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Kriens - Thun 2:2
15.10.2007Testspiele 2000 bis 2017


Manchmal verschlägt es einem als Fan an die coolsten Orte. Was sind schon Amsterdam, Hamburg und Thun – die drei grossen Sündenmetropolen – wenn man in einem schmucken Ort wie Nebikon Halt machen kann. Dort steige ich heute auf meiner 1-Mann-Fanfahrt (ach, wie in der guten alten Zeit…) vom Zug aufs Postauto um. Wobei ich nicht der einzige Fussballfan bin: Als das Postauto Richtung Willi, du Sau, vorfährt, steigt auch ein Passant mit FCL-Schal ein. Dieser leidet aber entweder unter Halsweh oder unter dem Dauersupportsyndrom, denn als das Postauto in Schötz, St. Mauritz, hält, bleibt der Luzerner schön sitzen. Ich dagegen marschiere los Richtung Stadion – unglaubliche 900 Meter oder so trennen mich von dem Fussballplatz. Nur gut, fährt da gerade das Christinemobil vorbei. Christine ist schon seit dem Vormittag mit ihrer Kollegin in der Innerschweiz unterwegs. Hey, wer wollte nicht auch schon mal ein Testspiel gegen Kriens mit stundenlangem Herumschlendern in Luzern und auf dem Pilatus verknüpfen? Ich nicht!
Ich steige natürlich ins Auto ein und spare mir den dreiminütigen Fussweg. Dass sich die Fahrerin übrigens auf der Parkplatzsuche verfährt, ist nur ein Gerücht. Wir machen doch ganz gewollt eine Sightseeingtour durch Schötz. Fünf Minuten später sind wir auch bereits beim Fussballplatz.
Hier wird doch tatsächlich Eintritt verlangt. Selbst für Schötz-Vereinsmitglieder, wie Thunfan Nummer 4 klagt. Aber wer 1. im Luzernischen lebt und 2. eine FC Thun Saisonkarte besitzt, steckt jeden Schmerz weg. Besser hat es da, wer Schiedsrichter ist. Dieser jammert bei einem Schötz-Verantwortlichen: „Meine Schwester steht beim Eingang und möchte ans Spiel. Schauen Sie doch bitte, dass sie gratis reinkommt.“ „Wie heisst sie denn?“ „Claudia?“ „Ich geh rasch…“
Den grössten Bekanntheitsgrad hat aber Iashvili. Der Stadionspeaker nennt seinen Namen sowohl beim Vorlesen der Stammelf als auch beim Auflisten der Ersatzleute. Ja, unser Ex-Russe und Ex-Torschütze ist halt überall und nirgends zugleich. Oder vielleicht ist es ja bloss eine neue Variante des berühmt-berüchtigten Radio Pilatus-Gewinnspiel. Das wird kurz vor Spielbeginn über Lautsprecher übertragen. Da werden Zahlen vorgelesen, bis die Mitspielerin „Stopp“ schreit. Den entsprechenden Geldbetrag gewinnt die Zuhörerin dran. Wow, was für eine Spielidee. Bei unserer Isahvili-Variante sage ich daher bei der Variante Ersatzbank „Stopp“. Gewonnen, er spielt tatsächlich nicht von Anfang an. Rama ist Stürmer Nummer 1.
In der ersten Halbzeit ist Thun stärker. Das Eckballverhältnis lautet 7:1. Und das ich-schiess-den-Ball-über-den Zaun-direkt-auf-die-Kantonsstrasse-Verhältnis lautet 2:0. Doch das verdiente Tor will einfach nicht fallen. Schliesslich holt Kriens-Torhüter Flamur einen Thuner von den Beinen. Klare Sache: Penalty. Andrist läuft an und setzt den Ball einen halben Meter neben das Tor. Aber ich will nicht spotten, da so ein Penalty auch für Fans nicht ganz einfach ist. „Gäu, Andrist het gschosse?“ will ich zur Sicherheit von Christine wissen. Die schaut erst verduzt ihre Kollegin an, dann schaut sie wieder auf mich und meint schliesslich lächelnd: „Was, Thun het e Penalty gha?“
Zur Pause steht es also 0:0. Gelegenheit für eine Bratwurst. Doch Geduld, Geduld, obwohl ich Nummer 3 in der Warteschlange bin. In den ersten fünf Minuten wendet der Grillmeister bloss all die Würste immer wieder, während er keine einzige Wurst verkaufen will. Doch nach nicht einmal zehn Minuten Wartezeit folgt die typische Luzerner Frage: „Eine Braune oder eine Weisse?“ Aus politischer Korrektheit entscheide ich mich für eine schwarze Wurst.
Thun startet wie ausgewechselt in die zweite Halbzeit. Okay, es stehen tatsächlich mindestens vier neue Thuner auf dem Platz. Die neue Elf zeigt ihr offensives Können. In der 50. Minute erzielt Andrist das 1:0, in der 54. Minute erhöht Faye auf 2:0. Standesgemäss, kann man da nur sagen. Zumal das Eckballverhältnis schon bald 10:2 lautet.
„Wem soll ich denn den Ball zuspielen?“ nervt sich aber schon bald Hämmerli. Nachdem beide Teams weitere Spieler gewechselt haben, übernimmt plötzlich Kriens das Spieldiktat und setzt die Thuner unter Druck. Mit Folgen: Mag das 2:1 in der 70. Minute durch Duzhmani noch als zufällige Einzelleistung abgetan werden, ist das 2:2 Teil einer geradezu beängstigenden Druckphase. Der Ausgleich von Stadelmann ist in der 85. Minute die Quittung für ein unkonzentriertes Thuner Abwehrverhalten. Und in der 89. Minute muss man fast schon froh sein, dass Schiedsrichter Speranda ein Foul des Krienser Ersatztorhüters am Thuner Angreifer nicht pfeift. Ein zweiter verschossener Penalty an diesem Abend hätte wohl die Blamage perfekt gemacht.
Ein Gesichtsausdruckvergleich nach dem Spiel zeigt: Krienstrainer Marini ist gut gelaunt, während sein Nach-nach-nach-nach-nach-nach-nach-nach-Nachfolger bei Thun eher missmutig reinschaut. Bettoni allerdings ist fröhlich gestimmt. Er hat mal wieder von einer Fussball- und Ernährungsexpertin eine Schachtel Süssigkeiten erhalten. Der verdiente Lohn für eine tolle erste Halbzeit. Gäu, Christine…