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Rapid Bukarest - Thun 0-0
07.07.2006Testspiele 2000 bis 2017


Es lebe die Fussballprovinz! Ohne stasimässige Ticketverkaufsmethoden, ohne entwürdigende Eingangskontrollen noch einmal den FC Thun spontan zu einem Auswärtsspiel begleiten – neuerdings leider eine Seltenheit. Umso mehr freuen wir uns auf den Abend in Erlenbach, wo Thun an einem Pubfestival gegen Rapid Bukarest spielt.
Dummerweise bedeutet Fussballprovinz aber auch schlechte Organisation. Um 17.30 treffen wir in Erlenbach ein, schlendern Richtung Fussballplatz, wo uns einige Jungs an der letzten Abzweigung die Eintrittskarten verkaufen. Dummerweise berechtigen die aber gar nicht zum Eintritt, wie wir einige hundert Meter später verdutzt feststellen. Die Security verweigert uns den Eintritt, vor 18.00 dürfe keiner das Gelände betreten. Und überhaupt fehlten die Frauen, bei denen man die Eintrittskarten gegen einen „Bezahlt“-Stempel eintauschen könne. Um Sechs regnet es dann ziemlich heftig, rein dürfen wir aber immer noch nicht. Etwa 18.15 tauchen dann die Frauen auf, womit die mittlerweile 50 Wartenden doch noch in der Fussballprovinz willkommen geheissen werden.
Warten. Das muss man in Erlenbach irgendwie überall. Da warten Spieler und Fans gemeinsam hinter den gerade einmal zwei Pissoirs. Richtige Schlussfolgerung des Veranstalters: Man sperrt das WC während dem Spiel zu.
Gewöhnungswürdig auch die Atmosphäre im Festzelt. Die Stunde vor dem Spielbeginn verbringen wir dort. Nicht unbedingt, weil die Gaudi so gross ist. Auf jede Bestellung wartet man zwischen 20 und 30 Minuten, seien es jetzt 6,50 Franken-Pommes oder achtfränkige (!) Bratwürste. Aliki wartet auf ihre Nuggets schliesslich ungefähr 16 mal Rot, 16 mal Blau und einige Male Grün lang. Eine unverständliche Zeitangabe? Im Festzelt wird die ganze Zeit vor dem Match das Licht getestet. Rot – Grün – Blau. Szenenapplaus für das Rotlicht ist denn auch der Höhepunkt der Festzeltunterhaltung. Andere Fans sind derweil damit beschäftigt, eine Sitzbank zu finden, die nicht gleich in sich zusammenkippt.
Was für ein Spiel könnte auf einen so langatmigen Veranstaltungsauftakt folgen? Genau: ein Spiel fast ohne Torszenen. Nicht weiter verwunderlich, besteht die „Anzeigetafel“ nur aus einer elektronischen Zeitangabe, mit Toren darf man heute nicht rechnen. Thun hat zwar einige Chancen, wobei zwei Ramapässe erwähnenswert sind. Zu einem Torjubel kommt es allerdings nicht.
Der Farbtupfer des Spiels sind die spielerisch belanglosen Rumänen, oder besser gesagt ihre mit Werbung verunstalteten Trikots. Auf ihrer Brust prangt nicht nur der FIAT-Schriftzug, sondern auch die italienische Nationalflagge. Eine ähnlich gelungene Lobpreisung an das Weltmeisterland wie mein Gattuso-Bart. Oder etwa nicht, Chrige?
Eben, das Spiel endet 0-0. Worauf wir Fans halt selber im Matschsand am Spielfeldrand herumkicken. Dass dies möglich ist, ist wiederum das Tolle an der Fussballprovinz.