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Thun - Xamax 1:1
30.09.2007Super League 2007/2008


Fulehung, Fulehung.
Auswärtige, sprich so seltsame Zeitgenossen wie Steffisburger, Spiezer oder gar Frutiger, müssen wieder mal wissen, wieso eigentlich in jedem Septemberspiel so seltsame Fulehung-Rufe im Stadion geschrien werden. Und zwar Spiel um Spiel immer wie lauter. Der Fulehung ist schlicht der Star in Thun, er ist der schnellste, cleverste, bissigste, fairste und auch beliebteste Thuner. Er hat ganz einfach alle Eigenschaften, die man derzeit bei den FC Thun-Spielern so sehr vermisst. Aber wer weiss: Würde der Fulehung auch nicht bloss an zwei Tagen im Jahr „auflaufen“, sondern müsste er an 36 (sagen wir mal 38…) Meisterschaftsspielen im Jahr sein, er würde vielleicht auch manche schlechte Leistung zeigen.
Vor dem Spiel gegen Xamax habe ich eigentlich nur zwei Hoffnungen. Einerseits hoffe ich auf eine fröhliche Antrinket zum viel wichtigeren Ereignis an diesem 48-Stunden-Tag. Andererseits ist ein Thuner Sieg doch nicht unmöglich. Schliesslich steht doch Zubi im Tor. Also einfach flach schiessen und schauen, was passiert. Das dies eine gewisse Schusstechnik der Thuner voraussetzt, sei mal dahingestellt. Überraschend ist die neue Taktik der Vereinsführung. Damit die Spieler nicht zum x-ten Mal den Beginn verschlafen, verkündet der Speaker noch während die Spieler am Warmlaufen sind, dass das Spiel in fünf Minuten beginne. Spielbeginn um 15.45 – ist doch klar, hier läufts wie im Eishockey… Ja, ja, SCL-Bruno, Langnau ist super...
Die überraschende und sicher nicht zufällige Falschinformation scheint jedenfalls zu funktionieren. Die Thuner sind in diesem Spiel wach, sehr wach. Als Andrist ein Tor schiessen will, trifft er nicht. Okay, solche Szenen gibt es x-fach in einem Thunspiel. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Rama rennt zu Andrist und schüttelt ihn. In der fluchenden Fanszene („verdammt noch mal Rama“ ist ein vergleichsweise netter Kommentar) stellt sich der Bruder vor einen Fan, bespuckt ihn und gibt ihm eine Ohrfeige. Bedenkliche Vorfälle.
In der 24. Minute zeigt Xamax mit einem harmlosen Angriff, wie erfolgreiche Mannschaften funktionieren. Als Team. Ball hier, Ball da, Ball im Tor. Auch dank schwacher Thuner Gegenwehr. Dank Nuzzolo steht es 0:1.
Dies macht nun Nelson sauer, doch kann er seine Energie wenigstens positiv umsetzen. Nach einem tollen Lauf über den halben Platz, passt er zu Rama, der den Ausgleich schiesst. Immerhin.
Aber eben. Rama ist Rama. In der 40. Minute trickst er den gegnerischen Verteidiger brillant aus, läuft alleine vors Tor. Doch „solo vor Zuberbühler schob er den Ball kläglich vorbei“. Zitat aus der Zeitung, da mir mal wieder die Worte fehlen.
Dies hätte der Beginn eines spannenden Fussballnachmittags sein können, aus Thuner Sicht sogar sollen. Doch die zweite Halbzeit ist schlichtweg ereignislos und schlecht von beiden Seiten. Buchstäblich zum Wegschauen. Als SCL-Bruno…ja, ja, von mir aus ist Langnau auch auf Platz 1 und nicht auf Platz 2 – wobei gemäss Verlustpunkten Gotteron vor Langnau wäre und überhaupt, die meisten Verlustpunkte macht immer noch Thun… Als jedenfalls SCL-Bruno zehn Minuten vor Schluss nicht zum 100. Mal an diesem Tag die Eishockeytabelle vorliest, sondern von Rama endlich das 2:1 fordert, hat dieser Sekunden zuvor schon das Spielfeld verlassen. Das Spiel endet 1:1.
Nach dem Spiel gefeiert wird die Mannschaft an sich und als Einzelspieler Nelson. Für Rama gibt es keinen Sonderapplaus. Doch der eigentliche Star ist schon bald wieder der Fulehung. Die Nacht der Nächte kann beginnen. Auch für die Thunspieler. Wie sagen wir doch weit nach Mitternacht in einer Beiz: „Unter Heinz hätte es das nicht gegeben.“ Doch lassen wir doch zumindest den Ur-Thunern unter den Spielern die Freude, schliesslich identifizieren sie sich zu 100 Prozent mit der Stadt und dem Verein. „Heute gibt es den FC Thun für mich nicht“, sagt mir ein Spieler beim Täntsch. „Einmal Thun, immer Thun“, antworte ich und schüttle den Kopf. Er versteht mich… nicht. Ich laufe ihm in dieser Nacht noch zweimal über den Weg, wobei er im Anthrax von selber an meinen Tisch kommt und mich als „Kopfschüttler der Nation“ bezeichnet. Ich gehe dann gegen 3 Uhr morgens in den Chäs, wo mit Rollhockey- und Eishockeyspielern sogar richtige Gespräche möglich sind.
Fulehung, Fulehung.