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Thun - FCZ 1:1
28.10.2007Super League 2007/2008


1:1 ist mein Tipp vor dem Spiel, wobei ich mich nicht auf Torschützen festlegen will. So habe ich ja keine Ahnung mit welcher Elf der FCZ drei Tage nach dem siegreichen Pragspiel antreten will. Ob sie wohl ermüdet sind? Wer dagegen bei Thun Tore schiessen wird, ist nicht so schwer herauszufinden. Falls denn überhaupt jemand trifft - der Toredurchschnitt liegt unter 1 bei den Heimspielen - kanns ja fast nur der Rama sein oder höchstens noch ein junger wilder Thuner. Womit das Trio Zahnd, Andrist, Glarner gemeint ist und nicht etwa die Thunfans.
Die Fans geben immerhin wieder mal ein Lebenszeichen von sich. Eine imposante Choreo, die Nelson gewidmet ist: "Einisch Thuner, immer Thuner." Dazu das Trikot Nummer 21 so gross und so schön, dass man als Thunfan schon fast Tränen in den Augen bekommt. Ach, es ist herzergreifend und himmelschreiend zugleich, dass seit Jahren das Schicksal der Thuner von den selben einheimischen Spielern abhängt. Hast du gesehen, Iashvili, nach deinem 25. Tor für Thun hast du auch so eine Choreo verdient. Hm...
Iashvili sitzt heute (immerhin!) auf der Ersatzbank, andere Thuner versuchen gegen Züri zum Torerfolg zu kommen. "Käsli" zum Beispiel, wie mein Sitznachbar immer wieder liebevoll sagt. Erst nach seiner x-ten vergebenen Torchance merke ich, dass er ja von Rama spricht. Ach, Thun spielt ja so gut, ja genial in den ersten Spielminuten. Aber der Ball will einfach nicht rein. Er landet hier, er landet da, aber bloss nicht im Netz. Schliesslich ist sogar das Netz kaputt, so dass es während einer mehrminütigen Unterbrechung neu eingehängt werden muss. Aber lassen wir doch den FCZ-Liveticker dieses schier unglaubliche Thuner Startfurioso kommentieren:
"5. Erster Abschluss auf Seiten der Gastgeber, Andrist verzieht aus 25 Metern.
7. Raffael verliert den Ball in der Vorwärtsbewegung, in der Folge starten die Thuner einen blitzsauberen Konter über mehrere Stationen. Am Ende landet der Ball bei Andrist, der die gute Möglichkeit jedoch nicht nutzen kann.
8. Wieder der FC Thun! Von rechts flankt Andrist in die Mitte, wo Rama und Gerber verpassen.
9. Und gleich nochmals das Heimteam, wieder ist es Andrist, der per Kopf die Führung verpasst.
10. Schon die nächste Chance für die Berner Oberländer. Ferreira steht alleine vor dem Tor, schiesst aber daneben. Zum Glück steht es immer noch 0:0, das Heimteam hatte jetzt mehrere gute Möglichkeiten hintereinander.
15. Freistoss FC Thun, Kopfball Guldan - daneben."
Es ist zum Haareausreissen. Hätte ich nicht Angst, bald so wie Tomtom auszusehen, ich würde mir allein in der Startviertelstunde mehrere Haarbüschel vom Kopf reissen. So aber stehe ich in der schwierigen Situation, dass einerseits ich enttäuscht bin, dass es 0:0 steht - und das andererseits auch meine Freundin enttäuscht ist, dass es 0:0 steht. Wobei sie als FCZ-Fan ganz andere Spielerschwächen kritisiert.
Nach der 15. Minute flacht das Spiel insofern ab, dass der FC Thun jetzt nur noch ab und zu Topchancen hat. So in der 35. Minute. Wie schreibt doch da der FCZ-Liveticker:
"35. Wieder einmal wird Andrist freigespielt, der alleine vor Leoni steht - der Zürcher Hüter kann den Ball abwehren. Der FC Thun könnte längst führen..." Amen.
Selbst in der Pause sind Kopfschütteln und Händeverwerfen noch die häufigsten Gesten der Thunfans. Niemand kann recht glauben, was er da in der ersten Halbzeit gesehen hat. Bei Bratwurst und Eistee (natürlich!) wird eifrig diskutiert, weshalb das in St. Gallen gesehene Abschussglück die Thuner so schnell wieder verlassen hat.
Die zweite Halbzeit steht dann, wen wundert's, ganz im Zeichen des FCZ. Während die Thuner müde Beine haben, zeigen die Zürcher auf einmal ihre Stärken. Schnelle Pässe, gutes Raumspiel, gefährliche Schüsse. Bettoni sei Dank - er spielt heute geradezu übermenschlich - dass jetzt nicht der FCZ (hoch) in Führung geht.
Und doch gibt es sie noch, die Thuner Grosschancen. Ich zitiere...
"56. Jetzt brennt es auch auf der Gegenseite! Rama steht mutterseelenallein vor dem FCZ-Tor, doch der Ex-Internationale schiesst Leoni an."
Und dann, ja dann...
"61. Tor für den FC Thun! Stefan Glarner schiebt den Ball zum 1:0 über die Linie."
Alle auf der Tribüne springen in die Höhe. Oder fast alle. Wie tröste ich doch meine Freundin: "Das Spiel ist noch nicht entschieden. Der FCZ schiesst schon noch ein Tor." Als ob sich der FCZ gegen Conggeli und gegen Prag auswärts durch einen 0:1-Rückstand hätte aufhalten lassen...
"65. TOOOOOR FÜR DEN FC ZÜRICH! Raffael gelingt der Ausgleich! Zuerst kann Bettoni den Schuss des Brasilianers abwehren, doch danach findet der Ball den Weg ins Tor in Billard-Manier doch noch."
Dumm gelaufen, wie man so sagt. Nun steht Thun sehr unter Druck. Mein Zittern um überhaupt einen Punkt ist jetzt gross. Und doch hat Thun noch eine Chance. Scarione läuft alleine Richtung Leoni - da reisst Stahel ihn zu Boden. Der Pfiff von Guido Wildhaber. Rot, oder? Stahel war ja der letzte Mann? Doch wir merken: an diesem Tag wird die Rote Karte nur dummen Rassisten (es ist Anti-Rassismus-Tag) und dummen YB-Spielern (es ist Basel-YB) gezeigt. Stahel erhält nur Gelb. Der Freistoss geht daneben.
In den Schlussminuten spielt noch Iashvili - beziehungsweise er steht irgendwie auf dem Platz. Das Spiel endet ohne weitere Thuner Torchancen 1:1. Positives Fazit: Im ganzen Tribünensektor A1 hat niemand geraucht. Wie angenehm das doch sein kann. Überraschung des Tages: Haben Thuner wirklich so stahlharte Nerven, um so ein Spiel ohne Zigarette zu überstehen? Unserer aller Gesundheit zuliebe sollte die Toreffizienz wieder besser werden. Viel besser.