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Winterthur - Thun 1:3
15.08.2008Challenge League 2008/2009


Eigentlich steht ja unser Unterhaltungsprogramm für die Zugreise nach Winterthur. Tennisfans wie wir sind, läuft bei uns das Halbfinalspiel Roger Federer/Stanislas Wawrinka gegen das weltbeste Doppel Bob und Mike Bryan – auf einem Handy. Ich sehe zwar das Tennisbällchenbällchenbällchen kein einziges Mal, aber regelmässige Spielstandrufe durch den ganzen Zugwagen (wir sind Thuner, es ist natürlich der Spielwagen!) sorgen für perfekte Pekingatmosphäre. Ob wohl deshalb ein Chinese mehrmals mit einer Fotokamera in der Hand an uns vorbei läuft?
Plötzlich aber kommt Hektik auf: Das Spiel Winti gegen Thun sei wegen Dauerregen in Gefahr! Gemäss Winti-Homepage würde der Schiedsrichter um 17.45 Uhr entscheiden. Nur sind wir da längst zwischen Bern und Zürich unterwegs. Und als besagter Zeitpunkt eingetroffen ist, ist plötzlich die Winti-Homepage überlastet. Nun wird fleissig telefoniert – okay, das Tennisspiel hat natürlich Vorrang. Aber nach dem Sieg von Federer/Wawrinka wird definitiv fleissig telefoniert. Da sind plötzlich Winti-Fans gefragt oder Sicherheitsverantwortliche, die mit dem Mannschaftscar mitfahren. Doch als wir um 18.30 Uhr in Zürich sind, haben wir nur zwei Neuigkeiten herausgefunden: Der Mannschaftscar steckt irgendwo im Züribiet im Stau. Und in Winterthur regnet es immer noch.
Fahren wir halt weiter Richtung Winti, jetzt ziemlich nervös. So bestellt Gölä beim Wägelima gar ein Kaffee. Eigentlich ein typisches Feierabendzeichen. Doch plötzlich die frohe Botschaft: Das Spiel findet statt! Entsprechend laut wird im verregneten Winti auf dem Weg zum Stadion gesungen.
Dumm nur: Eine halbe Stunde vor vermeintlichem Spielbeginn ist der Gästesektor immer noch zu. Haben da ein paar Verantwortliche doch noch nichts vom „The games must go on“-Entscheid mitbekommen? Ich treffe daher einen eigenen „Go away from the rain“-Entscheid und kaufe mir todesmutig ein Ticket für die Bierkurve. Nicht-Winti-Kenner sei gesagt: Auf der Schützenwiese wird ausnahmsweise nicht der FCT-Block mit Bier in Verbindung gebracht, sondern die Wintifans. Und wirklich: Wenn immer ein Dutzend frisch gezapfter Biere bereit stehen (nein, es sind nicht immer die selben) und man sogar zwischen 3-Dezi-Becher und 5-Dezi-Becher wählen kann, fühlt man sich wirklich im Bierhimmel. Zumal pünktlich zum Spielbeginn plötzlich sogar der Regen aufhört. Nur das Spiel fängt nicht an – der Anpfiff ist auf 20.00 Uhr verschoben, wie immerhin schon 19.35 Uhr mitgeteilt wird. Hauptsache Fussball.
Die Winti-Fans äussern sich bei Spielbeginn mit einem Doppel-Spruchband zur Umbenennung der NLB in Dosenliga. «Nennt sie wie ihr wollt. Es ist unsere Liga!!!»
Ob sich die Thunspieler in dieser Liga wohl fühlen? Immerhin startet Thun mit einem 4-4-2 zum Spiel, «mit einem Rhombus im Mittelfeld», wie der Winterthurer Landbote tags darauf analysieren wird. Ich sehe dort im Mittelfeld eher ein Chaos, aber was soll’s. Die Bälle landen irgendwie doch vorne. Vielleicht auch dank dem tiefen Rasen, gerade auf der rechten Seite aus Thuner Sicht liegt ziemlich viel Wasser.
In der 7. Minute landet der Ball beispielsweise bei Andrist, der ein Kopfduell gewinnt und zum 0:1 einschiessen kann. Der erste Gegentreffer für Winterthurs Torhüter Hitz in der gesamten Saison. Just in diesem Moment ruft mir Workaholic Sanel an, um sich nach dem neuen Zwischenstand zu erkundigen. Was für ein Torriecher!
Thun ist die bessere Mannschaft in dieser Startphase, jedenfalls so lange die Oberländer den Ball am eigenen Fuss haben. Doch kaum wagt Winti die ersten Angriffe, droht das Team wieder auseinander zu brechen. Gerade Glarner spielt einmal mehr eine schwache Partie und wird mal für mal überlaufen. Zudem fällt er durch Schwalben beziehungsweise Fouls auf. «Schon wieder der 31er» wird bald zum Standardspruch in der Bierkurve. In der 27. Minute passierts dann: Winti schiesst das 1:1. Torschütze: Natürlich Bühler.
Damit nicht genug: Wenig später trifft auch die Bierkurve. Ein voller Bierbecher trifft bei einer Freistossszene die Zwei-Mann-Mauer der Thuner. Oberpeinlich. Und Anlass für den Speaker, die Zuschauer zu Anstand aufzufordern. Nur einer hört das nicht: Jener Dicke mit dem Schirm, der mehrmals «Kinderficker FC Thun» anstimmt.
Dabei hätten die Winti-Fans doch Grund zur Freude. Vor allem in der zweiten Halbzeit. Nach der Pause hat das Heimteam das Spiel im Griff. Man fühlt sich an ein Powerplay von Rapperswil-Jona erinnert. Gleich mehrere erstklassige Torchancen hat Barlecaj. Aber auch Bühler hat eine tolle Chance, Calapes wehrt seinen Schuss im letzten Moment auf der Torlinie ab.
Thun kann das Spiel nur einmal beruhigen. Bei einem harmlosen Angriff wird zweimal ein Thuner gefoult. Zweimal erfolgt der Freistoss schnell. Beim zweiten Mal so schnell, dass Torhüter Hitz plötzlich Rama alleine vor sich sieht. Rama trifft. So steht es in der 59. Spielminute 1:2 – völlig entgegen dem Spielverlauf. Just in diesem Moment ruft mir wieder Workaholic Sanel an, um sich nach dem neuen Zwischenstand zu erkundigen. Wirklich: Was für ein Torriecher!
Winti bleibt das bessere Team und müsste wenig später den erneuten Ausgleich erzielen. Doch als Bühler alleine vor Stulz steht, trifft er nur den Pfosten. Anders in der 73. Minute Blumer. Nach einem schönen Steilpass kann er ruhig neben dem Null-Tore-Hitz einschieben. 1:3. Bei diesem Skore bleibt es, obwohl Winti nochmals eine 100 Prozent-Chance hat. Dank einer optimalen Chancenauswertung holt sich Thun die drei Punkte. Bravo!

Im Übrigen hätte Bettoni einen Platz in der Thuner Stammelf verdient.