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Thun - Yverdon 3-0
27.11.2005Super League 2005/2006


„Ausser Longo könnt ihr alle gehen.“ Frech das Transparent, das heute zu Spielbeginn in der Thuner Fankurve hängt. Vordergründig ist es die Antwort auf den Blick-Bericht vom Freitag, der einen Longo-Rausschmiss bei einer Thuner Niederlage gegen Yverdon prophezeit hat. Allerdings ist dieses „Longo ist bald weg“-Gerücht keine Neuigkeit, weshalb das Spruchband auch eine Art Frustabbau für vieles ist, was in den letzten Wochen beim FC falsch gelaufen ist. Was positiv ist: Endlich zeigt sich die Fankurve wieder als Einheit, alle stehen zusammen hinter Longo – vielleicht mit Dschüsä als wichtigster Ausnahme. Die Fans zeigen Kampfgeist.
Dies erhofft man sich auch von der Mannschaft. Und der Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen: Noch bevor selbst der kritischste Matchbesucher einen ersten Fehler eines Thuner Spielers entdecken und bösartig kommentieren kann, schiesst Ferreira nach 25 Sekunden das 1-0. Es darf gejubelt werden!
Nur ist längst keine Feierstimmung angesagt, denn die Führung beruhigt die Spieler kaum und uns Fans schon gar nicht. Trotz dem 1-0 wirkt die Mannschaft zeitweise wieder genauso unsicher wie in der letzten halben Stunde gegen Xamax. Spätestens ein Yverdon-Lattenschuss ist ein deutlicher Weckruf.
Aber die vielleicht 10 Yverdonfans, die zwei Grün-Weissen Fahnen, aber keine einzige Zaunfahne mit dabei haben, haben zum Glück in der ersten Halbzeit keinen Grund zum Jubeln. Sen schiesst in der 36. Minute das 2-0.
Während einige SMS mit den jeweils neuen Zwischenresultaten verschicken, drehen sich bei Röbi alle SMS um das Abstimmungsergebnis. Das neue Gesetz zur Sonntagsarbeit ist knapp angenommen worden, was ihn als typisch leid geplagten Verkäufer natürlich nervt. Und mein Lied „Fussball ohne Röbi“ vermag ihn irgendwie auch nicht aufzumuntern.
Eine ähnliche Verlierermentalität hatte heute auch wieder einmal Mauro. Lustrinelli verschiesst bald wieder die besten Bälle. Als er in der 67. Minute endlich trifft, ist sein Treffer längst überfällig. Erlösend laut ist der Jubel des Teams, heute ist der erste Thunsieg seit Wochen spürbar nah.
Niemand holt sich heute auf den Rängen aber übermässig viel Bier, statt viel getrunken wird laut gesungen und wild gehüpft. Und Kevin gibt eh alles an der Trommel. Ja, er ist wieder aufgetaucht, er versuchte am Dienstag nach seinem „Ich vergesse in Münsingen auszusteigen“-Lapsus zuerst per Autostopp heimzukommen (wobei er fast überfahren wurde) und nahm sich dann schliesslich ein Taxi (die 50 Franken gab ihm mal wieder einer der viel zu gutmütigen Thunfans).
Kann Thun heute verlieren? Wohl kaum. Auch wenn René immer lauter tobt. Wie kommt er auch nur auf Idee, die Entscheide des Linienrichters anzuzweifeln? Etwas mehr Vertrauen in die Fussballwissenschaftler bitte. Renés Ärger ist aber zumindest vernünftiger als der Ausraster eines Yverdonspielers kurz vor Schluss, der erst einen Thuner schubst und dann noch lauter als René (na ja, fast so laut) herumbrüllt. Stark Gelb-Rot-verdächtig. Es gibt nur Gelb.
Der letzte Farbtupfer im Spiel, wenig später pfeift Schiedsrichter Rogalla ab. Thun hat endlich wieder gewonnen und – was auch wichtig ist – auch Jakupovic ist ohne Gegentor geblieben. Statt „Bravo Thun“ hallt aber ein anderer Ruf durchs Stadion: „Ohne Longo – ohne uns! Ohne Longo – ohne uns!“ Womit die Fans ebenso wie die Mannschaft heute ein deutliches Zeichen gesetzt haben. Fortsetzung folgt.

Matthias Engel