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Thun - YB 1-1
27.01.2001Testspiele 2000 bis 2017


Das Spiel beginnt für mich mit einem Hammerschlag. Weil ich zuvor noch arbeiten musste und es trotz aller Eile mit Verspätung auf den Fussballplatz schaffe, läuft bei meiner Ankunft das Spiel schon und wie. Vor meinen Augen schiesst einer dieser YB-Chüngle nach nur zehn Spielminuten das 0-1. So muss ich mir bereits die ersten mühsamen Gesänge der YB-Gäste (also da dieser fanartigen Gruppierung) anhören, bevor ich die FC Thun-Fanclub-Mitglieder überhaupt erst
begrüsst habe. Wobei festzustellen ist, dass das neue Jahr dem Fanclub
einige neue Mitglieder gebracht hat, während langjährige Fans entweder zu YB oder gar zu Big Brother abgewandert sind. Nun ja, die Verjüngung tut der Gruppe nicht allzu schlecht, ein kleines Fussballmätchli nach dem Spiel ist sicher spannender als frühmorgendliche Teekränzchen.
Nur mit der Stimmung klappts immer noch nicht ganz. Können Erkältungen, Schonung für sonntägliche Hallenturniere und Angst vor gegnerischen Hooligans (der Glatzkopf vom 99er-Handgemenge wird gesichtet) Ausrede genug sein?
Statt auf junge Kids setzt YB auf Greise. Und hier ist nicht nur von den heiseren Stimmen der Fans die Rede, sondern von diesem blonden Grossäti auf dem Rasen. Der Erich natürlich. Trotz oder gerade wegen seinen 40 Jahren Berufserfahrung rennt er geschwind in jede Position und Spielfeldecke und lässt seinen nur vermeintlichen Teamkollegen kaum einmal den Ball. Er will halt selber auffallen. Und frischfrisiert wir er ist, gefällt er uns allen.
Doch auch ein Kamerad von ihm rennt schnell. Allerdings nicht auf dem Spielfeld, sondern vom Spielfeld weg. So ein Thuner Spieler kann einem halt ganz schön viel Angst einjagen. Da rennt man besser weg. Aber warum zum Teufel denn in mich hinein?!? So Fussballstachel in meinen Zehen zu spüren macht gar nicht so Spass. Vor allem dann nicht, wenn gleichzeitig noch die Halbschuhe regelrecht aufgeschlitzt werden. Ich brauche nicht anzumerken, dass sich der gelbe Berner für seine rüde Attacke natürlich nicht entschuldigt hat. Wahrscheinlich darf auf dem Platz nur der Erich und höchstens noch dieser grossmaulige Goalie reden.
Die Thuner dagegen konzentrieren sich aufs Spielen. Als sie kurz vor der Pause zu einem Freistoss kommen, heisst das natürlich grosse Torgefahr. Berisha nimmt Anlauf und versenkt den Ball im Netz. 1-1. 
Dieser Schuss versetzt den YB'lern so einen grossen Schock, dass sie nach der Pause gar nicht mehr aufs Spielfeld zurückkommen wollen. Minutenlang müssen Fans und Thun-Spieler auf sie warten. Ich marschier derweil am Zaun mit den schönen YB-Basteleien vorbei und bewundere die ausgefallene Kreativität. Schade nur, dass die Transparente nicht für Davos angefertigt worden sind, dort wäre die Provokation sicher geschossiger beantwortet worden. Aber im Gegensatz zum typischen Schweizer Polizist bleiben wir an diesem Wochenende friedlich.
Unsere Girls strahlen derweil Chris an, der zwar nicht spielt, allerdings zumindest zusieht. Wahrscheinlich bleibt Okpala dem FC Thun treu, denn noch freitags ward er im Training gesichtet. Toll, nicht wahr?
Derweil läuft das Spiel beim FC Thun auch vorne flüssig. Liegt nicht zuletzt an Zanni, der sogleich mit seinem Talent (oder Aussehen?) neue Fans für sich gewinnt. Thun sollte nun auch gewinnen, doch der YB-Goalie verhindert das entscheidende Tor, indem er aus dem Strafraum stürmt und vor dem Strafraum dem Angreifer den Ball von den Füssen greift. Wäre das nicht eine Rote Karte und ein Penalty? Ja. Nur der Schiri denkt anders, er will wohl die eher labilen YB-Spieler und -Erfolgsfans nicht mit einer Niederlage kränken.
So endet das Spiel halt 1-1. Thun ist für die ehem Abstiegsrunde bestens gerüstet. YB dagegen... spielt so ein künftiger NLA-Aufsteiger?

Matthias Engel