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Thun - St. Gallen 7-8 n.P.
07.12.2003Schweizer Cup 2003/2004


Sonntag, 7. Dezember 2003, 18.15 Uhr, Lachenstadion in Thun: Jetzt ist es ruhig. Die St. Gallenfans haben genug mit dem (Petraden-) Feuer gespielt und sind endlich auf dem Heimweg. An sie erinnern nur noch ein paar umgekippte Verkehrsschilder und Mülleimer. Wie friedlich Ostschweizer doch nach gewonnenen Spielen sind.
Einige letzte Thunfans sitzen an den Tischen vor der Stadionbeiz. Warum auch rein bei Minustemperaturen. An all den Tischen sitzen doch nun eh vor allem FCSG-Funktionäre. Sie geniessen ihren letzten grossen Sieg vor dem Abstieg.
Derweil draussen Versuche einer Spielanlyse zwischen betrunkenen und (nicht oder!) betrübten Thunfans. "Wie kann bloss ein 2-0-Vorsprung verspielt werden?" "Warum ist Thun so überlegen und trifft das Tor trotzdem nicht?" "Warum pfeift Leuba diesen klaren Penalty nicht?" "Warum wird Rama Minuten vor dem Penaltyschiessen ausgewechselt?" "Warum diese Niederlage... ausgerechnet gegen St. Gallen?"
Da geht Andy Egli an unserem Tisch vorbei, eine mit einem St. Gallen-Kleber verunstaltete Kartonschachtel in der Hand. "Wollt ihr Bananen?" fragt uns der heutige St.Gallen-Manager und frühere Thun-Trainer (Anmerkung für alle Thuner Modefans, welche diesen Text hier lesen...) Wir nehmen das Angebot sofort an und essen schon bald halb-verfaulte, eigentlich für spielende FCSG-Trottel gedachte Bananen. Da schlendert Egli weiter und wird dabei mit "Ugly Egli"-Rufen verabschiedet.

Sonntag, 7. Dezember 2003, 17.08 Uhr, Lachenstadion in Thun: Der Ball springt von der Bande weg und rollt zurück auf den Rasen. Alle Thunfans starren ihn noch einige Sekunden an, bevor sie erste Blickkontakte untereinander wagen. Absolute Stille im Thuner Sektor. Während Hodzic, er hat gerade den entscheidenden siebten Thuner Penalty verschossen, sich davonschleicht, kommen plötzlich die St. Gallen-Spieler Richtung Raztetti dahergespurtet und bespringen sich gegenseitig auf gar nicht jugendfreie Art. St. Gallen feiert gerade den Einzug ins Cuphalbfinale. Alle Thuner, ob Spieler oder Fans, sind voller Trauer. Wie meldet sich doch zur selben Stunde ein Xamax-Fan nach einer Niederlage gegen GC: "Ich bin tot im Herz." Wie sehr man doch in Thun dieses düstere Gefühl kennt.

Sonntag, 7. Dezember 2003, 15.57 Uhr, Lachenstadion in Thun: Ungeduldig winkt Andy uns Thunfans zu. Er ist gerade auf die Hecke geklettert, um gleich das FC Thun-Sprüchlein anzustimmen. Doch die anderen Gesänge sind noch zu laut. Doch auch als all die Lobeshymnen verklingen, beginnt Andy noch nicht. Die St. Galler sind nämlich gerade in Ballbesitz und ihr Angriff ist gefährlich.
Der Schuss vors Tor, Barnetta am Ball, Kobel sieht schlecht aus - 2-2, der Ausgleich in der 72. Minute. Als ob wenige Augenblicke davor das Tor von Naldo nicht schon schlimm genug gewesen wäre...

Sonntag, 7. Dezember 2003, 15.50 Uhr, Lachenstadion in Thun: Es gibt kein Halten mehr, alle rotgekleideten Thunfans liegen sich in den Armen - ob sie sich nun kennen oder nicht. Die unzähligen Schreie sind voller Energie und Freude, gemeinsam erleben wir schönste Glücksmomente.
Nachdem Rama gerade zum zweiten Mal innert wenigen Minuten die St. Galler Verteidigung ausgetrickst hat, liegt der FC Thun gegen St. Gallen in der 65. Minute scheinbar uneinholbar mit 2-0 in Führung. Spätestens jetzt scheint uns allen Basel so nahe, in unseren Träumen hat das Cupfinalspiel Thun-GC längst begonnen. Selten war es schöner Thunfan zu sein. "Wiiiiiiiiihuuuuuuuuuuu! Wiiiiiiiiiiihuuuuuuuuuu!" Dieser Moment wird niemals enden, er bleibt immer in Erinnerung...