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Carouge - Thun 1-4
16.09.2000NLB Qualifikation 2000/2001


Genf, meine Lieblingsstadt in der Schweiz, ist immer wieder eine Reise wert, denn die Calvinstadt lebt. Selbst in den Kühlschränken. Das kann meine Kollegin bestätigen, hat sich doch auf ihrer Wohnungssuche regelmässig Kakerlaken in den Eisfächern entdeckt.
Nur kleine Tücken hat die Stadt schon. So gibt der Billetautomat kein Rückgeld raus, weshalb man zu Notmassnahmen greifen muss. Der Fanclubpräsi löst zumindest noch ein Billet, das drei Stationen weit gültig ist (wird fahren mindestens 10 Stationen weit), während ich zum ersten Mal in meinem Leben (Lüge?) eine Straftat begehe. Mir ist nämlich ein Trambillet keine 50 Franken wert.
Aber eben, in so einer schönen Stadt lässt man sich nicht ärgern und bleibt gelassen. Die Gebäude sind schön, die Leute sind schön, sie spielen schön (in welcher Stadt hat man einen groovigen Gitarrenspieler im Tram) und das Wetter ist schön. So schön, dass ich mich im Stadion gleich hinlege und ein paar Minuten sünnele. Ich strecke meine Arme aus, man hat viel Platz im Stadion, sind doch höchstens 600 Leute da, und träume vor mich hin. Von einem 5-2 in diesem Spiel, 3 Tore von Zanni, 1 von Berisha und 1 von Rama. Die Tore von Carouge, die schiesst natürlich Comeback- Neulling Nestor Subiat. Von dem war ich schliesslich mal Fan. So hupe ich auch zum Verwundern meiner Fanclubkameraden, als der Speaker seinen Namen durchgibt.
Fanen ist schwierig an diesem Spätsommerabend, ist doch unser Megaphon immer noch in Reperatur. Und die Seifenblasenflasche, die ich als Ersatz mitgenommen habe, verbreitet eine eher schräge Ambiance. Zumal ich noch nie ein guter Seifenkünstler war.
Allerdings wollen wir Thuner ja an diesem Abend eh nicht bloss herumschreien, sondern das Spiel genau analysieren. Exklusiv für euch, liebe 2 Homepage-Leser und Leserinnen. So nimmt Freund Sascha während des Spiels Chris Okpala genau unter die Lupe, während ich Nestor 90 Minuten lang nicht mehr aus den Augen lasse. Okay, das stimmt nicht ganz. Als nämlich zwei hübsche junge Fräuleins an uns vorbeigehen, analysiere ich plötzlich ihren Gang übers ganze Stadiongelände. Ich bin schliesslich kein YB-Fan, der nur noch beim Anblick eines Fussballers in Wallungen gerät. Doch Sascha erklärt mir, dass uns wohl Sprachschwierigkeiten vor einem Doppeldate abhalten. "Die sprechen bestimmt kein französisch!" meint er energisch. Die Überprüfung der Satzlogik bleibt dem Leser überlassen...
Zu Subiat zurück, der leider kein so prall-ausgefülltes pinkiges Top anhatte, mich aber im coolen blauen Carougedress immerhin an die italienischen EM-Helden erinnert. Und er spielt auch ähnlich brilliant, steht immer wieder am richtigen Ort im Strafraum und hält den Kopf geschwind gegen den Ball. Doch ins Tor findet der Ball nicht so einfach, steht doch da ein weiteres Mal Toldino Valente, ein Mann mit Klebehänden. Bei jeder Genfer Aktion greift er schnell nach dem Ball und lässt Subiat keine Chance - nur ein einziges Mal kurz vor der Pause, als ein Thuner Verteidiger (Stettler?) einen bösen Schnitzer begeht und Subiat einen unbeabsichtigten Pass vors Tor gibt, gibts ein nesTOR. Das 1-0, ein nicht wirklich tolles Pausenresultat.
Aber eines ist klar, Subiat ist längst nicht mehr der Held vom legendären Mexicospiel, er ist alt geworden. In jeder Minute wird sein Lauf etwas langsamer. Brutal wie das Fussballerleben ist, nützt bei einem langsamen Tritt selbst die grösste Cleverness nichts mehr. Der Carougesturm wird in der zweiten Halbzeit sichtlich schwächer und selbst wenn sie Druck machen, drückt das uns nicht gross auf den Magen. Ist doch entweder der eigene Verstolperer oder Toldino Valente die Endstation jedes Angriffes. Carouge schiesst an diesem Abend nicht einmal zwei Tore.
Thun dagegen dreht auf. Kurz nach der Pause wird ein Thuner Held von einem blauen Ungeheuer gelegt. Erst reagieren wir Fans mit Protestgeschrei, dann schliesst sich uns der Schri mit einem satten Pfiff an. Berisha tritt todesmutig an den Elfmeterpunkt, zielt und - wir sind doch keine Holländer - trifft. 1-1.
Damit nicht genug, die Thuner Offensive beginnt jetzt erst. Während wir neben dem Spielfeld immer lauter werden, werden die Spieler immer schneller. Die Ballstaffete klappt einmal mehr bestens, Berisha steht am richtigen Ort, schiesst, trifft, jubelt, 1-2.
Jetzt wachen die Carouge Fans auf. Der Carouge-Fanclub ist, hört hört YB-Fans, noch jünger als wir. Kaum ein "Allez Carouge"-Schreier ist älter als 8 Jahre. Ob diese Fans noch NLB-Spiele im Carougestadion sehen werden, wenn sie einmal in der zweiten Klasse sind?
Und dann kommt Chris... also eigentlich war er ja schon immer auf dem Platz, nur selten gesehen. Selbst Chris-Beobachter Sascha fand bei manchen Okpala-Aktionen mehr Gefallen an den Werbetafeln als am Thuner Stürmer. Aber ist das nicht immer so: Schiesst ein Stürmer keine Tore, wird er sofort zum Pfui-Helden. Trifft er aber plötzlich, ist er sofort wieder der Juhui-Held. Heute ist Chris Juhi, denn Okpala trifft kurz vor Schluss zum 1-3, endlich die Entscheidung.
Übrigens, Zanni spielt wieder mal nicht. Verstehe das, wer wolle. So muss das letzte Tor halt ein anderer Einwechselspieler schiessen - Freund Rama. 1-4 wie schon im Hinspiel, man freut sich und die Spieler freuen sich beim Schlusspfiff Richtung uns zurück.
Nach dem Spiel gibts noch ein Zusammtreffen mit der Pink-Top-Lady, die ganz traurig ist. Auf franzöisch (hallo Sascha!) jammert sie über die Niederlage ihrer Helden. Wobei... vielleicht hat sie sich während dem Spiel auch ganz einfach unglücklich in Zanni verliebt, der sich doch die ganze Zeit vor ihren Augen aufwärmte. In mich dagegen, so gut ist mein französisch, hat sie sich dagegen nicht verliebt. Sonst hätte ich jetzt ja auch besseres zu tun, als diesen Spielbericht zu schreiben.

Anhang: Dialog auf der Heimfahrt

Sascha: "Ich will aber auch einen Spielbericht schreiben. Oder zumindest eine Bemerkung als Anhang."
Marianne: "Pass aber auf: Das Wort schreibt man aber nur mit einem "m"."
Sascha: "Welches Wort? "Anhang" oder "Bemerkung" ?"

Pointe: Sascha hat auch einen Spielbericht geschrieben.