach einem hart geführten Zweikampf. Stürmerfoul? Notbremse? Oder ganz einfach Männersport? Busacca wählt die Variante «halbe Notbremse», zeigt Matic Gelb und lässt den Frei Alex einen Penalty schiessen. Und der lässt Da Costa keine Chance. Und so hören wir bereits dieses dämliche «Nuuulll» - egal was da an der Tafel steht.
In der Pause kommt das Aus für Matic und Witter, Yakin ersetzt sie durch Schneider und Secku. Der Bättig aber, der bleibt im Spiel. Und tritt die Bälle noch schlechter als in der ersten Halbzeit. Doch auch andere wissen mit dem zunehmenden Druck der Basler nicht mehr umzugehen. Nachdem GC gegen den FCZ gar 3:0 in Führung gegangen ist, herrscht in den Basler Reihen endgültig Meistereuphorie –neben und auf dem Platz. In der 54. Minute spielt Zoua schnell auf den freistehenden Xhaka, der mit einem Aussenristschuss einschiesst. Drey zu «Nuuulll».
In der 60. Minute verweigert Busacca Thun einen Freistoss – und pfeift Sekunden später in bester Laperrière-Manier auf der Gegenseite einen Freistoss für Basel. Frei tritt an und trifft. Vier zu «Nuuulll».
Und doch kommt noch einmal Hoffnung bei uns Thunfans aus. Nach rund 70 Minuten setzt nämlich scheussliches Rama-Wetter im Joggeli ein. Und sogleich schickt der gewiefte Taktiker Yakin Rama aufs Feld. Doch auch wenn Thun nun vermehrt zu Chancen kommt, glückt auch der nächste Treffer den Baslern. Zoua lanciert in der 79. Minute Shaqiri, der nach innen zieht und mit seinem linken Fuss in die weite rechte Torecke schiesst. Fyf zu «Nuuulll».
Gut gespielt, liebe Basler, aber auch gut gelogen. Und so nehmen wir Thunfans uns ein Beispiel an euch und stimmen kurz vor Abschluss einen lautstarken Schlachtruf an: «Auswärtssieg! Auswärtssieg! Auswärtssieg!» Meine Meinung zu dieser Rockballade: «FC Thun, twelve points»