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Thun - Brasov 0:1
26.06.2008Testspiele 2000 bis 2017


Mitten drin statt nur dabei. Heute sitzen wir beim Testspiel direkt hinter der Spielerbank der Gastmannschaft. Wir sind dabei so nah am Geschehen, dass wir jeden Moment damit rechnen müssen, dass uns der rumänische Trainer aufruft und einwechseln lässt. Als die Spieler jedenfalls vom Masseur-Duo mit einer geheimnisvollen Salbe eingeschmiert werden, stinkt es selbst in unseren Reihen grauenhaft. Ist das eigentlich eine Gleitcreme oder bloss Antibrumm? Nachfragen können wir nicht, denn das Rumänisch ist so exotisch, dass nicht einmal mehr Sanel als Dolmetscher taugt. So hören wir das ganze Spiel lang rumänische Laute, die wir absolut nicht einordnen können. Und wir hören viel, da irgendwie überall Mitglieder des Betreuerstabs stehen, die lauthals Anweisungen geben. Ob unser Trainer Ruedi Baumann wohl deshalb so eingeschüchtert ist, dass er in den Startminuten still in der Coachingzone am Boden kauert? Bei uns in der Fanreihe wird dagegen fleissig diskutiert: Wer ist bloss wer? Auf dem Feld stehen Stulz, Gerber, Guldan, Galli, Calapes, Lüthi, Faye, Scarione, Andrist, Blumer und Cattarruzi. Das junge Team spielt gefällig mit, kann sich aber kaum Torchancen erarbeiten. Eine heisse Stelle spielt sich dennoch im Brasov-Strafraum ab. Bei einem Angriff holt einer der jungen Thuner den Rumänien-Goalie Nae von den Beinen. Dieser ist rasch wieder auf den Beinen – und schlägt dem Thuner ins Gesicht. Er sieht für diese Tätlichkeit nur die Gelbe Karte. Es ist die zweite von insgesamt vier geben Karten gegen die überhart spielenden Rumänen. Klar, dass Nae von da an unser Buhmann ist.
Thun-Goalie Stulz spielt derweil eine durchzogene Partie. Viele Bälle vermag er nicht zu fassen und beim Tor in der 44. Minute trifft ihn zumindest eine Mitschuld. Er lässt einen Weitschuss von Maladarasanu rein, obwohl der Ball doch mitten aufs Tor kommt.
Nach der Pause startet das Traum-Stürmer-Duo Milaim Rama und Adrian Moser die Toraufholjagd. Die Angriffe sind nun gefälliger – wobei natürlich niemand weiss, wie stark die rumänische Elf der zweiten Halbzeit einzuschätzen ist. Denn Brasov ist irgendwie mit 30 Spielern angereist, überall spielen sie, trainieren sie oder sitzen einfach da. Und direkt vor uns zieht sich ausgerechnet Nae aus. Er hat eine blutende Verletzung an der Schulter. Ob er sich die Verletzung während dem Spiel oder bei einer Schlägerei zugezogen hat? Wahrscheinlich bei einer Schlägerei während einem Spiel. Hektik kommt aber auf der Spielerbank erst auf, als ein Killerinsekt herumsurrt. Da sich Nae mit Tätlichkeiten aber auskennt, geht er erfolgreich auf Insektenjagd.
Das Spiel der Thuner ist mittlerweile gefällig, sie sind nun mehr im Ballbesitz. Doch der letzte Pass kommt nie genau an, dem Torschuss fehlt jeweils die letzte Präzision. Die beste Chance der zweiten Halbzeit haben die Rumänen. Der 17er der Rumänen kann bei einem Konter plötzlich alleine auf Stulz losziehen. Eine klare Sache. Eigentlich. Doch im entscheidenden Moment erweist sich Stulz als nervenstark und wehrt sensationell ab.
Für den unrühmlichen Schlusspunkt des Spiels sorgt dann in der Nachspielzeit der 6er der Rumänen. Im Mittelfeld grätscht er einem Thuner von hinten in die Beine. Klare Sache: Rote Karte. Von Pfiffen und rumänischen Schimpfwörtern begleitet verlässt er das Spielfeld.
0:1 lautet das annehmbare Schlussresultat gegen einen internationalen Gegner, der immerhin GC 3:1 geschlagen hat.
Im Übrigen hätte Bettoni einen Platz in der Thuner Stammelf verdient.